Lohnt sich bio? - "Eindeutiges Ja"

Ein Gespräch mit dem Bio-Landwirt Manfred Schmitt: Der Limbacher ist seit 30 Jahren im "Bio-Geschäft" - was er anders macht und warum, hat er dem Fränkischen Tag erklärt.
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Landwirt Manfred Schmitt merkt man seinen besonderen Umgang mit seinen Tieren direkt an. Fotos: Günther Geiling
Landwirt Manfred Schmitt merkt man seinen besonderen Umgang mit seinen Tieren direkt an. Fotos: Günther Geiling
Es gab ohne Zweifel eine Zeit, da waren alle Bauern Bio-Bauern. Doch dann kam der Kunstdünger und die Landwirtschaft wurde das, was man heute "konventionell" nennt. Erst langsam eroberte sich "Bio" wieder seinen Platz in der Landwirtschaft. Bio-Landwirt Manfred Schmitt aus Limbach ist einer der Pioniere im Landkreis Haßberge und er lud zusammen mit dem Umweltbildungszentrum Oberschleichach am Wochenende unter dem Motto "30 Jahre Bioland-Milchkuhhaltung" zu einer Stallführung ein, die auf großes Interesse stieß.

Fränkischer Tag: Wie sind Sie zur Bio-Landwirtschaft und zum Bio-Bauer gekommen?
Schmitt: Ich wuchs in der Landwirtschaft auf und interessierte ich mich schon immer für Leguminosen oder die Humusbilanz des Bodens. Auf der Meisterschule der Landwirtschaft ist der Funke eines Kollegen auf mich übergesprungen. Ich habe dann selber ausprobiert, aber mit gemischten Erfolgen. Bald wurde mir klar, entweder machst du das ganz oder gar nicht. Bio-Landwirtschaft funktioniert nur, wenn alles aufeinander abgestimmt ist. Auch meine Frau war von der biologischen Landwirtschaft angetan. Ihre Aussage, da mit einzusteigen, war der Beginn und 1985 haben wir dann komplett umgestellt.

Die Bio-Landwirtschaft steckte damals noch in den Kinderschuhen. Welche Herausforderungen stellen sich und wie muss man sich diese Pionierarbeit vorstellen?
Schmitt: Natürlich ging das nur Schritt für Schritt. Wir bauten zuerst auch Gemüse und Spargel an. Meine Frau schaute sich eine Käserei an und schlug diesen Weg ein. Wir haben dann 60 000 Liter Milch im Jahr verarbeitet und drei Sorten Käse hergestellt. Dazu kamen dann Joghurt und Kochkäse und jedes Jahr kam etwas Neues dazu. Mit diesen Produkten belieferten wir auch Märkte in Coburg, Ebern, Eltmann oder sogar Würzburg. Aber dann gerieten wir in die Hände der Behörden, die uns als Molkerei einstuften. Am Schluss war die Bürokratie ätzend und 50 Prozent meiner Arbeit galt der Bürokratie mit Auflagen, die mit Verbraucherschutz nichts zu tun hatten. Auch unseren Bio-Laden gaben wir deswegen auf.
Welche Form der Landwirtschaft betreiben Sie heute?
Schmitt: Wir betreiben heute Milchkuhhaltung und haben dazu einen neuen Stall gebaut mit optimalen Bedingungen für unser Vieh. Im Dorf hatten wir ja auch den üblichen Anbindestall, aber jetzt haben wir einen dreihäusigen Stall mit Überdachung und Freiflächen mit direkter Sonneneinstrahlung. Dieser UV-Einfluss ist die billigste Desinfektion, so dass sogar die Rindergrippe für uns ein Fremdwort ist. In diesem Außenklimastall haben unsere Tiere immer die gleiche Temperatur wie in der Natur, sie liegen auf Stroh, sind vor Regen und Wind geschützt und mehr brauchen Tiere nicht. Dazu haben sie sogar noch einen direkten Zugang zur Weide, auf die wir unsere Kühe etwa sieben Monate im Jahr schicken.

Was ist auf Ihrem Bauernhof anders gegenüber der konventionellen Landwirtschaft?
Schmitt: Neben der doch anderen Tierhaltung verwenden wir keine chemischen Spritz- und Düngemittel. Wir versuchen uns vorher Gedanken zu machen, warum ein Problem vorhanden ist und wie man dies lösen kann. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Fruchtfolge und da hilft der Anbau von Kleegras oder Luzerne, die eher den Kampf gegen die Distel gewinnen. Wichtig ist auch die Untersuchung des Saatgutes auf Steinbrand und es gilt natürlich auch, bei der Sortenwahl darauf zu achten, dass sie für bestimmte Pilzkrankheiten nicht so anfällig sind.

Hat sich Ihr Weg aus heutiger Sicht gelohnt?
Schmitt: Hier kommt von mir ein eindeutiges Ja, denn die konventionelle Landwirtschaft steuert in eine falsche Richtung. Beim Blick nach draußen wird dies bestätigt, denn es gilt weiterhin: wachsen oder weichen. Im Osten gibt es nur noch Großbetriebe und auch bei uns scheiden kleine weiter aus und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Aber auch für unsere Tiere und den Verbraucher sehe ich einen großen Vorteil. Wir fahren mit unserer Tierhaltung und Fütterung ein mittleres Leistungsniveau. Das macht die Fruchtbarkeit und Tiergesundheit viel besser. Das Durchschnittsalter unserer Kühe wird höher und wir erhalten auch doppelt so viele Kälber. Dazu kommt, dass wir so einen kleinen Bestand auch viel besser überwachen können. Dazu weiß der Verbraucher, welche Produkte er von uns erwarten kann.

Wie sieht der Blick in die Zukunft bei diesem verhältnismäßg kleinen Vollerwerbsbetrieb für Milch aus?
Schmitt: Wir sind ohne Zweifel ein kleiner Familienbetrieb mit drei Personen - einschließlich meiner Frau Luitgard und unserem 15-jährigen Sohn Franz, der zwar aufs Gymnasium geht, aber auch technisch und an der Landwirtschaft interessiert ist. Wir würden uns natürlich freuen, wenn er dies weiterführen würde. Wir haben noch einige "Abholer" vom Hof, sind aber doch ein Betrieb, bei dem die Produkte in den Handel gehen: die Milch an die Bio-Linie einer Molkerei in Coburg, das Fleisch in die Bio-Linie von Verbrauchermärkten und dazu produzieren wir Speisegetreide oder Braugerste.
Wir gehören seit Jahrzehnten der Organisation "Bioland" an, werden hier auch kontrolliert, stehen von uns aus voll hinter dieser Idee und freuen uns, dass immer mehr Menschen zu Biolebensmitteln greifen.

Die Fragen stellte unser
Mitarbeiter Günther Geiling
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