Burgkunstadt

Leselampe im Windkraftdesign

Die Palette der in der Aula des Gymnasiums Burgkunstadt ausgestellten Kunstwerke reicht von Zeichnungen über Ton- und Modellbauten bis hin zu Fotografien. Und einer Lätzchen-Krawatte.
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Jochen Partheymüller (links) ist fasziniert von der Leselampe im Windkraftdesign. Schüler Dominik Gerner zeigt ihm das Innenleben seines "Smart Light"-Produkts.  Fotos: Stephan Stöckel
Jochen Partheymüller (links) ist fasziniert von der Leselampe im Windkraftdesign. Schüler Dominik Gerner zeigt ihm das Innenleben seines "Smart Light"-Produkts. Fotos: Stephan Stöckel
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Das Schachbrett, das sich in der Mitte des Bildes auftürmt wie eine Pyramide, wird zum Schlachtfeld, auf dem sich lebensspendende und zerstörerische Kräfte gegenüberstehen. Geschaffen hat diese albtraumhafte, surreale Szenerie, die zum Nachdenken und Staunen anregt, die 17-jährige Vanessa Welsch.
Wie ein sprudelnder Wasserfall ergießen sich ihre Gedanken über ihr faszinierendes Acrylgemälde auf den Fragesteller: "Starre Linien stehen in der Kunst für die Kälte, geschwungene Linien symbolisieren Bewegung, Dynamik und Leben." Die kunstbeflissene junge Dame aus Redwitz ist eine von 369 jungen Künstlern aus allen Jahrgangsstufen, die den Besuchern der Jahresausstellung am Gymnasium eindrucksvoll verdeutlichen, dass die Bildungseinrichtung mehr ist als nur ein Wissensvermittler.
"Sie ist ein Kulturträger", stellt Schulleiter Thomas Meier in seiner Begrüßung treffend fest. Die Schüler haben im Kunstunterricht ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und die Besucher kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zu sehen sind Modelle von Restaurants, die einem Science-Fiction-Film entsprungen sein könnten, Bleistiftzeichnungen, die einen faszinierenden Blick in die Zukunft werfen und nicht alltägliche Leselampen. Von einer solchen angetan ist der Marktgraitzer Bürgermeister Jochen Partheymüller, der dem Elternbeirat der Schule angehört. "Das ungewöhnliche Windkraftdesign spricht mich an. Ich könnte mir vorstellen, sie in mein Wohnzimmer zu stellen - das Licht einzuschalten, ein gutes Buch zu lesen und dazu Musik zu hören", schildert der Betrachter seine ersten Eindrücke. Seine Stereoanlage muss Partheymüller übrigens nicht einschalten, schließlich hat der Designer Dominik Gerner aus der 11. Klasse Musikboxen in sein Produkt mit eingebaut. Das Licht kommt von dem im Innern des Holzkastens befindlichen Smartphone - daher auch der Name "Smart-Light". Ihre Gestalt verdankt die Leselampe der ökologischen Ader des 17-jährigen Weismainers. "Ich mag Natur sowie erneuerbare Energien und habe mich deshalb für Holz als nachhaltigen Rohstoff entschieden", betont der Kunsthandwerker.
Auch Nele Dumproff aus Schwürbitz und Lena Leimeister, beide 16, haben sich neue Produkte einfallen lassen. Allerdings gibt es diese noch nicht in natura, sondern nur auf dem Papier. Die beiden haben nämlich Bedienungsanleitungen dazu gezeichnet.


Ein Zahnputzautomat

Der Betrachter erfährt, wie der von Dumproff erfundene Zahnputzautomat funktioniert und was es mit Leimeisters Lätzchen-Krawatte auf sich hat. "Ich habe schon mal beobachtet, wie jemand beim Essen seinen Schlips bekleckert hat. Und so dachte ich mir: Eine Krawatte mit eingebautem Latz das wär's doch."
Warum finden die jungen Leute Gefallen am kreativen Arbeiten? "Man kann der Fantasie freien Lauf lassen", findet Dumproff, während sich Gerner als Handwerker zu erkennen gibt: "Das Arbeiten mit Holz bereitet mir viel Freude. Während des Entstehungsprozesses fiel mir immer wieder Neues ein. Das weckte meinen Ehrgeiz, weiterzumachen." Und Welsch? Für die junge Dame ist es eine Herausforderung, möglichst viele Gedanken in ein Bild hineinfließen zu lassen.
Dass der künstlerische Quell am Burgkunstadter Gymnasium so heftig sprudelt, dazu tragen auch die beiden Kunsterzieherinnen Anja Haller und Vera Belke, die den kreativen Rahmen für die Klassenarbeiten vorgegeben hatten, ihr Scherflein bei. Die Palette der in der Aula ausgestellten Kunstwerke reicht von Drucken, Gemälden und Zeichnungen über Ton- und Modellbauten bis hin zu fotografischen Arbeiten. Für die musikalische Umrahmung sorgt Schülerin Nina Werner, die Klavier spielt. Die Besucher haben die Qual der Wahl. Sie dürfen erstmals bei einer Jahresausstellung eine Stimme für ihr Lieblingskunstwerk abgeben. Reinhold Welsch, der Vater von Vanessa, spricht vielen aus der Seele, als er diesbezüglich feststellt: "In jeder Arbeit steckt viel Herzblut. Deshalb sind alle Schüler, die an der Jahresausstellung teilgenommen haben, für mich tolle Künstler."
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