Wiesenthau

Manche Vogelstimmen sind verstummt

Der Bund Naturschutz Kirchehrenbach/Weilersbach lud Frühaufsteher zu einer Wanderung am Walberla ein.
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Die Stimmung wurde beim Anblick vieler nach ihrer Blüte abgeholzter, sehr alter Kirschbaum-Hochstämme unweit des Walberla-Parkplatzes getrübt. Foto: BN
Die Stimmung wurde beim Anblick vieler nach ihrer Blüte abgeholzter, sehr alter Kirschbaum-Hochstämme unweit des Walberla-Parkplatzes getrübt. Foto: BN

Zu einem Konzert der besonderen Art trafen sich 35 Frühaufsteher bei der Vogelstimmenwanderung des Bundes Naturschutz (BN), Ortsgruppe Kirchehrenbach/Weilersbach, am Walberla.

Kühle Witterung und wolkenverhangener Himmel begleitete die Gruppe ab dem Start um 6 Uhr zuerst über die Wiesenthauer Flur, dann zum Ehrenbürgsattel und hinüber zum Rodenstein. Getrübt wurde die Stimmung laut BN-Pressemitteilung allerdings beim Anblick vieler, nach ihrer Blüte abgeholzter, sehr alter Kirschbaum-Hochstämme unweit des Walberla-Parkplatzes. Solche alten Streuobstbestände seien unverzichtbar als Nahrungs- und Brutraum für das Überleben gefährdeter Vogelarten wie zum Beispiel Wendehals, Pirol und Gartenrotschwanz.

Gerade wegen der vielen Streuobstwiesen rund ums Walberla seien diese Vögel in der Region überhaupt noch zu hören - auch auf dieser Wanderung. Aber auch Insekten wie Käfer und Wildbienen und viele andere Tiere finden in und um die alten Obstbaumbestände noch ein Refugium zum Überleben.

Der Vogelstimmenkenner Norbert Braun vom BN, assistiert von einigen der Vogelbegeisterten, brachte den Teilnehmern in einer vierstündigen Wanderung die Vogelwelt im Naturschutzgebiet Walberla nahe.

Neu war für viele, dass zum Beispiel die Gesänge und Rufe eines Vogels unterschiedliche Bedeutung haben. So dienen sie zum Warnen, Locken, Betteln oder Balzen und zur Revierabgrenzung, haben also ganz verschiedene Adressaten. Während manche Vogelarten wie der Buchfink über ein eher eingeschränktes Repertoire verfügen, zeigen andere einen sehr melodischen, ausdauernden Gesang wie die Amsel. Andere variieren in ihrem Gesang wie der Star, der für sein "Spotten" berühmt ist, für seine Fähigkeit, andere Tierstimmen und Laute zu imitieren.

Über 40 Vogelarten waren zu hören, manche aber nur sehr vereinzelt, wie zum Beispiel der Wendehals, im Vergleich zu früheren Jahren. Ob es nur am schlechten Wetter lag oder ob sich nun auch am vogelreichen Walberla der europaweite Rückgang der Vogelpopulationen bemerkbar macht? Manch erwarteter Vogelruf blieb ganz aus, so der des Pirols und des Waldlaubsängers. Wenige Feldlerchen ließen ihren Gesang erklingen, Mönchsgrasmücke, Gartengrasmücke, Goldammer, Zilpzalp, Feldschwirl und Singdrossel wurden häufiger gehört. Auch der immer seltener werdende Gartenrotschwanz war zweimal zu hören und auch zu sehen mit seiner von der schwarzen Kehlfärbung leuchtend abgesetzten orangenen Brust.

Mehrmals wurden Rotmilane gesichtet leicht erkennbar an seinem tief gegabelten Stoß - einer wurde hartnäckig von einer Krähe attackiert - und auch ein Neuntöter. Dieser erhielt seinen Namen durch sein Verhalten, bei großem Jagdglück gemachte Beute wie Heuschrecken oder Mäuse auf Dornen aufzuspießen, um sie später zu verspeisen: Er tötet seine Beute neunmal. Es gab noch viel weiteres Wissenswertes über die Artenvielfalt der Vogelwelt rund um das Walberla zu erfahren. Allen sei bewusst geworden, wie wichtig es sei, diesen großartigen Lebensraum zu pflegen und zu erhalten.

Der Vogelenthusiast Norbert Braun bekam am Ende vom Vorsitzenden der Ortsgruppe, Walter Jordan, ein kleines Geschenk überreicht. red

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