Neudrossenfeld
Unwetter

Maßnahmen gegen Überflutungen

Der globale Anstieg der Temperaturen hat schon jetzt immense Auswirkungen auf alle. Denn die Chance, dass Starkregenereignisse vermehrt auftreten, steigt unaufhörlich - auch in Oberfranken, auch in Ne...
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Regenwasserexperte Heiko Sieker von der TU Berlin hielt im Neudrossenfelder Bräuwerck ein Referat über richtige Entwässerung.  Foto: so
Regenwasserexperte Heiko Sieker von der TU Berlin hielt im Neudrossenfelder Bräuwerck ein Referat über richtige Entwässerung. Foto: so
Der globale Anstieg der Temperaturen hat schon jetzt immense Auswirkungen auf alle. Denn die Chance, dass Starkregenereignisse vermehrt auftreten, steigt unaufhörlich - auch in Oberfranken, auch in Neudrossenfeld. Bisher setzen die oberfränkischen Kommunen auf eine Entwässerung im Trenn- oder Mischsystem.
"Das Mischsystem ist heute schon nicht mehr zulässig", betonte der Regenwasserexperte Heiko Sieker von der TU Berlin. Sieker kam nach Neudrossenfeld, um die Gemeinde zu beraten und um Möglichkeiten, Überschwemmungen zuvorzukommen, aufzuzeigen. "Der Zweckverband Abwasserbeseitigung Rotmaintal Neudrossenfeld und Heinersreuth möchte im Rahmen des Hochwasserrisikomanagementplanes eine Starkregengefahrenkarte erstellen lassen", erklärte der Neudrossenfelder Bürgermeister Harald Hübner die Hintergründe. "Wir können die Kanäle nicht aufblasen. Das hätte zur Folge, dass wir schnell Abwassergebühren von fünf oder sechs Euro hätten", sagte Verwaltungsleiter Rainer Schimpf.
"Die derzeitigen Kanäle sind auf Niederschläge, die sich zwischen höchstens zwanzig bis dreißig Millimeter oder Liter pro Quadratmeter bewegen", erklärte Sieker. Doch durch die Starkregenereignisse, die in Deutschland vor einigen Jahren für Schlagzeilen sorgten, kamen Fluten von 290 Millimeter oder Liter pro Quadratmeter vom Himmel. "Das ist das Zehnfache, was die Kanalisation aushalten könnte", rechnete Sieker.
"Unsere gesamten Kanäle sind so ausgelegt, dass sie alle zwei Jahre überlaufen könnten. Das kann in Zukunft aber auch öfter sein", warnte Sieker. Aus diesem Grund empfahl er allen Immobilienbesitzern, selbst zu investieren. "Es gibt einfache dezentrale Alternativen", so Sieker. Er warb für Versickerungsgräben und Mulden mit Rigolen-Systemen. Diese können bei allen Bodenarten angewandt werden. Außerdem gibt es durchlässige Pflasterbeläge. Vor allem in Großstädten habe mit solchen Flächen gute Erfahrungen gemacht.
Sieker zeigte Bilder von Dachbegrünungen und Zisternen. Aber auch Grünflächen sowie Hecken- und Blühflächen könnten wertvolle Dienste leisten. In größeren Städten setzen die Planer bereits auf komplett regenwasserkanalfreie Bebauungsgebiete. "Man kann mit den richtigen Maßnahmen, das Wasser zurückhalten - das ist viel biliger", so Sieker.
Rainer Schmipf warb bei allen Bürgern dafür, selbst zu investieren. "Andernorts werden für solche Investitionen sogar schon Förderprogramme aufgelegt", betonte der Verwaltungsleiter. Konkret betrachtete der Experte die Neuenreuther Straße. Dort fließe Wasser in großen Mengen von einem Maisfeld ab. Ein Anwohner habe eine Mauer gebaut, um sich zu schützen.


Gesellschaft von "Ichlingen"

"Wir wollen jetzt eine Analyse, die klar Auskunft darüber gibt, wo welches Wasser anfällt, wohin es fließt", sagt Schimpf. Möglicherweise könne die Gemeinde irgendwann Vorschriften erlassen, welche Pflanzen angebaut werden dürften, um höherwertige Güter zu schützen. "Wir müssen endlich aufhören, eine Gesellschaft von Ichlingen zu sein. Wir müssen Überzeugungsarbeit bei der Bevölkerung leisten und wir müssen die Landwirtschaft mit ins Boot holen", appellierte Schimpf an alle.
Die Gemeinde Neudrossenfeld sieht sich als Vorreiter in Sachen Entwässerung und Umweltschutz. Sie hat schon vor Jahren vorgeschrieben, dass im Neubaugebiet Zisternen eingebaut werden müssen. Außerdem ist die Berechnung der Niederschlagswassergebühren je nach Quadratmeter versiegelter Fläche und nach Versiegelungsart gestaffelt.
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