Lichtenfels

Leuchtfeuer aus Pointen entfacht

Stichwort  Das Liedermacher-Duo "Die Sozis" hat sich auf Songs spezialisiert, in deren Texten etliche Wortspielereien und Aha-Effekte enthalten sind. Sandro Weich aus Lichtenfels und Pascal Najuch aus Hof haben viel Freude am Reimen und Singen.
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Fröhliche Stimmen, sonnige Töne und ein tiefsinniger Blick auf das Leben - damit begeistern die "Sozis" ihr Publikum (von links): Sandro Weich aus Lichtenfels, Andreas Kümmert, der Gewinner der TV-Sendung "The Voice of Germany", und Pascal Najuch aus Hof.  Foto: Stephan Stöckel
Fröhliche Stimmen, sonnige Töne und ein tiefsinniger Blick auf das Leben - damit begeistern die "Sozis" ihr Publikum (von links): Sandro Weich aus Lichtenfels, Andreas Kümmert, der Gewinner der TV-Sendung "The Voice of Germany", und Pascal Najuch aus Hof. Foto: Stephan Stöckel
von unserem Mitarbeiter Stephan stöckel

Lichtenfels — "Die Sozis" - bei diesem Gruppennamen ist ein Aha-Effekt programmiert. Wer denkt da nicht an linke Zeitgenossen, die die Fahne der sozialen Gerechtigkeit schwenken? Doch weit gefehlt. Hinter dem jungen Liedermacherduo verbergen sich zwei angehende Sozialpädagogen, deren Studiengang "Soziale Arbeit" Pate für den Namen steht.
Zwischen Gesprächsführung und Pädagogik schieben Sandro Weich aus Lichtenfels und Pascal Najuch aus Hof ihr eigenes Fach ein: Jeden Donnerstag halten sie mit ihren Stimmen und ihren akustischen Gitarren in ihrer Freizeit einen, wie sie es nennen, "musikalischen Sozi-Tag" ab. Das positive Resultat sind erfrischende Songs mit Tiefgang und Poesie über Menschen und das Miteinander, eine Begegnung mit einem Fernsehstar und eine Bewerbung für die renommierten "Songs an einem Sommerabend".
Was hat die beiden jungen Männer dazu bewogen, einen Blick auf die Verhaltensweisen der Menschen zu werfen, der unterhaltsam und geistig anregend zugleich ist? "Wenn man sich täglich im Studium an der Fachhochschule Coburg damit auseinandersetzen muss, bekommt man im Laufe der Zeit eine Antenne für soziale Aspekte", sagt Weich.
"Lasst Worte fliegen", fordern sie den Zuhörer in dem Lied "Kommunikationsprinzip auf. "Das ist besser, als wenn die Fäuste fliegen", meint Najuch. Er will den Satz als einen Schlüssel zur Problembewältigung verstehen. Als eine Anleitung, Dinge die viel zu oft unausgesprochen im Raum stünden, offen anzusprechen. Denn das Unausgesprochene kann zum Unheilvollen werden oder, wie es die beiden Texter, die am liebsten Reime und Metaphern fliegen lassen, formulieren: "Ein jeder spürt das Wortanische Pferd, in ihm versteckt, das Damokles- Schwert."
Das Wort Liedermacher finden die beiden Twens aus Lichtenfels und Hof keineswegs "uncool", die nach eigener Aussage mit ihren deutschsprachigen Weisen die Herzen der Menschen erreichen wollen. Strahlend und stolz erzählen sie von einem Fan, der auf Facebook ihr Musikvideo vom "Kreisverkehr" mit dem Wunsch garnierte "Könnte jemand gebrauchen, der mich aus dem Kreisverkehr holt", von kleinen Kindern, Omis und Opis, die von ihren Straßenmusikdarbietungen begeistert sind, von Fans die bei ihrem Konzert auf dem Lichtenfelser Stadtfest mitsingen, als gäbe es die "Sozis" schon eine Ewigkeit.

Leidenschaft fürs Texten

Dabei existiert das Ensemble nicht mal ein halbes Jahr. Zum Geburtshelfer des Duos, das an der Coburger Hochschule seine gemeinsame Leidenschaft für das "Texten und das Transportieren von Botschaften" entdeckt hatte, wurde das Festival "Songs an einem Sommerabend". In der Zeitung lasen sie vom Nachwuchspreisträgerkonzert, für das Gruppen gesucht wurden. Weich: "Es war das berühmte Zünglein an der Waage, das uns dazu bewog, regelmäßig Songs zu schreiben." Aus dem "Sechser im Lotto", der eine Teilnahme an dem Festival für sie gewesen wäre, wurde nichts - die Hanns-Seidel-Stiftung lehnte dankend ab.
Traurig sind die Studenten darüber nicht. Ganz im Gegenteil: "Hätte man uns verpflichtet, wären wir Gefahr gelaufen, überheblich zu werden", sagt Weich. Dafür klappt es bei einem anderen Wettbewerb, der zwar nicht so bekannt ist, ihnen aber eine Begegnung der nicht alltäglichen Art beschert: Beim "Grand Prix de la Chanson de Penivision" im Schweinfurter Stattbahnhof treffen sie auf Andreas Kümmert aus Unterfranken, den Gewinner der Casting-Show "The Voice Of Germany". "Er war der bodenständige Typ von nebenan, dem man angemerkt hat, dass er nicht für seinen Fernseherfolg angehimmelt, sondern für seine Leistung respektiert werden möchte", schildert Weich seine Eindrücke und Najuch nickt ihm zu.
Gegen Kümmert ziehen sie bei dem Publikumsentscheid den Kürzeren. Während er siegt, landet das Lichtenfels-Hofer Duo, das ohne Fans angereist ist, auf einem respektablen dritten Platz. Peinlich war ihnen die Teilnahme an dem als schrille Show verschrienen Wettbewerb überhaupt nicht: "Weil das Publikum eine Offenheit an den Tag gelegt hatte, egal wie ernst sich die Künstler nahmen."
Nach welchen Musiksternen wollen sie als nächstes greifen? "Wir würden gerne beim echten Grand Prix, dem Eurovision Song Contest, mitmachen." Ist das nicht ein bisschen zu hoch gegriffen? "Nein", finden die angehenden Sozialarbeiter aus Lichtenfels und Hof. In der sozialen Arbeit, gebe es den Begriff des Leuchtfeuers. "Das ist ist etwas, nach dem jeder Mensch strebt, für das es sich aber lohnt Entbehrungen aufzunehmen", erklärt Najuch fachmännisch.

Erneute Bewerbung für "Songs"

Mit einem Augenzwinkern kehren beide auf den Boden der Tatsachen zurück. Im Herbst wolle man bei einem Konzert das erste Minialbum vorstellen, und im nächsten Jahr zum Wiederholungstäter werden: "Dann bewerben wir uns erneut für die Songs", verrät Weich. Und wer weiß, vielleicht trifft er ja dann auf den bekannten Liedermacher Bodo Wartke, den er zu seinen Lieblingen zählt.
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