Lichtenfels
Verhandlung

Lichtenfelser unterm Existenzminimum klaut Wodka und Grillgut und rührt das Gericht

Es hatte tragische Züge, was den 48-jährigen Lichtenfelser Arbeitslosen vor Gericht brachte. Weil ihm monatlich nur 150 Euro für Nahrungsmittel geblieben seien, versuchte er im Supermarkt, etwas an de...
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Es hatte tragische Züge, was den 48-jährigen Lichtenfelser Arbeitslosen vor Gericht brachte. Weil ihm monatlich nur 150 Euro für Nahrungsmittel geblieben seien, versuchte er im Supermarkt, etwas an der Kasse vorbeizuschmuggeln.

Am 13. April dieses Jahres wurde der Lichtenfelser vom Mitarbeiter eines Lichtenfelser Supermarktes ins Büro gebeten. Dem Mann war etwas an dem Kunden aufgefallen, was stark nach Diebstahl roch. Tatsächlich hatte der auch Grillgut und Wodka im Wert von 71,90 Euro zu stehlen und aus dem Laden zu bringen versucht. Als Staatsanwalt Daniel Killinger die Geschehnisse von einst per Anklageschrift verlas, war bei dem wegen Diebstahl Angeklagten ein Durchschnaufen zu hören, so, als sei es dem Manne selber peinlich, was er da jetzt zugeben würde.

"Ich lebe unterm Existenzminimum", leitete der Endvierziger seine Ausführung ein und wurde deutlich: "Meine finanziellen Verhältnisse sind im Arsch." Als Grund dafür gab er seine körperliche Verfassung an.

Er habe sich um jede Menge Arbeiten bemüht, aber seine Gesundheit spiele nicht mit. Heben und tragen könne er wegen massiver Kurzatmigkeit nicht, zudem würden ihm mögliche Arbeitgeber immer wieder signalisieren, jüngere Mitarbeiter zu wünschen. Auch das Arbeitsamt sei ihm keine große Hilfe gewesen, denn mit diesem habe er drei Jahre damit zugebracht, über die Möglichkeiten zum Erwerb eines Gabelstaplerscheins ergebnislos zu "plaudern". All das habe seine Lage verschlimmert und durch Arbeitslosengeld II blieben ihm "für Nahrung, Kleidung und Extrawünsche" nur 150 Euro monatlich übrig. "Es war verwerflich, aber ich habe es gemacht", gestand der Lichtenfelser. Was er dann anfügte, klang bitter: "Man sollte sich echt mal ein gutes Stück Fleisch gönnen, ich wollte einfach mal was Gutes auf dem Teller haben." Das Gute bestand aus Wodka, Roastbeef und Schweinenackensteak.

Offenbar war auch Staatsanwalt Daniel Killinger von den Ausführungen des Angeklagten gerührt. Der hatte zwar mit sieben Einträgen im Bundeszentralregister durchaus ein Vorleben auf der "dunklen" Seite des Gesetzes, aber ein Delikt lautete dabei auf Diebstahl von Thunfisch und Vitamintabletten. Killinger hielt dem Angeklagten zugute, "ein von Reue getragenes Geständnis abgelegt" zu haben. Eben das wollte er "stark in die Waagschale werfen". Zudem wolle er den Umstand berücksichtigen, dass der Angeklagte durch seine körperlichen Beeinträchtigungen eventuell über Gebühr haftempfindlich sei. Mit der Zahlung von 600 Euro sollte die Sache nach Killinger ihr Bewenden haben. Das letzte Wort vor Urteilsverkündung gehörte dem Angeklagten und er suchte besonders zwei Dinge hervorzuheben: "Ich bin kein fauler Mensch (...) und ich bin auch kein böser Mensch", erklärte er. Richter Alexander Zenefels verhängte wegen Diebstahl gegen den Lichtenfelser eine im Vergleich zu Killingers Forderung um 200 Euro mildere Geldstrafe, die in monatlichen 50-Euro-Raten abzuleisten sei.

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