Burgkunstadt

Malerische Taumel an der Lust

Der eine will mit seinen Werken provozieren, die andere strebt nach dem Optimum.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gert Ressel liebt es, mit seinen Bildern zu provozieren. Hier vor "Lob der Frauen"
Gert Ressel liebt es, mit seinen Bildern zu provozieren. Hier vor "Lob der Frauen"
+1 Bild

Spannende regionale Kost bietet die Burgkunstadter Produzentengalerie für Gegenwartskunst mit ihrer aktuellen Ausstellung "Die Elfte". Angerichtet von zwei in Oberfranken lebenden Künstlern, deren räumliche Herkunft auch die einzige Gemeinsamkeit ist.

Bei der Vernissage am Samstag, zu der trotz Urlaubszeit rund 80 Kunstinteressierte angereist waren, erlebten die Besucher Karin Schöntag aus Kronach mit einem lustvollen Taumel am Malen und Gert Ressel aus Burkheim mit einem malerischen Taumel an der Lust.

Die in Breslau geborene Karin Schöntag ist eine Frau, die authentisch, ehrlich und stark ist. Im Leben wie in ihrer Kunst ist sie ein direkter Mensch, der nach dem Optimum strebt, neugierig und in ihrer Suche nach immer neuen malerischen Erfahrungen fast schon eine Getriebene ist. Die aktuelle Ausstellung, die noch bis zum 18. August zu sehen ist, vermittelt einen Querschnitt des aktuellen malerischen Schaffens der Kronacher Künstlerin.

Meist sind es abstrakte Kompositionen, auch Ausflüge in den Kubismus. Immer jedoch beeindruckende Reisen in eine Welt aus Farbe, Form und Linien. Jedes Gemälde ist anders, jedes einzigartig. Dieser Abwechslungsreichtum beschreibt wohl am besten den besonderen Reiz von Schöntags facettenreichem Werk. Die Grundlage ihrer Malereien ist das Sammeln von Eindrücken und Stimmungen. Oftmals flüchtige Augenblicke bannt die Künstlerin schon vor Ort in erste Skizzen, die dann in ihrem Kronacher Atelier künstlerisch weiterverarbeitet werden.

Eindrücke und Stimmungen greift auch Gert Ressel auf. Aber ganz anders. Eigenwillig. Er lässt kein Kaleidoskop der Farben zu. Weder bei sich noch beim Betrachter. Perspektivisches ist ihm ebenso fremd wie explodierende Farbenvielfalt. Dafür lässt der Künstler Gefühle explodieren. Gert Ressel ist ein Provokateur, seine Bilder sind eine voyeuristische Provokation. Und das ist so gewollt. Der beruflich wie privat zwischen Burkheim und Köln pendelnde Dressel hatte zahlreiche Lehrämter, zuletzt die Professur für Kommunikationsdesign in Köln, inne. Und genau so arbeitet Ressel. Er unterstreicht seine Gemälde mit Textzeilen - oder umgekehrt. Ressel verzichtet auf Perspektive; und da seine Bilder keine Tiefe haben, schafft der Text Tiefgang. Text und Malerei bedingen sich, werden eins - um zu kommunizieren, zu provozieren, zum Nachdenken anzuregen. Die Motive bieten dem Betrachter einen voyeuristischen Blick auf Frivolitäten des Zwischenmenschlichen. Nicht heimlich, nicht durchs Schlüsselloch - Ressel mag es direkt.

Die Ausstellung "Die Elfte" in der Produzentengalerie Burgkunstadt, Schönberg 3, ist samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Neben den Bildern von Karin Schöntag und Gert Ressel werden auch Skulpturen von Martina Kreitmeier, Claudia Katrin Leyh, Patrick Niesel und Denis Delauney gezeigt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren