Mühlhausen
Kirchweih

Manches bleibt gleich: Freude und viel Durst

Mühlhausen feiert am Wochenende Kirchweih. Von heute, Freitag, 31. August, bis Montag, 3. September, steht die Gemeinde im Zeichen des Brauchtums. Die Traditionen sind den Mühlhäusern wichtig. Das zei...
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In Mühlhausen ist am Wochenende Kerwa. Foto: maw
In Mühlhausen ist am Wochenende Kerwa. Foto: maw

Mühlhausen feiert am Wochenende Kirchweih. Von heute, Freitag, 31. August, bis Montag, 3. September, steht die Gemeinde im Zeichen des Brauchtums. Die Traditionen sind den Mühlhäusern wichtig. Das zeigten sie auch vor 70 Jahren, als sie ihre brandneuen D-Mark dafür einsetzten, sich auf ihrer Kerwa im September endlich wieder ein Vollbier kaufen zu können.

1948 konnte bei der Kirchweih in Mühlhausen das erste Mal mit der neuen D-Mark bezahlt werden. Erst am 2. September 1948 erfuhr die Familie von Gastwirt und Brauer Thomas Bär in Mühlhausen am Marktplatz, dass nun doch Vollbier verkauft werden durfte.

Die Maß Bier sollte für 76 Pfennige über den Tresen gehen. In den Aufzeichnungen seiner Ehefrau Dorothea Bär ist zu lesen: "Große Freude bei der ganzen Bevölkerung und viel Durst. Wir verkaufen zur Kirchweih den ganzen Sud, auch zu essen gibt es schon so allerlei, auch Kaffee und Kuchen, obwohl alles noch bewirtschaftet ist."

Erst am Sonntag, 20. Juni 1948, war in den drei westlichen Besatzungszonen die Deutsche Mark als Zahlungsmittel eingeführt worden. Die Währungsumstellung war eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Erholung und den Aufschwung der Westzone.

Frohe Kunde

Die Gastwirtsfamilie Bär hatte durch eine Rundfunkmeldung im Juni 1948 erfahren, dass die lange besprochene Währung nun tatsächlich eingeführt werden sollte. "Wir haben es erwartet und doch geht es wie ein Erschrecken durch die Menschen. Was kommt nun?", fragten sich die Bewohner von Mühlhausen.

Wirklich alle gleich?

Am Ausgabetag wurde die alte Reichsmark in die neue D-Mark umgetauscht. Dorothea Bär notierte in ihren Aufzeichnungen: "Jede Person zahlte 60 Reichsmark ein und bekam dafür am Sonntagnachmittag 40 Deutsche Mark in neuem Geld und in einem Monat nochmals 20 Deutsche Mark. Nun besitzt einer so viel Geld wie der andere."

Am 26. Juni 1948 verloren Reichs- und Rentenmark endgültig ihren Wert. Wer konnte, hatte seine Verpflichtungen noch in der alten Währung beglichen. "Es beginnt wieder alles von Neuem", so Bär.

In den folgenden Tagen gab es schon wieder Waren zu kaufen, die in den vorangegangenen Jahren aus den Schaufenstern der Geschäfte verschwunden waren. Allerdings gab es noch keine große Kauflust. "Unser eigenes Geschäft liegt fast ganz stille. Das Bier ist nicht billiger geworden, 0,75 Mark der Liter."

Nach dem Umstellungsgesetz vom 27. Juni 1948 wurden private Bankguthaben im Verhältnis 10:1 in D-Mark umgetauscht. Die zuvor ausbezahlten Kopfbeträge in Höhe von 40 D-Mark und 20 D-Mark wurden angerechnet. Außerdem wurden Löhne, Renten und Mieten in einem Verhältnis von 1:1 umgetauscht.

Obwohl der Bierpreis im Juli auf 49 Pfennige pro Liter sank, litten das Bär'sche Gasthaus und die Brauerei sehr unter der wirtschaftlichen Lage im Land. Die Bevölkerung ging sparsam mit dem neuen Zahlungsmittel um. "In der alten Geldzeit war fast nicht genug Bier herzubringen und nun steht fast alles still. Wir verhalten uns abwartend, wie sich wohl alles entwickelt", notierte Dorothea Bär.

Im August 1948 hatte sich der Bierkonsum immer noch nicht erhöht. Kurzfristig konnte Vollbier mit acht Prozent Stammwürze gebraut werden, was aber gleich wieder verboten wurde. Obwohl die Brauer nach der erteilten Erlaubnis wieder Vollbier gebraut hatten, war am 8. September 1948 der Ausschank erneut verboten worden und es gab wieder Dünnbier für die Gäste zum Trinken.

Der Ausschank von Vollbier wurde am 24. September 1948 wieder erlaubt. Aber da war die Mühlhäuser Kerwa schon vorbei. maw



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