Kronach

Liebenswerte Denkmäler

Historische Grenzsteine markieren entlang der Landkreisgrenze zu Thüringen Besitztümer - bis heute.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Wappenstein der Herren von Mengersdorf an der Landesgrenze bei Stockheim. Der Farbanstrich diente zu DDR-Zeiten den Amerikanern als Orientierungshilfe.
Der Wappenstein der Herren von Mengersdorf an der Landesgrenze bei Stockheim. Der Farbanstrich diente zu DDR-Zeiten den Amerikanern als Orientierungshilfe.
+2 Bilder

Der Nachweis eines linienbandkeramischen Langhauses östlich von Küps durch den Archäologen Robert Graf belegt, dass der Mensch in unserer Region vor etwa 7500 Jahren sesshaft wurde. Eine große Anzahl von Steinzeitgeräten und Keramikfragmenten im Umfeld des Hauses - über Jahre als Oberflächenfunde von den Äckern geborgen - ist ein weiterer sicherer Beleg für diese Zeitstellung.

Grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass die Menschen mit der Sesshaftwerdung ihren Besitz durch Einfriedungen schützten und im Laufe der Zeit ihr Einflussgebiet markierten und abgrenzten.

Rechtsgeschichtliche Bedeutung

Erst in der neueren Geschichte begann man damit, künstliche Grenzzeichen aufzurichten, um Besitzanspruch zu dokumentieren. Die bekanntesten Grenzzeichen sind seit dem Mittelalter die Grenzsteine. Wegen ihrer außerordentlichen, rechtsgeschichtlichen Bedeutung sind sie bereits im "Bairischen Volksrecht" im 8. Jahrhundert als mit "Zeichen versehene Steine" erwähnt". Das Umpflügen von Grenzzeichen war unter strengster Strafe gestellt. Gleiches kann man auch dem Sachsenspiegel entnehmen.

Mit der sich ausweitenden Besiedlung des Landes und der Aufteilung der Ländereien an Herrscher- und Adelshäuser bedurfte es jede Menge an bearbeiteten Grenzsteinen. Initialen, Inschriften und Wappen auf den Steinen machten nun den Besitz offenkundig. Sie konnten aber nicht verhindern, dass es immer wieder zu heftigen Grenzstreitereien kam, die zu weiteren Grenzsteinsetzungen in einer bereits bestehenden Grenze führten - auch bei uns im Landkreis Kronach.

Einen eindrucksvollen Überblick über die Vielfalt der Grenzsteine erhält jener Wanderer, der die Mühe auf sich nimmt und die über 100 Kilometer lange Strecke der Landkreisgrenze zu Thüringen zu Fuß abläuft.

Von Nordhalben nach Lauenhain, Steinbach a. d. Haide, Falkenstein, Tettau, Welitsch, Stockheim bis Burggrub - Bächlein. Grenzberichtigungen und Herrscherwechsel spiegeln sich über mehrere Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Wappen und Jahreszahlen wider. Darunter befinden sich die ältesten datierten Grenzsteine im Kronacher Land. Es sind die sogenannten Kurfürstensteine am "Schönwappenweg" in der Nähe von Lauenhain aus dem Jahre 1513. Sie schieden einst das Gebiet der Bamberger Bischöfe vom Gebiet der Kurfürsten von Sachsen.

An der Südwestgrenze des heutigen Landkreises Kronach, von Mödlitz bis Häusles, verlief die einstige Centgrenze zwischen den Bamberger Bischöfen und den Herzögen von Sachsen.

Die Grenzsteine tragen die Wappen der jeweiligen Landesherren und die Jahreszahl 1608, dazu das Wort "CENTT".

Die adeligen Häuser standen den Fürsten im Grenzsteinsetzen nicht nach und markierten ebenfalls ihr Besitztum mit Wappensteinen. Es sind unter anderen die Herren von Zeyern zu Friesen, die von Würtzburg zu Mitwitz, die von Reitzenstein zu Fischbach, die Adeligen von Redwitz oder der Marschalk von Ebneth.

Künden von der Nutzung

Auf die Nutzung ihrer Fluren bedacht, künden heute noch Hut-, Weide- und Triebsteine von der Nutzung der Wiesen, Felder und Wälder. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen, mit KW (Königlicher Wald) oder KB (Königreich Bayern) bezeichneten Steine, die in den Besitzungen des Bayerischen Staates zu finden sind.

An der südlichen Kronacher Gemarkungsgrenze um Kaltbuch stehen mächtige Grenzsteine, bezeichnet mit den Initialen C.S.P.V.R. und der Jahreszahl 1768. Hier grenzte der Besitz von Carl Sigmund Philipp von Redwitz an die Gemarkung Kronach. Zu diesen Grenzsteinen sind auch die C. H. Steine (Cronacher Hut) um Kronach mit der Jahreszahl 1718 zu zählen.

Eine weitere, interessante Grenzsteinlinie verläuft zwischen den Orten Schmölz und Tüschnitz. Lange Jahre waren deren eingemeißelte Initialen teilweise ein ungelöstes Rätsel. Sie sind auf einer Seite beschriftet mit V.K.T.P.I.H.V.F. 1778 und auf der gegenüber liegenden Seite mit V.R.S.P.I.H.V.F. 1778. Anhand einer Karte aus dem Jahre 1706 konnte Alexander Kreutner das Rätsel lösen. Die aneinander grenzenden Ländereien gehörten einerseits der Herrschaft Von Künßberg Tüschnitz, Private Jagd Hut Vnd Flur, andrerseits Von Redwitz Schmölz Private Jagd Hut Vnd Flur.

Heute sind die Grenzsteine liebenswerte, historische Denkmälern, die aber immer noch eine Grenzfunktion haben können. Sie müssen vor Ort im Gelände bleiben, damit der hohe Stellenwert in der Rechtsgeschichte nicht verloren geht. Historische Grenzsteine stehen deshalb unter Denkmalschutz.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren