Lichtenfels

Luftig-leicht durch Musikgeschichte

Nadezda Pisareva präsentierte in der Reihe "Weltklassik" Rameau, Ravel und Mussorgsky.
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Da schwebt sie dahin: Nadezda Pisareva nach dem Konzert und nach der Verabschiedung Foto: Markus Häggberg
Da schwebt sie dahin: Nadezda Pisareva nach dem Konzert und nach der Verabschiedung Foto: Markus Häggberg

Da schwebte sie dahin, entschwand förmlich, selbst eine luftig-leichte Erscheinung bietend. Doch was die Frau vorher bewältigte, war ein hochkonzentrierter Gang durch Musikgeschichte. Nicht auf Schleichpfaden, eher zwischen Weltberühmtem und gekonntem Getöse. Die Reihe "Weltklassik" hatte am Sonntag die Virtuosin Nadezda Pisareva zu Gast in der ehemaligen Synagoge. Mit ihr Rameau, Ravel, Mussorgsky.

Jean Philippe Rameau wurde noch vor Bach geboren. Der Mann galt als hässlich, seine Manieren standen auch in keinem guten Ruf. Doch was er 41-jährig komponierte, atmete sehr oft Freundlichkeit. Allerdings komponierte er es für Cembalo. Kurze, abgehackte Töne, kein Nachhall. Auf einem Flügel passierte dann Folgendes: Piéce de clavecin - Suite e-Moll erhielt unter den Händen Pisarevas eine reizvolle impressionistische Einfärbung. Das galt auch für die Suite D-Dur, üppig ausgestattet mit schnellen und klar voneinander abzugrenzenden Läufen, enormem Presto, welches half, lautmalerisch barocke Strenge aufzuheben. Allein das hatte schon seinen Reiz, erst recht über die Ausgestaltung der Frau, die Preisträgerin so vieler Musikwettbewerbe ist und 2015 an der Moskauer Philharmonie debütierte. In die Hände spielte der Frau auch Maurice Ravel, der mit seinen "Miroirs" Szenen schuf, deren Mini-Themen von Pisareva kunstvoll ausphrasiert wurden. In diesem als einem Schlüsselwerk der französischen Musikgeschichte erachteten Werk waren in den fünf Szenen nach Wuchtvollem auch klangliche Traumverlorenheiten zu hören, alles ohne Übermut und in dezenter Gestaltung.

"Bilder einer Ausstellung"

Dass nicht ganz so viele Besucher anwesend waren wie sonst, hatte keinen bösen Grund. Die Ausdünnung war dem Muttertag geschuldet und so blieben eben ein paar Plätze frei. Doch wer gekommen war, durfte sich noch auf den Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" freuen, das mit Abstand prominenteste Werk sowohl Mussorgskys als auch des Abends. Passend zu diesem Werk sollte auch eine Bemerkung des Moderators Roberto Bauers sein, wonach Musik und Malerei einander ähnelten. Hier sind es sogar Bilder, die klangmalerisch beschrieben werden. Zu den verzwicktesten gehört das von "Samuel Goldberg und Schmuyle", bei denen die Repetitionen in der rechten Hand technisch extrem anspruchsvoll auszuarbeiten sind. Mehr noch: Gegen Ende des Stückes werden beide Motive in Einklang gebracht. Die linke Hand spielt den Goldberg-Part, die rechte den des Schmuyle. Als Pisareva dem Verklingen des letzten Tons der Bilder, beschließend mit der Schilderung des Kiewer Tors, nachlauschte, tat sie das lächelnd versonnen. Dann war stürmischer Applaus. Und Sommerpause.

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