Lichtenfels

Lebensmittelskandale nahmen die Lichtenfelser 1873 recht locker

Die im Jahr 2016 gestartete Serie "Lichtenfels im Wandel der Jahrhunderte" beruft sich auf Zitate aus der im ausgehenden 19. Jahrhundert einmal wöchentlich ...
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Originelle Anzeige Foto: Andreas Welz
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Die im Jahr 2016 gestartete Serie "Lichtenfels im Wandel der Jahrhunderte" beruft sich auf Zitate aus der im ausgehenden 19. Jahrhundert einmal wöchentlich erscheinenden Zeitung, die zunächst nur als Amtsblatt in Bamberg gedruckt wurde, und den Nachfolgeblättern. In dieser Folge beleuchten wir das Jahr 1873.
Die Folgen des "ruhmreichen" Krieges mit Frankreich wirkten noch viele Jahre nach. Der "Sedanstag" wurde ausgiebig gefeiert. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan. Die Erderwärmung, der man heute Stürme, Starkregen, Unwetter und Überschwemmungen zuschreibt, war wohl im 19. Jahrhundert nicht die Ursache von Katastrophen. Den Zeitungsberichten zufolge tobten Unwetter in der Region Lichtenfels, schwere Gewitter und Hagelschlag, der teilweise die Ernte vernichtete. Am 19. Juni schwoll nach einem Wolkenbruch der Krebsbach in Schney rapide an und riss sogar Häuser weg.
Auch nicht neu sind Lebensmittelskandale, die damals von der Bevölkerung eher gelassen zur Kenntnis genommen wurden. Am 7. April konstatierte das Blatt: "Weißer Sand wird zu Pulver gemahlen und dem Mehl beigefügt. Auch der gewiefteste Bäcker kann das Pulver nicht vom Weizenmehl Nr. 0 unterscheiden. Der daraus bereitete Teig ist ungewöhnlich schwer und liefert ein Brot, das gesundheitsschädlich ist." Die Korbwarenindustrie in Lichtenfels blüht. Für die Wiener Weltausstellung sendet Johann Krauß einen "Silberschrank" (Schrank für Tafelsilber), der nicht nur nach dem neuesten Geschmack, sondern auch vollendet gearbeitet wurde. Weitere künstlerische Korbwaren fertigten für die Weltausstellung L. Gagel und Nik. Schardt.


Es brennt zur gleichen Zeit

Feuersbrünste zerstörten Häuser und Stallungen. Nicht immer war Blitzschlag die Ursache, sondern auch Brandstiftung. Am 3. März 1873 steht der Gasthof Brütting in Staffelstein in Flammen. Seit Ende Oktober 1872 brennt es dort vier Mal, jedes Mal zur gleichen Zeit, Sonntag um 19 Uhr. Da es den Pflichtfeuerwehren der Gemeinden und Städte oft an Einsatzwillen mangelte, wurden in diesen Jahren freiwillige Feuerwehren und ein Gaufeuerwehrverband gegründet. Am 13. Juli beschloss das das Gemeindecollegium (die Bürgermeister): Männliche Einwohner von 18 bis 30 Jahren müssen Feuerwehrdienst leisten, an vier Übungen im Monat teilnehmen und bei Bränden in der Druckmannschaft Dienst leisten. Im August wütet die Cholera in Lichtenfels besonders stark. Der Stadtmagistrat empfahl: "Jeder lebe mäßig in Speise und Trank und vermeide Störungen der Verdauung, wie sie so leicht durch den Genuss eines Übermaßes an geistigen Getränken und schwer verdaulichen Speisen entstehen." In Bayern fielen 1873 rund 3000 Menschen der Seuche zum Opfer.
Oft vergeblich versuchte der Magistrat Hofstätteneigentümer zu bewegen, Unrat und Jauche nicht auf die Straßen zu kippen. Am 28. Juli berichtet das Blatt: "Übelstand herrscht weil die Jauche von den Düngerstätten in den Hofräumen auf die Ortsgassen läuft. Dieser Mißstand erheischt aus sanitäts- und strassenpolizeilichen Rücksichten dringend Abhülfe."

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