Kulmbach

"Lasst uns entscheiden"

Beim BRK in Kulmbach haben drei Versorgungsberaterinnen eine Ausbildung begonnen. Luisa Streng ist eine von ihnen.
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Versorgungsberaterin Luisa Streng (links) im Gespräch mit Hildegard Fritz aus Kulmbach. Sie lebt im BRK Seniorenheim Bürgerhospital. Foto: privat
Versorgungsberaterin Luisa Streng (links) im Gespräch mit Hildegard Fritz aus Kulmbach. Sie lebt im BRK Seniorenheim Bürgerhospital. Foto: privat

Jeder Mensch soll so behandelt werden, wie er es möchte. Einige Menschen haben sich entschieden, dass sie am Lebensende keine Schmerzen oder Luftnot haben möchten. Andere Menschen möchten ins Krankenhaus eingewiesen werden, damit man sie dort bestmöglich versorgt.

Das BRK in Kulmbach bietet allen vollstationären Bewohnern in den Einrichtungen Kulmbach, Neudrossenfeld und Marktleugast eine kostenfreie Beratung zur sogenannten Vorsorgeplanung für die letzte Lebensphase an. Drei Versorgungsberaterinnen haben dafür jetzt ihre Ausbildung begonnen: Luisa Streng (Kulmbach), Ines Schramm (Marktleugast) und Marion Hohlweg (Neudrossenfeld).

Die Bewohner klären mit den Beraterinnen unter anderem, wer für sie sprechen soll, wenn sie selbst nicht mehr in der Lage sind, oder wie sie behandelt werden möchten, wenn sie nichts mehr sagen können.

Auch wenn das Angebot nur für alle vollstationären gesetzlich versicherten Bewohner von den Kassen bezahlt wird, hoffen Streng und ihre Kolleginnen, dass viele Heimbewohner und ihre Angehörigen es annehmen. Mithilfe der Beratung zur Versorgungsplanung am Lebensende soll mehr Handlungssicherheit und eine gute Abstimmung alle Beteiligten erreicht werden.

Frau Streng, was macht eine Versorgungsberaterin?

Luisa Streng: Wir sprechen mit Bewohnern über ihre Behandlungswünsche und helfen ihnen

festzulegen, welche medizinischen Maßnahmen im Notfall ergriffen werden sollen. Die Hemmschwelle ist leider sehr groß, und es kostet große Überwindung sich damit auseinanderzusetzen - es wird aber dankbar angenommen. Die Bewohner erzählen oft: "Lasst uns selbst entscheiden". Das sollte doch in Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht festgelegt werden.

Ja, viele Menschen haben so etwas, doch dort sind oft nur allgemeine Festlegungen getroffen, zum Beispiel die Formulierung "Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen". Doch da ist sehr viel Spielraum. Wir legen in den Gesprächen genau fest, was darunter verstanden wird.

Wie verläuft ein Versorgungsgespräch?

Im besten Falle sollte dies geführt werden, wenn die Menschen noch für sich selbst entscheiden können. Ist dies nicht mehr möglich, müssen Betreuer oder Angehörige mit Vollmacht dazu kommen.

Dann sprechen wir über jede einzelne Situation und legen fest, welche medizinischen und lebenserhaltenden Maßnahmen getroffen werden. Oft wird ein mehrmaliges Treffen nötig sein, so hat der Betroffene Zeit, sich Gedanken zu den eigenen Wünschen zu machen. Haben die Menschen schon eine Vorstellung von ihrem Lebensende?

Häufig spielen vergangene Erfahrungen eine große Rolle. Wer erlebt hat, wie Menschen trotz hohen Alters und schwerster gesundheitlicher Einschränkungen am Leben gehalten werden, weiß oft genau, was er will und was nicht. Wie reagieren die Angehörigen?

Das ist unterschiedlich. Gerade in Familien wird es oft zum Problem, wenn entschieden werden soll, wenn Mutter oder Vater nicht mehr selbst entscheiden können. Durch unseren Versorgungsplan wird festgelegt, was zu tun ist. Das erspart Diskussion und Streit, wenn der Ernstfall eintritt.

Was geschieht mit diesen Festlegungen?

Meine Kolleginnen und ich erstellen auf Wunsch einen Notfallplan, der in der Patientenakte hinterlegt wird. Dort steht genau, wann reanimiert werden darf oder wann künstliche Beatmung erfolgen soll usw. An diese Festlegung haben sich alle Mitarbeiter zu halten.

Wie nehmen die Bewohner das Angebot an?

Unsere Arbeit hat erst begonnen. In allen bisherigen Gesprächen war die Resonanz erstaunlich positiv. Die Leute wollen gehört werden. red

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