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Kronach

Maiandacht mit Mundschutz

Gerade in dieser schwierigen Zeit suchen viele Menschen Trost im Glauben. Die Teilnehmer der traditionellen Andacht an der Kapelle bei der Kronacher Wilhemshöhe fanden Halt im gemeinsamen Gebet.
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Räumlich getrennt wegen Corona, doch im Glauben tief verbunden feierten Christen mit Pfarrer Thomas Teuchgräber die Maiandacht.  Fotos: Wicklein
Räumlich getrennt wegen Corona, doch im Glauben tief verbunden feierten Christen mit Pfarrer Thomas Teuchgräber die Maiandacht. Fotos: Wicklein
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Die Kapelle bei der Kronacher Wilhelmshöhe zieren schöne Blumen. Die Tür des kleinen "Schatzkästchens" ist geöffnet und bietet einen Blick in das Innere: Hier, an diesem herrlichen Fleckchen Erde, luden am Samstagnachmittag - so wie jedes Jahr - Familie Wittig und die Fürstbischöflich-Bambergische Schützen- und Artilleriekompanie zu Kronach zu ihrer traditionellen Maiandacht ein.

Jahr für Jahr schmückten sie hierfür auch in diesem Jahr das idyllisch in die Natur eingebettete kleine Gebetshaus sehr liebevoll. Auch in Zeiten von Corona wollte Pfarrer Thomas Teuchgräber diese gute Tradition nicht ausfallen lassen. So passte er sie kurzerhand den derzeitigen Auflagen für gottesdienstliche Versammlungen im Freien an.

Singen durften sie nicht

Die Nachbarn der Kapelle und weitere Gläubige fanden sich bei schönstem Frühlingswetter mit ihren mitgebrachten Mund-Nasen-Bedeckungen vor dem kleinen Kirchlein ein und hörten andächtig zu. Der Pfarrer stellte die Frage, wie es den Menschen nun gehe: "Leben wir in dieser Corona-Zeit mehr mit der Angst oder mehr aus der Zuversicht und dem Gottvertrauen, das uns Halt im Leben und Anleitung zu Vernunft und Klugheit geben kann?" Bestandteile der halbstündigen Andacht waren die "Grüssauer Marienrufe" und das uralte Gebet "Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, oh heilige Gottesmutter ...". Die Marienlieder wurden dieses Mal aufgrund der Verordnungen nicht selber gesungen. Stattdessen wurden sie von einer CD angehört, die drei Frankenwäldlerinnen mit dem Musiker Rainer Lohr aufgenommen hatten und von den Mitfeiernden zum Teil deutlich vernehmbar mit gesummt wurden - ein ergreifendes Erlebnis.

Heidnischen Kult besetzt

Im Mittelalter versuchte die Kirche, den seinerzeitigen Maifesten heidnischen (germanischen als auch römischen) Ursprungs eine christliche Umdeutung zu geben. "Es gab den Brauch, bestimmte religiöse Inhalte einen ganzen Monat lang in den Blick zu rücken - zum Beispiel im September die Schutzengel, im November das Gedenken der Verstorbenen, im Juni die Herz-Jesu-Verehrung und im Mai eben die Verehrung der Gottesmutter Maria - anstelle der ehemals heidnischen Anlässe", erklärte der Pfarrer. Die Marienverehrung, wie sie noch heute im Rahmen von Maiandachten gepflegt wird, ging im 18. Jahrhundert von der italienischen Stadt Ferrara aus.

Dort hielten die Kamillianerpatres im Jahre 1784 erstmals Maiandachten ab. Diese waren für die Allgemeinheit zugänglich. Zuvor dürften Andachten zu Ehren Mariens vorwiegend in privaten Räumlichkeiten innerhalb der Familie stattgefunden haben oder nur zum Teil öffentlich gewesen sein. "Von Italien aus verbreitete sich die Maiandacht schließlich nach Frankreich und andere europäische Länder. Die Blütezeit der Maiandacht war zwischen 1850 und 1950. In Deutschland und Österreich wurden Maiandachten ab Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert", erklärte Teuchgräber.

Gläubige treffen sich dabei in Kirchen oder Kapellen, an Bildstöcken oder Wegkreuzen. Marienaltäre und Marienstatuen sind zu diesem Anlass besonders festlich geschmückt. Manche Katholiken feiern Maiandachten auch zuhause: Sie schmücken eine Marienstatue oder ein Marienbild als "Maialtar" und beten und singen auch gemeinsam mit anderen. Die mit frischen Blumen ausgestatteten Maialtäre und Maiandachten gehen dabei auf die oben genannte barocke Frömmigkeitstradition zurück. Neben Gebeten und Impulsen spielt bei Maiandachten auch Musik eine große Rolle. Mit der Zeit ist eine große Anzahl an Marienliedern entstanden.

Maria als Frühlingssymbol

Die Gottesmutter Maria wird in der christlichen Spiritualität katholischer Tradition als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings verstanden und als "Maienkönigin" verehrt. Die Sonne verwandelt die Welt mit ihren Strahlen; die Natur erwacht nach der Winterpause zu neuem Leben; sie hüllt sich in kräftiges Grün und erblüht in faszinierender Farbenpracht: Mit diesem Wunder des Frühlings wird Maria in Verbindung gebracht.

Die Verbindung zwischen Maria und dem hoffnungsbringenden Frühling zeigt sich auch darin, dass auf der Südhalbkugel der Erde der November als Marienmonat gefeiert wird - eben wenn dort der Frühling in voller Blüte steht.