Bamberg

"Lebenslang" für 25-Jährigen

Das Landgericht sprach nach der mehrfachen Vergewaltigung eines Neunjährigen im Landkreis Haßberge eine Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung aus.
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Der Angeklagte war bereits wegen der Vergewaltigung eines Jugendlichen im Gefängnis. Foto: Ronald Rinklef
Der Angeklagte war bereits wegen der Vergewaltigung eines Jugendlichen im Gefängnis. Foto: Ronald Rinklef

Udo Güldner Der 25-jährige Angeklagte aus dem Landkreis Haßberge, der im Januar 2019 einen neunjährigen Buben mehrfach sexuell missbraucht und vergewaltigt hat, wird wohl nie wieder das Gefängnis verlassen dürfen. Denn neben den zwölf Jahren, zu der ihn die Jugendschutzkammer am Landgericht Bamberg verurteilt hat, kommt er danach in eine Sicherungsverwahrung. Die kann, im Sinne des Wortes, tatsächlich "lebenslänglich" bedeuten.

"Für jeden Vater und jede Mutter muss es ein Alptraum sein, wenn sich das eigene Kind offenbart und erzählt, es sei vergewaltigt worden." Es sind ganz persönliche Worte, mit denen die mündliche Urteilsbegründung beginnt. Schließlich hat der Vorsitzende Richter Markus Reznik selbst Nachwuchs.

Für den Angeklagten, den Zeugen als "gefühlskalt, kaltherzig, mitleidlos und sadistisch" schilderten, hatte er indes keine guten Nachrichten. "Es kommt ihm darauf an, Macht zu demonstrieren, andere zu beherrschen." Damit sei auch zu erklären, warum der Angeklagte das Kind mitten im Winter am Waldrand gezwungen habe, sich vollständig auszuziehen.

Pädophile Neigungen?

Dass der Angeklagte "kein Pädophiler" sei, wie das der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Hans-Peter Volz vom Bezirkskrankenhaus Schloss Werneck feststellte, das mag man glauben oder nicht. Immerhin fand das Landeskriminalamt in diversen Chats und im Browser von Smartphone und Tablet-Computer eindeutige Hinweise darauf, dass sich der Angeklagte für Pornos und Nacktbilder mit kleinen Jungen interessiert hat.

Ob er bei der Untersuchung durch Prof. Volz die Wahrheit gesagt hat? Hatten mehrere Gefängnis-Mitarbeiter, die den Angeklagten in den letzten Jahren hautnah erlebt hatten, ihn doch als notorischen Lügner geschildert. Auch die Mutter eines Mitgefangenen, bei dem der Angeklagte nach der Haft Obdach gefunden hatte, glaubte ihm kein Wort mehr.

Die eineinhalb Stunden, in denen alle Beteiligten dem Gutachter lauschten, machten aber auch klar, dass der Angeklagte, wiewohl unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung leidend, genau wusste, was er tat und sich unter Kontrolle hatte. Eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus kam deshalb nicht in Frage. Wie Gerichtssprecher Dr. Christian Pfab erklärte, hatte die Psychologin Gabriele Drexler-Meyer aus Nürnberg in der nichtöffentlichen Verhandlung die Glaubwürdigkeit des kleinen Jungen vollauf bestätigt. Der habe sich so gut an so viele Details erinnern können, sei nicht darauf hereingefallen, wenn man versucht habe, ihn zu beeinflussen und habe sogar noch gewusst, dass der Täter ihm gesagt hätte, er sei "schon einmal im Knast" gewesen. "Wir haben keine Zweifel an den Angaben des Kindes", so Richter Markus Reznik.

Eindeutige Beweise

Von einer "erdrückenden Beweislast" sprach Staatsanwältin Dr. Ursula Redler. Zum einen gebe es DNA-Spuren des Jungen an der Kleidung des Angeklagten (und umgekehrt), zum anderen das Wiedererkennen des Peinigers durch den Jungen mitten auf der Straße. Der ist sehr schwer traumatisiert, wohl für sein gesamtes Leben, worauf Hans Andree, der Rechtsanwalt des Jungen, der in Begleitung der Mutter in den Gerichtsaal gekommen war, in seinem Plädoyer hinwies.

Schweigen bis zum Schluss

Bis zuletzt schwieg sich der Angeklagte zu den gravierenden Vorwürfen aus. Nur einen Diebstahl und die mit sich geführte Schusswaffe gab er zu. Er fand weder ein Wort des Bedauerns, noch der Entschuldigung. Vielmehr ließ er seinen Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia aus Bamberg auf Freispruch plädieren. Alles sei eine Verwechslung, die Identifizierung zweifelhaft, die DNA durch Wischspuren auf die Kleidung gelangt. "Das wäre doch ein unvorstellbarer Zufall", beschied das Gericht.

Ob der Angeklagte jemals wieder auf freien Fuß kommen wird, ist doch sehr fraglich. Denn dafür müsste die Gefahr verschwinden, dass er keine erheblichen Straftaten, insbesondere solche sexueller Art mehr begehen wird. "Es droht ein schwerer Rückfall."

Immerhin hatte er in den JVAs Ebrach, Würzburg und Neuburg an der Donau mehrere Therapien abgebrochen, sich mit Mitgefangenen angelegt und seine Psychologen und Sozialpädagogen stark bedroht und beleidigt. "Er war erschreckend offen und sprach über massive, detailreiche Gewaltphantasien." So dass man sämtliche Versuche, auf ihn einzuwirken, letztlich aufgegeben hatte.

"Wir haben gezweifelt, ob man irgendetwas ändern kann." Auch die Tatsache, dass er eineinhalb Jahre nach seiner Entlassung wegen einer Vergewaltigung eines 16-jährigen Jungen wieder einen körperlich schwächeren Menschen angegangen hat, diesmal sogar ein Kind.

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