Fischbach

Mehr als Jammern

In Fischbach diskutierten Gläubige über die Bestattungskultur.
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Erdbestattung oder Urnenbeisetzung? Trauergottesdienst oder weltliche Bestattung? Engel und ausgefallene Gestecke auf dem Grab oder schlichte Grabgestaltung? Es herrschte eine rege Diskussion im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Fischbach. Pfarrer Manfred Greinke hatte zu einem Gemeindeabend unter dem Motto "Unsere Begräbniskultur - ein Reizthema" eingeladen.

Dabei ging es ihm nicht darum, einen Vortrag zu halten. Vielmehr sollten die zehn Gemeindemitglieder, die gekommen waren, frei und ohne Vorbehalte ihre Gedanken zu diesem Thema äußern. Rasch füllte sich die Tafel mit unterschiedlichen Begriffen. Von Erdbestattung über Friedwald, Urnenwand, Aufbahrung, Leichenschmaus, Bestattung bei Selbstmord, Friedhofskultur bis hin zu weltliche Beisetzung oder Trauerbewältigung reichte die Vielfalt der Themen. Dabei kristallisierte sich rasch heraus, dass sich die Mehrheit der Anwesenden für eine Erdbestattung ausspricht. Bei einer Beisetzung, nach der der Leichnam in ein Krematorium gefahren wird, stellt sich für viele die Frage: Was passiert mit dem Leichnam? Enthält die Urne wirklich nur die Asche des Verstorbenen?

Obgleich Pfarrer Greinke die Problematik des Platzes auf den Friedhöfen in großen Städten sieht, die eine Urnenbeisetzung notwendig machen, steht für ihn eine Erdbestattung außer Frage. Er zitiert dazu den Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther: "Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist?" Der Körper sei lediglich eine Leihgabe Gottes. Ergänzend dazu schildert er seine Erfahrung mit einer Urnenbeisetzung in einer Urnenwand, die für ihn viel vom Ritus der christlichen Beisetzung verloren habe. Und Elli Krell, Mesnerin in Fischbach, ergänzt: "Eine Urnenwand ist für mich wie ein Postschließfach."

Überhaupt lebte die Diskussion von der Erzählungen der Anwesenden und ihren Erlebnissen mit Begräbnissen und Trauerfeiern. So schildert Reinhard Hümmer, Lektor der Kirchengemeinde Fischbach, seinen Eindruck bei einer Urnenbestattung, die ein Trauerredner begleitete. "Es war für mich eine todtraurige Angelegenheit, da es keine Perspektive gab", so sein Fazit. Der christliche Glaube an die Auferstehung sei mit keinem Wort erwähnt worden.

Dies zeichne jedoch den christlichen Bestattungsritus aus, erklärt Pfarrer Greinke. Für ihn hat Seelsorge auch damit zu tun, das Jammern zu begrenzen. "Die Trauer, das Leid, das Weinen werden ernst genommen. Aber es braucht eine Aufwärtsbewegung", so der Theologe.

Traditionen

Einigkeit herrschte auch im Hinblick auf die Tradition des Leichenschmaus: "Man kann doch niemanden hungrig gehen lassen", lautet die einhellige Meinung. Während der Pfarrer es ablehnt, dass ein Bild des Verstorbenen während des Trauergottesdienstes im Altarraum steht - "dies ist der Platz des Gekreuzigten!" -, gehört für ihn das Bild beim Leichenschmaus dazu.

Ein Großteil der Begriffe, die zu Beginn der Diskussion zusammengetragen worden waren, konnten an dem Abend nicht be- und angesprochen werden. Darum vereinbarte der Kreis, sich in einem Jahr erneut an einem Gemeindeabend diesem Thema zu widmen. Der Abend machte deutlich: Es besteht Gesprächsbedarf über ein Thema, dem viele gerne aus dem Weg gehen.

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