Forchheim

Löst Wirtschaft Humanismus ab?

Die Politiker im Kreis-Kulturausschuss sind sich einig: Der wirtschaftswissenschaftliche Zweig soll am Forchheimer Herder-Gymnasium etabliert werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wirtschaft und Informatik statt Altgriechisch. Das wünscht sich Schulleiterin Ingrid Käfferlein.  Foto: Josef Hofbauer
Wirtschaft und Informatik statt Altgriechisch. Das wünscht sich Schulleiterin Ingrid Käfferlein. Foto: Josef Hofbauer

Josef Hofbauer Ein wirtschaftswissenschaftlicher Zweig soll die Bildungslandschaft an den Gymnasien im Landkreis Forchheim komplettieren. Die Idee dazu hatte bereits Mitte vergangenen Jahres Ingrid Käfferlein, die Leiterin des Herder-Gymnasiums in Forchheim. Daraufhin bekundeten alle Gymnasialleiter aus dem Landkreis Interesse an diesem Bildungsangebot. Seitens des Kultusministeriums wurde der Landkreis als Sachaufwandsträger nun aufgefordert, einen Standort zu präferieren. Dabei sprachen sich die Mitglieder des Kreis-Kulturausschusses mit nur einer Gegenstimme für das Herder-Gymnasium als Standort aus.

Nur noch 650 Schüler

Damit wählten die Kreisräte die Schule mit der geringsten Schülerzahl. Während jeweils rund 900 Schüler das Ehrenbürg-Gymnasium in Forchheim und das Gymnasium Fränkische Schweiz in Ebermannstadt besuchen, weist das Herder Gymnasium nur rund 650 Schüler auf. Hier, so Rektorin Ingrid Käfferlein, stehe der Humanistische Zweig nur noch auf dem Papier. In den letzten Jahren habe sich beispielsweise kein einziger Schüler für Altgriechisch als Unterrichtsfach entschieden. Mit 370 Kindern habe sich der überwiegende Teil der Schüler für den musischen Zweig entschieden. 250 Kinder besuchten den sprachlichen Zweig dieser Schule. In Ebermannstadt stehen 222 Schüler des naturwissenschaftlichen Zweiges in den achten bis zehnten Klassen 158 Kindern des sozialwissenschaftlichen Zweiges der gleichen Altersstufe gegenüber.

In einer zwölfseitigen Stellungnahme hatte die Verwaltung des Landkreises die Standorte und Einzugsgebiete unter die Lupe genommen und die Verkehrsströme nach Forchheim und Ebermannstadt analysiert. Das Ergebnis: Eltern entscheiden sich oft für jene Schule, die verkehrstechnisch am bequemsten erreichbar ist. Die Entscheidung für die Schullaufbahn werde in vielen Fällen nicht begabungsgerecht, sondern nach pragmatischen Gesichtspunkten getroffen. Dies bestätigt Carmen Scholz Beratungsrektorin am Staatlichen Schulamt Forchheim.

Zugänge aus Erlangen?

Schulleiterin Ingrid Käfferlein vom Herder-Gymnasium freut sich, dass sich die Mitglieder des Kulturausschusses für ihre Schule als Standort für einen wirtschaftswissenschaftlichen Zweig ausgesprochen haben. Dies sei bayernweit die Ausbildungsrichtung, die derzeit am meisten nachgefragt werde. Deshalb sei sie erstaunt gewesen, dass es im Landkreis Forchheim bislang ein derartiges Angebot nicht gab; und habe sich um ein solches bemüht.

Ausgehend von aktuellen Themen lernten die Schüler Gestaltungselemente der Wirtschafts- und Rechtssysteme kennen. Ebenso würden historische Wurzeln und theoretisches Grundwissen vermittelt. So könnten die Schul-Absolventen ökonomische und rechtliche Entscheidungen beurteilen und selbstverantwortlich das gesellschaftliche und politische Leben beeinflussen. Die Handlungsweise in Unternehmen werde zunehmend von der Gewinnung, Darstellung, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen geprägt. Die Wirtschaftsinformatik stelle eine Schnittstelle zwischen BWL und Informatik dar.

Zuwachs aus Erlangen?

Nicht zuletzt knüpft Ingrid Käfferlein an die Einführung dieses Schulzweiges die Hoffnung, dass auch Kinder aus dem Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt als Schüler für das Herder-Gymnasium gewonnen werden, denn weder in Erlangen, noch im Landkreis gibt es ein Gymnasium mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Zweig. Allerdings soll es aus Erlangen auch mindestens eine Bewerbung für die Einführung eines solchen Zweiges geben.

Landrat Hermann Ulm (CSU) freute sich über das klare Abstimmungsverhalten. Die deutliche Mehrheit zeige, dass der Landkreis diesen Schulzweig nachhaltig unterstütze. Dies könne die Entscheidung des Kultusministeriums positiv beeinflussen, hofft Ulm. Sollte das Herder-Gymnasium die Zusage s bekommen, könnte mit der Aufnahme des Unterrichts in diesem Zweig frühestens ab dem Schuljahr 2020/21 begonnen werden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren