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Unser Thema der Woche // Humor

Leichtigkeit in schweren Stunden

Augenblicke der Aufheiterung und Ablenkung wollen Klinik-Clowns wie Judith Niehaus und Lea Schmocker kleinen sowie großen Patienten in Krankenhäusern schenken - auch wenn der Tod naht.
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Zwei, die fast immer ein Lächeln auf den Lippen haben: Fanta (l., Judith Niehaus) und Annerösli (Lea Schmocker). Fotos: Yannick Hupfer
Zwei, die fast immer ein Lächeln auf den Lippen haben: Fanta (l., Judith Niehaus) und Annerösli (Lea Schmocker). Fotos: Yannick Hupfer

Erlangen — Wenn Annerösli und Fanta die Türklinke hinunterdrücken und in die gelben Räume kommen, wissen sie: Es wird heute ein besonderer Auftritt für sie werden, denn an der Eingangstür steht mit großen Lettern: "Stationäres Hospiz". Es ist die letzte Station im Leben eines Menschen, wenn er hierher kommt. Im Hospiz der Diakonie in Erlangen versuchen Leiter Alexander Kulla und sein Team deshalb, die letzten Tage und Wochen für die Patienten noch so angenehm wie möglich zu gestalten.

Seit Ende 2017 gibt es deshalb ein neues Projekt, mit dem das Hospiz zusammenarbeitet. Annerösli und Fanta sind nicht etwa Besucher oder Angehörige, sondern Clowns. Ihre bunt zusammengestellten Outfits, ihr komisches Auftreten, aber vor allem ihre Clown-Nasen identifizieren sie schnell. Doch mit den bekannten Zirkusclowns haben die Spaßmacher im Hospiz nur wenig zu tun: "Man könnte uns Begegnungsclowns nennen", stellt Annerösli fest, die mit echtem Namen Lea Schmocker heißt. Ihr und ihren Kollegen vom Verein Clownprojekt ist klar: Das Hospiz ist keine Manege, kein Witz ein allgemein gültiger Schlapplacher.

"Es geht darum, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind", sagt Schmocker weiter.

Dabei haben sie kein festes Programm, sie machen das, was ihnen gerade in den Sinn kommt, was die sterbenden Menschen und ihre Angehörigen für einen kurzen Augenblick ablenkt und sie auf andere Gedanken bringt.

"Es ist ein schöner Moment, in dem die Patienten einmal loslassen können", meint Leiter Alexander Kulla. Viele seiner Kollegen seien anfangs skeptisch gewesen, ob die Kombination passt, mittlerweile allerdings sind die meisten überzeugt: "Für mich passt Clown und Hospiz sehr gut zusammen." Es sei wichtig, auf die Patienten einzugehen, kein festes Programm zu haben - und das erfüllen die Spaßmacher des Clownprojekts.

Eine kleine Insel

Bereits seit 1999 gibt es den Verein, der ursprünglich nur für Kinder und Jugendliche gedacht war, um ihren Aufenthalt in einer der fränkischen Kliniken etwas aufzuheitern. Ihr Einsatzgebiet: Nürnberg, Fürth, Erlangen. Doch seit etwa zwei Jahren finden sich die roten Nasen auch in der Altersmedizin wieder.

Einmal im Monat besuchen zwei der insgesamt neun Clowns das Hospiz in Erlangen. Bei einer Übergabe wird mit den Pflegern abgeklärt, zu welchen Patienten sie hineingehen können. Menschen, die im Sterben liegen, werden deshalb freilich nicht mehr besucht. Keiner, so versichert Schauspielerin Lea Schmocker, wird gezwungen oder überrumpelt. Es sei ein Angebot, das die Kranken annehmen können, aber nicht müssen.

"Wir wollen eine kleine Insel schaffen - aber alles ohne Druck", sagt Schmocker. Es gehe um großen Respekt, um hohe Sensibilität im Umgang mit den Patienten. Die Insel, auf die die Clowns sie bringen wollen, wird dabei beherrscht von einer Leichtigkeit, sie ist eine Auszeit - wenigstens für ein paar Minuten.

Durch die Nase erklärt sich alles

Ein Helfer, der Annerösli und Fanta dabei unterstützt: ihre roten Nasen. Aus der Schauspielerin und Dozentin Lea Schmocker wird dann die naive, offene, aber auch sensible Annerösli. Durch die Nase erkläre sich alles von selbst, meint sie. Sie schaffe auch leichter einen Draht zu ihrem Gegenüber und sie schütze nicht zuletzt auch den Menschen, der hinter der Nase steckt.

Denn die Clowns treffen auch auf Schicksale. Mit der Nase legen sie die am Ende des Tages leichter wieder ab. Die Clowns investieren für ihre ehrenamtliche Tätigkeit viel Zeit: Nicht nur die Besuche in Krankenhäusern oder im Hospiz, sondern auch regelmäßige Trainingseinheiten und Workshops, in denen sie "Futter" für ihr Clown-Spiel bekommen, stehen an. Das ständige Üben ist erforderlich, denn die Leichtigkeit darf nie verloren gehen.

"Die Clowns zeigen, dass Sterben zum Leben dazugehört und dass man auch bis zum Schluss lachen darf", sagt Sozialpädagogin Kathleen Wickenhäuser vom Erlanger Hospiz.

Lea Schmocker lehrt ihre Tätigkeit jedenfalls eines: "Am Ende des Lebens wird die Zeit besonders kostbar." Genau deshalb sollten die Momente, die man noch zusammen hat, auch genossen werden - zum Beispiel mit den Clowns und ihren roten Nasen.

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