Max Baumann ist zurück in Kronach

Eine Sonderausstellung eröffnet eine Reihe von Festtagen zum 100. Geburtstag des Komponisten und Musikpädagogen Max Baumann.
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Eine kleine, aber feine Ausstellung über Max Baumann ist derzeit in der Kapelle der Festung Rosenberg zu sehen. Fotos: Nicole Julien-Mann
Eine kleine, aber feine Ausstellung über Max Baumann ist derzeit in der Kapelle der Festung Rosenberg zu sehen. Fotos: Nicole Julien-Mann
Nicole Julien-Mann

Max Baumanns "Vielfalt entspringt einem vitalen Musikantentum", zitiert Museologe Alexander Süß aus einem Lexikon für zeitgenössische Musik. Kaum eine musikalische Gattung, der der gebürtige Kronacher Max Baumann nicht ein Werk gewidmet hätte. Solokonzerte, Werke für Orchester, Kammermusik, geistliche Chorwerke, weltliche Chöre, Orgelstücke - der Komponist schien auf eine nicht versiegende Quelle der Inspiration und Kreativität zurückgreifen zu können, die sich nach seinem Verständnis aus seinem tiefen Glauben speiste.
Der Künstler und überaus geschätzte Musikpädagoge hatte das Glück, schon zu Lebzeiten die Anerkennung zu erhalten, die er verdiente. Am 20. November jährt sich sein 100. Geburtstag. In Konzerten, Messen und Vorträgen wird er in seinem musikalischen und geistlichen Werk lebendig.


Bewegtes Leben

Die am Samstag in der Festungskapelle eröffnete Sonderausstellung ist klein, aber fein: Sie lädt dazu ein, dieses bewegte Leben (wieder) zu entdecken und richtet ihren Blick auch auf den Menschen Max Baumann. So ist ein Foto von ihm in seiner "Lieblingskomponierhose" zu sehen - ein Ungetüm, an das sich seine Freunde lachend erinnern. Oder die winzigen Bleistiftstummel. Es mussten ganz bestimmte Griffel mit besonders weicher Mine aus fränkischer Produktion sein, mit denen er seine Kompositionen aufs Notenpapier brachte. Ungern trennte er sich von einem Stift, die Kronacher Ausstellung belegt dies. Man sieht Notenblätter, Notizzettel, Utensilien, sein Leben ist in bebilderten Tafeln skizziert. Und er ist auch zu hören - nicht nur musikalisch.


Radiomitschnitt

In der Vernissage kommt er nämlich selbst zu Wort. In einem Radiomitschnitt spricht er vital, mit fränkischem "R" und feiner Selbstironie über seine Lieblingskomponisten: Wenn er Brahms höre, meinte er, es gäbe nichts Besseres, höre er Bruckner, sei er hingerissen und Brahms drei Zentimeter kleiner. Höre er dann aber Mendelssohn-Bartholdy, möchte er dessen Violinkonzert selbst geschrieben haben.
In den Kontext seiner großen Vorbilder, Lehrer und Kollegen stellte der Vegesacker Chor Bremen unter der Leitung von Karl Unrasch das Programm für die Ausstellungseröffnung mit zwei Werken von Max Baumann. Neben dem Chorsatz "Mittagsruh" nach einem Gedicht von Joseph von Eichendorff sangen die Bremer das spirituelle "Salve Regina". Drum herum erklangen weltliche und geistliche Werke aus Barock (Heinrich Schütz) und Romantik von Anton Bruckner, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Antonin Dvorak und Albert Becker. Mit Hugo Distler, dem Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik, war ein Lehrer Baumanns zu hören. Bei ihm hatte er Unterricht in Chorleitung. Mit dem "Laudate" des Norwegers Knut Nystedt war ein fast gleichaltriger Zeitgenosse zu vernehmen. Adelheid Geck verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Sie war seit 1958 Schülerin von Baumann, bei dem sie Musiktheorie und Komposition hörte. Sie stimmte mit ihrem vierstimmigen Chorsatz "Bekränzet mit grünem Efeu" die Gäste sowohl musikalisch als auch thematisch auf die Vernissage ein.
Baumann liebte Musik und er liebte die Menschen. Viele Schüler und Freunde hielten eine enge Verbindung zu ihm, die über dessen Tod hinausging. Christa und Karlheinz Lanzerath waren eng mit dem Ehepaar Baumann befreundet. Seit 1966 singen sie im Vegesacker Chor Bremen mit. So schließt sich der Kreis: Max Baumann zog von Kronach in die Welt - und die kommt jetzt für und mit ihm zurück. Seinem geistigen und musikalischen Erbe besonders verpflichtet hat sich die Max-Baumann-Gesellschaft. Die Vorsitzende Adelheid Geck erzählt, wie sie als Studentin Klavierauszüge zu Baumanns Kantaten und Oratorien schrieb. "Alles mit der Hand, es gab ja noch keinen PC! Die "Auferstehung" hat 1400 Takte - da lernt man mehr als in einer Vorlesung."
Wer mehr über und von Max Baumann hören will, hat dazu reichlich Gelegenheit. Ein Faltblatt mit dem Programm liegt in der Touristinformation in Kronach aus.
Am 100. Geburtstag, dem 20. November 2017, wird eine Heilige Messe in der Basilika in Vierzehnheiligen um 10 Uhr zelebriert.
Wer daran teilnehmen möchte, kann sich bei Adelheid Geck anmelden unter Telefon 09178/18654 oder per E-Mail unter dr.geck@t-online.de.
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