Vestenbergsgreuth

Laut werden, damit es leise bleibt

Protest   Die Pläne für mehrere Windkraftanlagen auf dem Grenzgebiet der Gemeinden Burghaslach und Vestenbergsgreuth rufen Anlieger auf den Plan. Sie haben sich in einer Bürgerinitiative organisiert und informieren am 21. Oktober in Burghaslach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Markus Blum, Christine Spahn und Nicolas Sportelli (v.l.): Hinter dem Wald in der Bildmitte wären die Windräder zu sehen, und im Grün steht Blums Haus. Foto: Evi Seeger
Markus Blum, Christine Spahn und Nicolas Sportelli (v.l.): Hinter dem Wald in der Bildmitte wären die Windräder zu sehen, und im Grün steht Blums Haus. Foto: Evi Seeger
von unserer Mitarbeiterin Evi Seeger

Breitenlohe/Vestenbergsgreuth —
Die Idylle ist perfekt: ein Häuschen im Grünen, eingerahmt von Wald. Hier ist Platz für Pferde und Hunde. Diese Insel der Ruhe auf dem Düllberg oberhalb von Breitenlohe (Gemeinde Burghaslach) sehen einige Bürger gefährdet. Gefährdet durch Windräder, die in der Nähe von Ochsenschenkel auf Vestenbergsgreuther Gemeindegebiet errichtet werden sollen. Sie haben sich deshalb zur Bürgerinitiative "Hohe Straße WKA-frei" zusammengeschlossen.
"Betroffen" von den Auswirkungen der Windkraftanlagen sind nach den Worten ihrer Gegner neben Ochsenschenkel die benachbarten Ortschaften - insbesondere Gleißenberg, Breitenlohe und Burghaslach.
Das Vorbehaltsgebiet WK 49, in dem die Anlagen geplant sind, liegt im Landschaftsschutzgebiet im Naturpark Steigerwald. Um sie zu bauen, muss entweder eine Befreiung oder eine Herausnahme der Standorte aus dem Landschaftsschutzgebiet erfolgen. Vier Anlagen im WK 49 und ein alleinstehendes Windrad im WK 48 hatte die Projektgesellschaft Friedrich Brehm aus Dietersdorf ursprünglich beantragt. Die alleinstehende Anlage östlich von Ochsenschenkel ist mittlerweile so gut wie genehmigt.
Von den vier übrigen im Windpark WK 49 hat der Vorhabensträger inzwischen für zwei Anlagen die Anträge zurückgezogen. Aber auch die beiden verbleibenden sind den Gegnern ein Ärgernis.
"Für mich stinkt das", sagt der Niederndorfer Nicolas Sportelli, der zusammen mit Christine Spahn aus Dietersdorf die Bürgerinitiative ins Leben gerufen hat. 42 Bürger hätten sich angeschlossen, berichtet Sportelli. Dass sie erst jetzt aktiv werden, begründet er so: "Jeder hat sich darauf verlassen, dass die Sache vom Tisch ist." Denn der Gemeinderat Vestenbergsgreuth hatte die vier Anlagen im Landschaftsschutzgebiet abgelehnt.

Genehmigung von ganz oben

Inzwischen haben die Regierung von Mittelfranken als höhere Landesplanungsbehörde und der Naturschutzbeirat des Landkreises Erlangen-Höchstadt ihre Zustimmung zum Bau der zwei Anlagen signalisiert. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde wird wohl das fehlende Einvernehmen der Gemeinde ersetzen.
Christine Spahn geht davon aus, dass auch die derzeit "ruhenden" Anträge eines Tages "neu belebt" werden. So sehen das auch ihre Mitstreiter: Sei erst mal der Weg gebaut, würden auch die beiden anderen Anlagen hinterher geschoben.
Burghaslachs Bürgermeister Armin Luther sorgt sich um seine Baugebiete: "Wir haben in einer Entfernung von 800 bis 900 Metern zu den Windrädern 18 Bauplätze ausgewiesen." Er sehe kaum noch eine Chance, diese Bauplätze zu verkaufen. Die Gemeinde Burghaslach habe ihre Stellungnahme über ihren Anwalt eingereicht.
Christine Spahn sieht Fehler und Oberflächlichkeiten im Verfahren. Insbesondere den Artenschutz sieht sie nicht ausreichend gewürdigt. Spahn will eine EU-Beschwerde wegen der Schwarzstörche anstreben, die im Gutachten nicht berücksichtigt seien. Auch der Kiebitz komme im Gutachten nicht vor. Spahn kritisiert außerdem, dass man sich über die Bedenken des Denkmalschutzes hinwegsetzt. Dem Breitenloher Schloss müsse eigentlich eine "Pufferzone" von 3000 Metern eingeräumt werden, so wie sie das Ober nzenner Schloss bekommen habe. Inzwischen hat Spahn eine Petition mit 200 Unterschriften beim Landtag eingereicht. Bei der Regierung in Ansbach habe sie ihre Bedenken erfolglos vorgetragen.
Nur 504 Meter Abstand zu seinem Haus am Düllberg hat Markus Blum errechnet. Über dem nahen Waldrand würden sich die beiden Windräder in den Himmel erheben. Blum will alle Rechtsmittel ausschöpfen, um die Anlagen zu verhindern. Blum kann nicht verstehen, "dass das Landratsamt versucht, dieses Vorhaben durchzudrücken", wo doch schon Mitte November eine neue Gesetzeslage eintrete. Danach wären die Anlagen nicht genehmigungsfähig.
Den Namen der Bürgerinitiative "Hohe Straße" hat Nicolas Sportelli nach einem historischen Weg entlang des Steigerwald-Höhenrückens gewählt. Hier befänden sich überregional bedeutende Wanderwege, betont der Niederndorfer. Er habe bereits den Steigerwaldclub aufmerksam gemacht.

Protest gegen Kommerz

Würde es sich um Bürgerwind-räder handeln, könnte er sich damit anfreunden, räumt Sportelli ein. Aber "einer profitiert von diesem Vorhaben und die anderen haben den Schaden". Über Facebook versucht Sportelli, Öffentlichkeit und Kontakt zu anderen BIs zu erreichen (FB: BI Hohe Straße WKA frei). Eine Informationsveranstaltung findet am Dienstag, 21. Oktober, um 20 Uhr in der Kulturtankstelle Burghaslach statt.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren