Kulmbach

Liegestütz im Plattenpanzer

Daniel Burger stellte auf Einladung der Freunde der Plassenburg die Handhabung alter Rüstungen vor.
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In eine gotische Rüstung stieg Daniel Burger am Waffenabend des Vereins Freunde der Plassenburg im Bayerischen Brauereimuseum. Ausführlich erläuterte er den Aufbau, die Handhabung sowie die Vor- und Nachteile eines Harnischs aus der Zeit um 1470. Der Referent konnte in voller Montur hüpfen, Liegestütze machen und sein Schwert geschickt handhaben.  Foto: Holger Peilnsteiner
In eine gotische Rüstung stieg Daniel Burger am Waffenabend des Vereins Freunde der Plassenburg im Bayerischen Brauereimuseum. Ausführlich erläuterte er den Aufbau, die Handhabung sowie die Vor- und Nachteile eines Harnischs aus der Zeit um 1470. Der Referent konnte in voller Montur hüpfen, Liegestütze machen und sein Schwert geschickt handhaben. Foto: Holger Peilnsteiner

Holger Peilnsteiner Eine stattliche Zahl an Interessierten zog es in den Vortragssaal des Bayerischen Brauereimuseums, wo einmal nicht das Bier, sondern Rüstungen des späten Mittelalters und der Renaissance im Mittelpunkt standen. Auf Einladung der Freunde der Plassenburg führte Daniel Burger, Historiker und Archivar am Staatsarchiv in Nürnberg, durch drei Jahrhunderte Waffen- und Handwerkstechnik. Dabei räumte er mit zahlreichen Mythen und falschen Vorstellungen auf.

Burger hat seit Jahrzehnten ein enges Verhältnis zum Verein und zum Kulmbacher Wahrzeichen, über das er mehrfach publiziert hat. Zunächst erläuterte der Historiker anhand zahlreicher Fotografien die Entstehung und stete Verbesserung des Plattenpanzers, der für viele Menschen der Inbegriff des ritterlichen Kampfanzugs ist. "Für die Zeit des Hohen Mittelalters, vor allem für das elfte und zwölfte Jahrhundert finden sich nur extrem wenige erhalten Rüstungsteile", bedauerte er. Man müsse auf schriftliche und bildliche Quellen zurückgreifen.

Topfhelm machte unkenntlich

In Folge geänderter Kampftechniken, die immer mehr Kopfverletzungen nach sich zogen, entstand Burger zufolge der Topfhelm, der seinen Träger unkenntlich machte und dazu führte, dass Kennzeichen wie prachtvolle Helmzieren und farbige Wappen eingeführt wurden. "Der bedeutendste Fund dürfte der Topfhelm eines Ritters von Kornburg von etwa 1370 sein, der im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrt wird."

Topfhelme waren sicher, behinderten aber die Sicht des Trägers und wurden meist über kleineren Innenhelmen getragen und im Nahkampf auf den Rücken geworfen, wo sie von Fangketten gehalten wurden.

Da bis in das 15. Jahrhundert vollständig erhaltene Rüstungen fehlen, griff Burger bei seinen Forschungen auf zumeist steinerne und gemalte Grabdenkmale zurück, von denen eine Vielzahl den Toten in Rüstung zeigen. "Diese Darstellungen sind bemerkenswert realistisch und genau, in einigen Fällen kann man nachweisen, dass der Künstler wohl sehr exakt nach einem Vorbild gearbeitet hat." Gerade in Franken gebe es eine Vielzahl von Rüstungsdarstellungen auf Grabdenkmalen.

Grandiose Grabplatte

Als grandios bezeichnete der 48-Jährige die Grabplatte des Grafen Otto VII. aus der Klosterkirche in Himmelkron, die detailreich eine Rüstung des 14. Jahrhunderts zeigt. "Hier verlässt sich der Graf nicht mehr nur auf ein Kettenhemd, der Schutz wird durch eine Brustplatte und Spangen an Armen und Beinen verbessert." Der Bildhauer habe feingliedrige Fangketten in Stein gestaltet, deren eines Ende am Brustpanzer befestigt seien und zu Helm, Dolch und Schwert führten. Überrascht waren die Zuhörer, als Burger aufzeigte, dass die Himmelkroner Grabplatte beschädigt sein muss: "Es fehlt in der oberen rechten Hälfte der Topfhelm samt Helmzier, zu dem eine der Fangketten geführt haben muss."

Für Markgraf Albrecht Achilles und seinen später auf der Plassenburg inhaftierten Sohn Markgraf Friedrich sind laut Redner sogar völlig vergoldete Rüstungen bildlich überliefert. Eine solche wurde jüngst für das Museum auf der Cadolzburg bei Nürnberg rekonstruiert.

Opfer des Recyclings

Die prachtvollsten und wichtigsten Rüstungssammlungen der Welt finden sich Burger zufolge in Wien, Madrid, London, Nürnberg, New York, Dresden und Coburg. Die weltweit größte private Rüstungssammlung beherbergt die Churburg in Südtirol. Der Verlust vieler Tausender Rüstungen durch Recycling der Metalle aus den Zeughäusern wie in Nürnberg im 17. und 18. Jahrhundert habe dazu geführt, dass man lange Zeit glaubte, diese seien einer exklusiven kleinen Elite vorbehalten gewesen, "doch tatsächlich konnten sich auch Stadtbürger und wohlhabende Bauern einfache Varianten leisten". Einen eisernen Helm, eine Brustplatte sowie Handschuhe habe fast jeder Nürnberger Bürger besessen.

Ab dem 15. Jahrhundert leisten sich Wohlhabende gerne zwei unterschiedliche Rüstungsarten für den Kampf und für das Turnier. Die Legende, dass die Ritter unbeweglich waren, dürfte von diesen Sportveranstaltungen stammen. Kampfharnische hingegen seien viel leichter gewesen - und eng an den Körper des Trägers angepasst.

Ein Raunen ging durch den Saal, als Burger die Rüstungsgarnitur von Markgraf Georg Friedrich vorstellte.

Vorsitzender als Knappe

In der zweiten Hälfte des Abends konnte sich der Vorsitzende der Freunde der Plassenburg, Peter Weith, als Schildknappe beweisen und dem Referenten dabei helfen, in eine etwa 25 Kilogramm schwere gotische Rüstung der Zeit um 1470 zu steigen. "Ganz alleine geht das nicht, ein Alarmstart in den Kampf war unmöglich", gab Burger zu bedenken. Fast 30 Minuten dauerte das Anlegen der einzelnen Teile. Burger konnte nur das Beinzeug ohne Hilfe anlegen. "Die Rüstung ist auch mir auf den Leib geschneidert und liegt eng an, da merken sie jeden Knödel." Etwa 12 000 Euro hab er bereits für diesen Harnisch ausgegeben.

Zum Beweis der Beweglichkeit hüpfte der Historiker im Stahlkleid vor dem Publikum herum. Die Schutzwirkung demonstrierte Peter Weith, der mit einem Schwert kräftig auf den Brustpanzer einschlagen durfte. Der Schweiß rann dem Referenten in Strömen herunter. "Der Nahkampf in einem solchen Harnisch erschöpfte sich nicht im Fechten oder Schlagen mit Äxten oder Streitkolben, es wurde auch mit den Händen gerungen, wenn es hart auf hart kam."

Die Besucher nahmen währenddessen fasziniert die einzelnen Teile der originalgetreu nachgearbeiteten Rüstung in die Hand, setzten sich die verschiedenen Helme auf und warfen sich Teile des Kettenzeugs über. Einen Hinweis hatte der Referent noch: "Beim Laufen im Harnisch scheppert es immer - ein Anschleichen an den Feind können Sie damit vergessen."

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