Forchheim

Lehrermangel verschärft sich

Erkrankungen, Fortbildungen und Schwangerschaften stellen das Forchheimer Schulamt vor große Herausforderungen. Die Situation war noch nie so ernst.
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Gerade in der Zeit vor Ostern mussten wegen Lehrermangels mehrfach Randstunden und Nachmittagsunterricht entfallen .  Foto: Josef Hofbauer
Gerade in der Zeit vor Ostern mussten wegen Lehrermangels mehrfach Randstunden und Nachmittagsunterricht entfallen . Foto: Josef Hofbauer
Josef Hofbauer

Unterrichtsfrei! Was bei Schülern Begeisterungsstürme hervorruft, bringt Rektoren und Schulaufsicht ins Grübeln. "So schlimm wie heuer vor Ostern war die Situation schon lange nicht mehr", räumt die Forchheimer Schulrätin Cordula Haderlein ein. Als Antwort auf die grassierende Grippewelle sprach das Kultusministerium in der Woche vor Ostern zudem ein Beschäftigungsverbot für Schwangere aus. "Das hat unsere Personalsituation zusätzlich verschärft, wie in den anderen Schulamtsbezirken auch", so Haderlein.
Seit Schuljahresbeginn sind alle "Mobilen Reserven", Lehrer, die "Feuerwehr spielen" und einspringen, wenn es brennt und Unterrichtsausfall droht, für wechselnde Einsätze verplant. An ihren "Stammschulen", denen sie zugeteilt sind und wo sie zur zusätzlichen Differenzierung in den Klassen eingesetzt werden sollten, sind sie im aktuellen Schuljahr kaum.


Situation äußerst angespannt

Acht der 26 mobilen Reserven vertreten eine bis zum Schuljahresende krankgeschriebenen Klassenleitung. Zwölf Lehrkräfte der "Mobilen Reserve" sind langfristig, also für mehrere Wochen, verplant. Und fünf dieser Pädagogen sind derzeit selbst erkrankt. Zudem nähmen immer mehr Pädagogen die Möglichkeit der Elternzeit in Anspruch.
"Das ist einerseits sehr zu begrüßen, verschärft aber das Personalproblem an den Schulen", verdeutlicht die Schulrätin. In den Wochen vor Ostern konnte das Schulamt die Schulen nur teilweise unterstützen und Mobile Reserven zur Vertretung schicken. Der Leiter einer großen Schule klagt: "Die Vertretungssituation bei uns war äußerst angespannt. Zweitweise waren bis zu sechs Klassenleiter und drei Fachlehrer zeitgleich erkrankt."
Eine andere große Schule meldet allein an den drei Schulwochen im März durch Lehrerausfall 393 Unterrichtsstunden, die irgendwie anderweitig besetzt werden sollten. Nur hundert Stunden entfielen ersatzlos, da die Kollegen mit großem Einsatz die meisten Stunden vertreten haben.
Ähnlich schwierig die Situation einer weiteren Schule, deren Leiter bei der Meldung der ausgefallenen Stunden gegenüber dem Schulamt klagt: "Zwischen 26. Februar und 23. März mussten wir rund 50 Unterrichtsstunden ausfallen lassen. Das hört sich schon viel an, aber nach den Überstunden und Doppelführungen der Lehrkräfte wird wahrscheinlich nicht gefragt."


Betreuung statt Unterricht

Der Rektor einer anderen Schule verweist darauf, dass die Schüler bei Doppelführungen oft nicht wirklich unterrichtet, sondern eher nur betreut würden.
"Das stimmt schon", pflichtet Cordula Haderlein bei. Die Alternative wäre, die Kinder nach Hause zu schicken. "Die Vertretungsstunden bedeuteten eine enorme Herausforderung", zollt die Schulrätin den Schulleitungen und Lehrkräften höchstes Lob.
Da stellten sich Pädagogen in ihren Freistunden in die Klasse des erkrankten Kollegen, andere betreuten zwei, in Ausnahmefällen sogar drei Klassen gleichzeitig.


Aus zwei mach eins

Eine weitere Möglichkeit, den Unterrichtsbetrieb aufrecht zu erhalten, ist: Die Schüler einer Klasse werden mit der Parallelklasse zusammengelegt oder auf die Nachbarklassen aufgeteilt. Schulrätin Cordula Haderlein erklärt dazu: "Auch wenn dies keine Ideallösungen sind, aber wir müssen auch an die Betreuungssituation der Kinder zu Hause denken. Vielfach sind die Eltern auf Arbeit. Da können wir die Kinder nicht einfach nach Hause schicken, schon gar nicht die Grundschüler."


Eltern werden verständigt

Fallen Randstunden, etwa die fünfte und sechste Stunde, aus oder gibt es keinen Nachmittagsunterricht, werden grundsätzlich die Erziehungsberechtigten verständigt", versichert Cordula Haderlein. Auch die Mitarbeiterinnen der Nachmittagsbetreuungen halfen mit und begannen mit der Beaufsichtigung der Schüler früher als sonst.


Das Menschenmögliche getan

Eine Verwaltung des Mangels? Hier widerspricht die Schulrätin. An allen Schulen werde das Menschenmögliche getan, um einen geordneten Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten. Freilich wären immer noch mehr Lehrer wünschenswert. Fakt ist aber auch, dass sie Zahl der ausscheidenden Pädagogen zurzeit nicht durch die Zahl der Neueinstellungen aus dem Bereich der Grund- und Mittelschullehrkräfte kompensiert werden kann.
Hier, so die Schulrätin, habe das Ministerium Gymnasial- und Realschullehrern den Weg geebnet, auch an den Grund und Mittelschulen unterrichten zu können. Doch ob dieser Weg langfristig erfolgversprechend sein werde, das gelte es abzuwarten. Immerhin, so Cordula Haderlein, hätten die Osterferien eine gewisse Entspannung gebracht und so könnten die Schulen nun auch wieder aufatmen.


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