Maßbach

Leben auf stabiler Scholle

Der Geologische Dienst des Bayerischen Landes-Umweltamtes hat im Rathaus von Maßbach die geologische Karte für den Raum Maßbach an Bürgermeister Matthias Klement übergeben.
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Geologe Sebastian Specht (links) hat die Daten für das neue geologische Kartenblatt Maßbach ermittelt und zusammengeführt. Er überreichte zusammen mit Leitendem Regierungsdirektor Roland Eichhorn (Chef des Geologischen Dienstes) das Kartenwerk an Maßbachs Bürgermeister Matthias Klement (rechts). Foto: Heike Beudert
Geologe Sebastian Specht (links) hat die Daten für das neue geologische Kartenblatt Maßbach ermittelt und zusammengeführt. Er überreichte zusammen mit Leitendem Regierungsdirektor Roland Eichhorn (Chef des Geologischen Dienstes) das Kartenwerk an Maßbachs Bürgermeister Matthias Klement (rechts). Foto: Heike Beudert

Die geologische Karte gibt Kommunen und Behörden, aber auch Privatleuten wichtige Hinweise über Böden und Beschaffenheit des Untergrundes, erklären Leitender Regierungsdirektor Roland Eichhorn, Geologe und Chef des Geologischen Dienstes am Bayerischen Landesamt für Umwelt, und sein Kollege, der Geologe Sebastian Specht, bei einem Übergabetermin des Kartenblattes im Maßbacher Rathaus.

Die in der Karte festgehaltenen Forschungsergebnisse seien im privaten Wohnungsbau ebenso wichtig wie im Straßenbau oder bei der Suche nach Trinkwasservorkommen, erläutert Roland Eichhorn. Wer die Karte zu verstehen weiß, der erhält viele Informationen über den Boden, auf dem er lebt. Muschelkalk und Keuper sind die dominierenden Gesteine.

Für die Erhebung der Daten war Geologe Sebastian Specht verantwortlich. Seine Aufgabe war es, den Boden Meter für Meter innerhalb des festgelegten Maßbacher Planquadrats geologisch zu untersuchen und zu kartieren. Zwischen 1000 und 1500 Kilometer ist er dazu über Stock und Stein gelaufen. So wurde die Bodenstruktur auf den Feldern und im Wald genau ermittelt. Der Geologe begutachtete ungezählte Steine und sammelte besondere Stücke. Mit dem Bohrstock zog der Geologe immer wieder Bodenproben. Specht konnte aber bei der Erstellung der Karte auch auf ältere Unterlagen zurückgreifen. Die Region sei geologisch schon früh erkundet worden, weiß der Geologe. So basieren einige Daten auf eine Erforschung, die bereits 1914 durchgeführt wurde.

Gemeindegebiet nicht komplett

Zwölf mal zwölf Kilometer umfasst das Gebiet der geologischen Karte von Bayern, Blatt "Maßbach 5827". Der Name täuscht etwas, denn das gesamte Gemeindegebiet ist darin gar nicht erfasst. Im Kartenquadrat liegen auch Teile des Landkreises Schweinfurt, wie der frühere Truppenübungsplatz Brönnhof oder die Gemeinde Hambach. Dafür gehören die Ortsteile Poppenlauer und Weichtungen zu einem anderen Planquadrat.

Die neue geologische Karte zeigt jetzt den genauen Verlauf von Störungszonen auf. Wer im Raum Maßbach wandert, trifft deshalb an einigen Stellen im Abstand von nur wenigen Metern auf zwei völlig unterschiedliche geologische Zeitalter. Die Karte macht sichtbar, wo diese geologischen Besonderheiten liegen. Störzone bedeutet in diesem Fall allerdings nicht, dass die Maßbacher Umgebung gar von Erdbeben gefährdet ist, erklärt Roland Eichhorn. "Das ist eine stabile Scholle", beruhigt er eventuelle Befürchtungen; denn die Verwerfung sei sehr alt.

Auswirkungen auf Wasser

Aber Auswirkungen hat diese Störung auf mögliche Wasservorkommen. Diese finden sich in der Störungszone in großen Tiefen. "Hier liegen auch unsere Brunnen", stellt Bürgermeister Matthias Klement bei der Übergabe der offiziellen geologischen Karte fest. Und er bestätigt, dass das Wasser aus großer Tiefe gepumpt wird. Sebastian Specht hat festgestellt, dass es im Muschelkalk seines Maßbacher Planquadrats zu Verkarstungen kommt. Es gibt Doline (Karsttrichter), die vor allem im Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes liegen.

Suche nach Erdöl

Bei seiner Arbeit stieß der promovierte Naturwissenschaftler auf eine Besonderheit. 1955/56 wurde zwischen Maßbach und Rannungen nach Erdöl gebohrt. Fündig wurde man allerdings nicht. Aber: "Es wurde außerordentlich tief gebohrt", erklärt Regierungsdirektor Roland Eichhorn. Bis zu einer Tiefe von 1698 Metern stieß man in den Untergrund. Dann gab man auf. Im Internet finden sich Hinweise, dass in den 1950er Jahren an verschiedenen Stellen in Bayern Bohrungen stattfanden.

Damit jedermann die Karte versteht und lesen kann, gibt es zum eigentlichen Blatt eine Erläuterung, die in der Druckversion als Taschenbuch beigefügt ist. Die interessantesten Lesesteine, die Sebastian Specht gefunden hat, sind in Bildern festgehalten. Es sind geologische Zeugen vergangener Zeitalter: Versteinerungen. Die Funde lagern jetzt im Archiv des Geologischen Dienstes in Hof.

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