Vorbach

Maurer und die Kunst der Fuge

Auf der Ruine Raueneck bei Vorbach laufen zurzeit umfangreiche Bauarbeiten. Es geht um die Sicherung des Bestandes vor weiterem Verfall für die touristische Nutzung der einstigen Burg.
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Rafael Sereda füllt die Fugen im Mauerwerk mithilfe zweier Spachteln. Wenn's jetzt kälter wird, zieht der Spezialmörtel nicht mehr an.
Rafael Sereda füllt die Fugen im Mauerwerk mithilfe zweier Spachteln. Wenn's jetzt kälter wird, zieht der Spezialmörtel nicht mehr an.
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Eckehard Kiesewetter Ebern/Vorbach — "Da kommen schon ein paar Kilometer Fugen zusammen", sagt Mike Goldenburgen. Er und seine Kollegen vom Bauunternehmen Kirchner aus Sulzbach bei Hofheim sind seit März mit Arbeiten auf der Ruine Raueneck beschäftigt. Es geht um die Restaurierung und Sicherung der Ruine im Auftrag des Landkreises Haßberge, um sie langfristig zu erhalten und als Station für den Burgenlehrpfad touristisch aufzuwerten.

Detailarbeit

Zurzeit ist eher Sorgfalt und filigrane Kleinarbeit angesagt. Aber im Sommer haben die Männer bei bis zu 38 Grad ganz schön geschwitzt, um den Burggraben freizulegen, den einsturzgefährdeten Wohnturm (Palas) mit seiner zwölf Meter hohen Mauer zu sichern, eine Treppe und eine alte Tür an der Zwingermauer freizulegen und den Schießschartenerker und einen alten Mauerbogen aus der Hussitenzeit zu rekonstruieren. Dazu war und ist viel Handarbeit notwendig.

"Frühere Sanierungsversuche waren nicht fachgerecht", erklärt Florian Schobig, einer der Arbeiter, "da hat man einfach Fugen zugekleistert." Jetzt muss zerbröselter Zement aus den Fugen herausgekratzt und durch einen speziellen Kalk-Mörtel ersetzt werden, der im Sandstein langsam aushärtet. Am Palas hatten Metallverstrebungen aus dem 18 Jahrhundert den Einsturz der zwölf Meter hohen Mauer verhindert, waren jedoch inzwischen selbst ausgebrochen. Die Wand wurde gesichert und ein Teil der Mauersteine durch widerstandsfähigeres Gestein ersetzt. "Einige Tage", schätzt Schobig, können die Arbeiter noch weiter machen, "solange es noch warm genug ist für den Mörtel." Dann ist Winterpause.

Ein alter Friedhof

Beim Freilegen des Halsgrabens sind die Arbeiter auf Menschenknochen gestoßen, Spuren eines alten Friedhofs. Und sie haben eine Menge Keramikscherben ans Tageslicht befördert, auch Armbrustbolzen, Ringe und Broschen. Rafael Sereda, einer der Arbeiter, ist seit Jahren hobbymäßig als Metallsondengänger unterwegs. Er hat im Auftrag von Burgenforscher Joachim Zeune, der das Sanierungsprojekt wissenschaftlich betreut, schon einige Fundstücke aus dem Ruinenboden gefischt. Diese Funde werden gesichert und von Zeune begutachtet.

Es gibt aber auch schon wieder Raubgrabungen auf der Burg, wissen die Arbeiter. "Schwarze Schafe, die ihre Löcher noch nicht mal zumachen."

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