Kulmbach
Gericht

Mann rastet aus Sorge um die Tochter völlig aus

Glimpflich endete die Verhandlung für einen 42-jährigen Mann aus dem westlichen Landkreis Kulmbach, der am Donnerstag wegen wiederholter Beleidigung seiner geschiedenen Ehefrau vor dem Kulmbacher Amts...
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Glimpflich endete die Verhandlung für einen 42-jährigen Mann aus dem westlichen Landkreis Kulmbach, der am Donnerstag wegen wiederholter Beleidigung seiner geschiedenen Ehefrau vor dem Kulmbacher Amtsgericht stand.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm auf Basis einer Anzeige der Geschädigten vorgeworfen, am 17. Februar dieses Jahres 21 Mal bei der geschiedenen Ehefrau angerufen und sie mit deftigen Schimpfworten bedacht zu haben. Als deren Tochter ans Telefon kam, um ihn zu beruhigen, habe er diese ebenfalls beleidigt und auch noch bedroht.

Der Angeklagte erklärte sein Verhalten mit der zunehmenden Sorge, die er um die gemeinsame zehnjährige Tochter gehabt habe. "Meine Frau hatte den Umgang mit ihr über einen längeren Zeitraum blockiert", erklärte er.

Selbst habe er zu diesem Zeitpunkt noch ein Alkoholproblem gehabt, das mit der Scheidung 2012 begonnen und das er jedoch nach diesem Vorfall durch eine Therapie in den Griff bekommen habe. "Ich machte mir aber Sorgen, weil meine Exfrau harte Drogen nahm und diverse Therapien schon gescheitert waren", erklärte er. Sie habe diverse Rückfälle gehabt, "und wenn man über Wochen keinen Kontakt zur Tochter bekommt, ist man irgendwann auf 180".

Die Exfrau war als Zeugin geladen, wollte jedoch vor Gericht keine Angaben machen. "Es fällt mir schwer, denn die Sachlage hat sich inzwischen geändert", sagte sie. Ihr Exmann habe inzwischen therapeutische Hilfe in Anspruch genommen und habe seitdem nichts mehr getrunken. "Ich wollte gar nicht, dass er bestraft wird, ich wollte einen Punkt setzen, dass er begreift, dass es so nicht weitergeht." Wenn er bestraft würde, mache es das nicht besser.

"Wollte immer nur das Beste"

"Ich wollte immer nur für die Kinder das Beste, wir wollen uns doch auf Augenhöhe begegnen", sagte sie. Die Zeugin selbst tritt jetzt selbst eine Langzeittherapie an. Ihre ältere Tochter aus anderer Ehe lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie, die jüngere Tochter, die sie gemeinsam mit dem Angeklagten hat, lebt aufgrund einer Intervention durch das Jugendamt aktuell bei ihrem Vater, also dem Angeklagten.

Aufgrund der sich neuen Sachlage beschloss Richterin Sieglinde Tettmann in Absprache mit der Staatsanwaltschaft und dem Anwalt des Beklagten, Andreas Piel, das Verfahren einzustellen. Die Schuld des Täters sei gering, es bestehe auch kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung.

"Wir hoffen damit, dass sich für das Kind alles zum Guten wendet", schloss Richterin Tettmann die Verhandlung.

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