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Marktmühle in Wonsees öffnet ihre Türen

Auf dem Schiefergiebel leuchtet das Hauswappen in der Sonne. Die eindrucksvolle Malerei zeigt zwei goldene Löwen, die in ihrer Mitte ein Kammrad halten. Die Löwen stehen für Stärke. Das Kammrad ist da...
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Die Marktmühle in Wonsees mit Löwenwappen Foto: Adriane Lochner
Die Marktmühle in Wonsees mit Löwenwappen Foto: Adriane Lochner
Auf dem Schiefergiebel leuchtet das Hauswappen in der Sonne. Die eindrucksvolle Malerei zeigt zwei goldene Löwen, die in ihrer Mitte ein Kammrad halten. Die Löwen stehen für Stärke. Das Kammrad ist das erste Zahnrad, das auf das Mühlrad folgt, ein typisches Element der Antriebstechnik historischer Mühlen.
Die liebevoll restaurierte Markmühle, die in Wonsees direkt am Fränkischen Gebirgswanderweg liegt, wurde 1730 gebaut. Als Roggen- und Weizen-Mahlmühle hat sie bis Mitte der 1970er Jahre Mehl produziert. Der letzte Müllermeister Michael Schoberth starb Mitte der 1980er Jahre. Danach stand die Mühle leer, bis ein passionierter Mühlen-Fan auf sie aufmerksam wurde. Mithilfe der Dachdeckerei & Zimmerei Donath sanierte er das Mühlengebäude und ersetzte die moderne Strömungsturbine wieder durch ein klassisches Wasserrad aus Lärchenholz. Das Fachwerk wurde mit Lehmsteinen ausgemauert und außen mit Luftkalkmörtel geputzt. Für die Renovierungsarbeiten wurden ausschließlich Naturmaterialien verwendet. Das würdigte die Münchner Hypo-Kulturstiftung im Jahr 2009 mit einem Denkmalpreis.
In der Marktmühle lebt die Tochter des Mühlen-Fans, Anja Soppa, mit ihrer Familie. Die Bauzeichnerin hat die Leidenschaft ihres Vaters geerbt. Sie schwärmt: "Mein Vater hat das Haus zwar zurück ins 18. Jahrhundert saniert, aber es hat alle Annehmlichkeiten, die man heute braucht." Das Mühlrad erzeugt Strom für den Haushalt, unter dem Lehmputz schlängeln sich Wandheizschleifen und im Kornspeicher steht eine Pelletheizung. "Ich wohne sehr gerne hier. Durch die Naturmaterialien hat das Haus ein richtiges Wohlfühlklima", so Soppa.


Am Pfingstmontag

Am Pfingstmontag, 21. Mai, findet bundesweit ein "Mühlentag" statt. Ab 10 Uhr vormittags stehen die Türen der Markmühle in Wonsees für Interessierte offen. Andreas Ehrhardt, Müllermeister und Vorstandsmitglied beim Bayerischen Landesverband für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e.V., bietet ehrenamtlich Führungen an. "Das Besondere an der Marktmühle ist, dass die Ausstattung komplett und typisch ist für die 1920er bis 30er Jahre", sagt er.
In der Wonseeser Marktmühle befindet sich auf vier Stockwerken, im Mühlenturm, die alte Mühlentechnik mit Walzenstühlen, Förderanlagen, Getreidesilos, Siebanlagen, Transmission und einem alten Holzaufzug. Ehrhardt zufolge ist Holz heute komplett aus dem Müllerhandwerk verschwunden. Computergesteuerte Maschinen aus Stahlblech und Kunststoffen übernehmen heute die Lebensmittelproduktion, die auf über hundert Jahre alten Prinzipien beruht. Auch im Mittelalter habe es Hygienevorschriften gegeben, so Ehrhardt.
Beispielsweise sei geregelt gewesen, wie oft die Ausstattung gereinigt werden musste. Getreidemühlen zogen seit jeher Mäuse an. Deshalb sind traditionell Katzen ein fester Bestandteil der Wonseeser Markmühle. "Natürliches Schädlingsmonitoring", nennt das Müllermeister Ehrhardt.


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