Coburg

Mehr als einfach ein Tabakladen

Über rund 40 Jahre war die Pfeifen-Stube für Raucher in Coburg eine Anlaufstelle, die sie sich nicht mehr wegdenken wollten. Doch irgendwann ist Schluss. Jetzt schließt Dieter Frost seinen Laden - nicht nur, aber vor allem aus Altersgründen.
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So kennen ihn seine Kunden seit 40 Jahren. Dieter Frost steht in seiner Pfeifen-Stube. Foto: Rainer Lutz
So kennen ihn seine Kunden seit 40 Jahren. Dieter Frost steht in seiner Pfeifen-Stube. Foto: Rainer Lutz

Es passiert immer wieder während des Gesprächs. Dieter Frost greift hinter sich ins Regal, nimmt ein Päckchen Zigaretten heraus und legt es auf den Ladentisch. Jetzt erst betritt die Kundin sein Geschäft an der Ecke Unterer/Oberer Bürglaß. Sie hat das Geld schon passend in der Hand. Ein kurzer Gruß. Weg ist sie.

"Ich habe Kunden, die kommen seit 40 Jahren zu mir", sagt Dieter Frost. Das heißt, sie kommen, seit er am 3. August 1979 hier sein Geschäft eröffnet hat, die "Pfeifen-Stube Frost". 18 Jahre hat er in einer Firma gearbeitet, die Tabakpfeifen herstellte. Dann entschied er sich für die Selbstständigkeit. "Der Standort schien mir gut, auch aus Kostengründen", sagt er rückblickend. Dass es in unmittelbarer Nähe noch drei weitere Tabakwarengeschäfte gab, störte ihn nicht. Die Kundschaft reichte damals für alle.

Außerdem war Dieter Frost ein Spezialist. Es war vor allem das Pfeifenrauchen, dem er sich verschrieben hatte. "Ich hatte damals um die 800 Pfeifen hier im Laden", erzählt er. Kunden schätzten seine fachkundige Beratung - im Laden und bundesweit. "Ich hatte einen Pfeifenreparatur-Service aufgebaut, das lief deutschlandweit", erinnert er sich.

Und er erinnert sich gut daran, was das bedeutete. Neben den Stunden, die er während der Öffnungszeiten im Laden verbrachte, galt es, in der Werkstatt zu arbeiten. "Das war abends, am Samstag und am Sonntagvormittag, oft 70 und mehr Stunden in der Woche", sagt Dieter Frost. Seine Kunden honorierten es. Sie kamen aus dem weiten Umkreis und sogar Großstädter, die seinen Laden im Urlaub entdeckten, kamen danach immer wieder. Die Pfeifen-Stube Frost wurde zur Institution.

Als wieder eine Kundin hereinkommt, fragt Dieter Frost nur: "Zwei oder drei?" Die Dame antwortet: "Drei hätte ich gern." Die Marke kennt er. Sie kennt den Preis. Als sie gegangen ist, sagt er: "Es gibt Leute, die sagen, sie werden mit dem Rauchen aufhören, wenn ich den Laden zu mache. Die suchen sich kein anderes Geschäft mehr." Das ehrt ihn, und es tut ihm auch irgendwo leid.

Aber irgendwann ist eben Schluss. "Es ist vor allem aus Altersgründen", sagt Dieter Frost. Vor allem, aber eben nicht nur. Lange hat es ihm richtig Spaß gemacht, im Laden zu stehen. Aber mit der Zeit ließ der Spaß schon nach. Immer neue Bestimmungen, Auflagen, Bürokratie eben. Das schlägt auf die Freude an der Arbeit durch.

Weniger war es der Wandel bei der Nachfrage der Kunden. Darauf hat Dieter Frost reagiert. Als das Interesse am Pfeifenrauchen nachließ, erweiterte er sein Sortiment. Whisky und Rum kamen dazu, Zeitschriften und Feuerzeuge. "Ich war Zippo-Depot für Coburg", sagt er. Ein breites Sortiment der Kultmarke hat er immer noch im Angebot. "Ich hatte sogar mal eine limitierte Auflage mit Zippos, auf denen die Veste eingraviert war", schwärmt er.

Und dann waren da ja noch die Zigarren. Die kommen aus Kuba beispielsweise oder aus Nicaragua und lagern bei ihm in einem speziellen Klimaschrank. Auch da ist es seine fachkundige Beratung, die aus Kunden Stammkunden macht - wie bei den Pfeifentabaks, die er als Eigenmarken vertreibt.

Ein junger Kunde kauft Tabak und Utensilien zum Zigarettendrehen. Dieter Frost legt ihm einen Bon hin. Wieder so ein Thema. "Ich muss jetzt jedem Kunden einen Bon ausdrucken, die kann ich dann alle zum Wertstoffhof fahren", sagt er. Denn bisher hat noch kein Kunde das Zettelchen mitgenommen, das neuerdings Vorschrift ist. Das Ausdrucken wohlgemerkt, nicht das Mitnehmen. Der Bon für den jungen Kunden landet bei den anderen - aufgespießt auf einem Zetteldorn.

Noch ein Standbein

Die nächste Kundin möchte eine von diesen modernen E-Zigaretten. "Verdampfer" heißen die Dinger, die mit unterschiedlichsten Liquids, aromatisierten Flüssigkeiten, bestückt werden können. Auch die kamen irgendwann an als zusätzliches Standbein. Ein guter Laden führt, was seine Kunden sich wünschen.

Es waren die vergangenen zehn Jahre, in denen der Spaß an der Pfeifen-Stube bei Dieter Frost nachgelassen hat. "Das neue Rauchgesetz hat uns Ladenbesitzer schwer getroffen", sagt er. Trotzdem hat er weitergemacht. Seine Kunden lagen ihm am Herzen. "Wenn ich jetzt aufhöre, dann muss ich meinen Kunden Danke sagen für die Treue, die sie mir gehalten haben. Ich wünsche ihnen alles Gute, aber irgendwann ist eben auch mal Schluss", sagt Dieter Frost. Am Montag, 13. Januar, beginnt bei ihm der Ausverkauf. Dann gibt es Rabatt. "Allerdings nicht auf Tabakwaren", betont er. Neues kommt nicht mehr rein. Wenn der Laden leer ist, dann schließt die Pfeifen-Stube Frost. Für viele Kunden von Dieter Frost wird sie in der Erinnerung mehr sein als ein Laden, den es einmal gab. Sie werden sie und Dieter Frost gewiss vermissen.

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