Coburg

Leuchtturm und Alberts Erbe

Bei der Eröffnung ging es um die Zukunft des Güterbahnhofgeländes: Daran sind hohe Erwartungen geknüpft.
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Zum 31. Mal finden die Coburger Designtage statt; zum sechsten Mal gastieren sie auf dem früheren Güterbahnhof und in der "alten Pakethalle", die zu Güterbahnhofzeiten "Stückguthalle" hieß. Aber Namen können wechseln. Nutzungen auch: Inzwischen ist ausgemachte Sache, dass die Pakethalle vorläufig der Ort für Events und Veranstaltungen bleibt, zu dem sie sich, auch dank der Designtage, entwickelt hat.

Die Planer des Eröffnungsabends hatten sich offenbar zum Ziel gesetzt, eine Taufe daraus zu machen: Das Schlachthof-/Güterbahnhofareal solle den Namen "Prinz Albert Campus" erhalten. Das forderten zumindest die Darsteller von Queen Victoria (Solvejg Schomers), Prinz Albert (Frederik Leberle) und Joseph Paxton (Thomas Kaschel) in kurzen Sprechszenen während des Eröffnungstalks.

Gegen den Namen "Prinz Albert Campus" (PAC) hatte jedoch niemand etwas einzuwenden, mehr noch: "Er ist ja schon fast etabliert", sagte Stephan Horn von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, und damit war schon alles gesagt.

Die künftige Gestaltung des Güterbahnhofareals in der Zeit, wenn erst mal das Globe steht, ist noch ein offener Punkt. "Kein englischer Rasen" war eine weitere Konsensformel, von Drittem Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) erstmals ausgesprochen, von der Landschaftsplanerin Stefanie Jühling bestätigt. Sie hat für die Globe Coburg GmbH einen "Gestaltungsleitfaden" für den Güterbahnhof entwickelt, der viel Grün ums Globe herum sowie zwischen Pakethalle und Itz vorsieht. Die "Itz erlebbar machen" lautet ein Schlagwort, und Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) machte deutlich, dass es dabei um mehr geht: Für die "Rahmenplanung Itzauen" findet am 17. Juli der erste Termin zur Bürgerbeteiligung statt.

Dass die Hochschule in dem Gelände den Bereich Schlachthof nutzen wird, ist ausgemacht. Dass die Coburger Wirtschaft eine engere Zusammenarbeit mit der Hochschule wünscht, vor allem im Hinblick auf die Fachkräfte-Ausbildung, wurde von Christina Hack (Brose) und Björn Cukrowski (IHK) bekräftigt. "Wir wollen noch viel stärker mit der regionalen Wirtschaft zusammenarbeiten", versprach Hochschulpräsidentin Christiane Fritze.

Es ruhen also viele Erwartungen auf dem Gelände: Es soll mit dem Globe ein "Leuchtturmprojekt" für Oberfranken werden (Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz); es soll junge Leute zum Kommen und Bleiben bewegen, Politik, Hochschule, Wirtschaft und Kreative zusammenbringen (Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser). Sehr visionär, aber so sollte die Eröffnung der Designtage auch wirken. Frederik Leberle als Albert durfte die Schlagworte ins Rund rufen: "Gestaltender Wille trifft auf Mut zum Risiko" oder "Wir brauchen keine Profiteure, wir brauchen Entrepreneure".

Den Schluss bildete eine Geschenkübergabe: Professor Holger Falter, Dekan der Fakultät Design, und Markus Neufeld, Geschäftsführer der "Creapolis" der Hochschule im Schlachthof, überreichten dem Erfinder und Chef der Designtage, Auwi Stübbe, eine Albert-Büste. Sie wurde im 3-D-Druck erstellt, und zwar auf Basis einer Vermessung der Albertstatue auf dem Coburger Marktplatz. "Auwi Stübbe - Alberts Erbe" ist auf dem Sockel zu lesen. Das mag eine halbironische Verneigung vor Stübbe sein, der bei den Designtagen schon mehrmals auf die Förderung des Produktdesigns durch den englischen Prinzgemahl verwiesen hat.

Dass aber die Fakultät Design Stübbe so beschenkt, zeigt auch, dass die Designtage und der "Campus.Design open" der Hochschule sich wieder annähern. Die Designtage hatten als Hochschulveranstaltung begonnen, als Stübbe dort noch lehrte. Inzwischen ist das Coburger Designforum Oberfranken der Veranstalter, und Stübbe trägt als dessen Vorsitzender nach wie vor die Verantwortung. Die Fakultät Design versuchte in den vergangenen Jahren, sich von den Designtagen abzugrenzen.

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