Coburg

Letzter Halt des Panoramawagens als "Quartiersmittelpunkt"

Von Kassel an die Rheinstrecke, in die Schweiz und nach Schweden, schließlich über Koblenz und Lichtenfels nach Coburg: Das wären die Orte auf der Laufkarte des Waggons vom Typ A4üm63 aus dem Jahr 196...
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Der Waggon wird komplett eingehaust, damit er sandgestrahlt werden kann. Die Fenster wurden von der Glaserei Späth ausgebaut und gesichert. Fotos: Simone Bastian (2), Stadt Coburg (1)
Der Waggon wird komplett eingehaust, damit er sandgestrahlt werden kann. Die Fenster wurden von der Glaserei Späth ausgebaut und gesichert. Fotos: Simone Bastian (2), Stadt Coburg (1)
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Von Kassel an die Rheinstrecke, in die Schweiz und nach Schweden, schließlich über Koblenz und Lichtenfels nach Coburg: Das wären die Orte auf der Laufkarte des Waggons vom Typ A4üm63 aus dem Jahr 1963, der 2017 in Coburg seine vorläufig letzte Station gefunden hat.

"Seitdem steht er da", sagen Rolf Krebs (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) und Joachim Träger (Stadtplanungsamt). Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Waggon wieder nutzbar zu machen. Fahrfähig wird er dann nicht mehr sein, sondern als kleiner Veranstaltungsort dienen, als "Quartiersmittelpunkt" für das Güterbahnhofsgelände.

Joachim Träger war es, der den Waggon entdeckte, nachdem er 2016 in Lichtenfels abgestellt worden war. Zu dieser Zeit stand schon fest, dass das Güterbahnhofsgelände zum neuen Kreativ- und Start-Up-Quartier entwickelt werden sollte. Ein Waggon hätte gut dazu gepasst, "aber Werkstattwagen sind nicht zu bekommen", sagt Träger. Von dem, was da am Lichtenfelser Bahnhof stand, war der ehemalige Panoramawagen Nr. 10 555 mit seinem Glaskuppeldach noch das brauchbarste.

Im Mai 2017 wurde der Waggon nach Coburg überstellt, "schneller als gedacht", wie Krebs sagt. Denn bis dahin hatte sich in Coburg niemand Gedanken machen können, wie und auf welche Weise man einen solchen Waggon am besten saniert und nutzbar macht. Profis aus dem Dampflokwerk Meiningen sahen sich zwar in der Lage, den Waggon zu sanieren - für eine halbe Million Euro. Dafür wäre er aber auch wieder fahrtauglich geworden. Doch für die Coburger Zwecke muss er das nicht sein. Im Februar 2018 schraubten Rolf Krebs und Joachim Träger eigenhändig die gepolsterten Sitze aus, die nun im Lauf des Jahres von den Polsterer-Azubis in der Berufsschule neu aufgebaut werden.

Die Löcher in der Außenhaut des Waggons wurden mit Folie abgedichtet. Parallel dazu wurde ein Nutzungskonzept entwickelt, so dass die Sanierung des Waggons ins Förderprogramm für den Güterbahnhof passt. So werden von den erwarteten 150 000 Euro Kosten voraussichtlich etwa 75 000 Euro durch Fördermittel gedeckt.

Inzwischen ist alles geplant, beantragt und genehmigt. Das Gerüst steht, und ab Dienstag kommt der Lack ab. Danach wird der Waggon auf Roststellen untersucht, repariert, erneut lackiert und innen ausgebaut. Er erhält Wasser- und Stromversorgung, so dass er für kleinere Veranstaltungen, Vorträge oder Workshops genutzt werden kann, "nicht für private Feiern", wie Rolf Krebs betont. Bis zu den Designtagen 2020 soll der Wagen auf jeden Fall nutzbar sein.

Mit Alexander Simon ist ein Innenarchitektur-Student zum Team gestoßen, der bei einer Waggonausbaufirma seine Lehre absolviert hat und deshalb Know-how und Kontakte einbringen kann.

Das alles habe seine Zeit gedauert, fassen Krebs und Träger zusammen. Aber schon jetzt sei der Waggon in einem besseren Zustand als zuletzt in Lichtenfels, betont Träger: "Da war er undicht und in Teilen feucht." Gut sichtbar auf dem Abstellgleis neben der Pakethalle habe der Wagen "seinen Eye-Catcher-Effekt" schon erfüllt. sb

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