Kulmbach

"Long und derr is Stodtgezerr"

Ein Hauch von Haute Couture wehte diesmal durchs vollbesetzte Café Clatsch. Der gute Besuch war in erster Linie dem angekündigten Programm geschuldet: Eine ...
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Mal ehrlich: Gegen so viel ländliche Eleganz können diese aufgemotzten Billigfusseln, wie man sie leider verstärkt auf Festen beobachten muss, wirklich nicht anstinken! Im Bild (von links) Schneidermeisterin Regine Leuschner, Kathrin Strobel, Christina Passing, Katharina Schirmer mit Töchterchen Lotta, Lisa Passing und Gudrun Passing Foto: Jutta Lange
Mal ehrlich: Gegen so viel ländliche Eleganz können diese aufgemotzten Billigfusseln, wie man sie leider verstärkt auf Festen beobachten muss, wirklich nicht anstinken! Im Bild (von links) Schneidermeisterin Regine Leuschner, Kathrin Strobel, Christina Passing, Katharina Schirmer mit Töchterchen Lotta, Lisa Passing und Gudrun Passing Foto: Jutta Lange
Ein Hauch von Haute Couture wehte diesmal durchs vollbesetzte Café Clatsch. Der gute Besuch war in erster Linie dem angekündigten Programm geschuldet: Eine Modenschau stand an - nicht irgendeine, sondern eine mit Trachten, und auch hier nicht irgendwelche Allerweltstrachten, sondern solchen aus dem Kulmbacher Land.
Schneidermeisterin Regine Leuschner hatte sich schon vor Jahren der Aufgabe gewidmet, die Geschichte dieses Kleidungsstücks zu erforschen, das man früher wohl hauptsächlich in zwei Kategorien einteilte: Eine für Alltag und Arbeit, die andere für festliche Anlässe und den sonntäglichen Kirchenbesuch.
Regine Leuschner, die drei alte Trachten - Leihgaben von Erika Münch aus Görau - mitgebracht hatte, erläuterte mit viel fachfraulichem Wissen die Details dieser mit immensem Arbeitsaufwand hergestellten Kleidungsstücke.


Keineswegs figurenfreundlich

Da gibt es zum Beispiel den "gestiftelten" Rock: In tagelanger Handarbeit wurde Fältchen an Fältchen gelegt, um so ein möglichst voluminöses Kleidungsstück entstehen zu lassen, das man mit heutigen Augen keineswegs als figurenfreundlich bezeichnen würde. Aber damals galt Dünnsein auf dem Land ja auch nicht als erstrebenswert, was ein altes Sprichwort belegt: "Kla und dick is Bauernglück; long und derr is Stodtgezerr."
Für die erneuerte, von Regine Leuschner entwickelte Kulmbacher Tracht undenkbar. Bei den heutigen Röcken gibt es zwar auch noch Falten, die aber so geschickt eingearbeitet sind, dass sie möglichst wenig auftragen. Die Mieder gehen ein kleinwenig über die Taille, wodurch eine schlankmachende Wirkung erzielt wird und sich das Kleidungsstück zudem auch prima zu Jeans und notfalls auch bauchfrei tragen lässt.
Und einen kleinen, aber feinen Trick gibt's auch bei der Schürze: Sie zieht sich nicht mehr um die Hüften herum, was zusätzlich auftragen würde, sondern ist heute einen Tick schmäler gehalten. Regine Leuschner verstand es prima, die Materie informativ und unterhaltsam an die aufmerksam lauschenden Zuhörer zu bringen. jl

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