Zeil am Main
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Langhans-Buch gibt Einblicke ins frühere Zeiler Stadtleben

Umfassenden Einblick in die wechselhafte Zeiler Ortsgeschichte im frühen 17. Jahrhundert gaben die Stadthistoriker Alois Umlauf und Christoph Winkler bei der Vernissage zur neuesten Ausstellung im Dok...
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Alois Umlauf und Christoph Winkler (von links) lasen.  Foto: Monika Schraut
Alois Umlauf und Christoph Winkler (von links) lasen. Foto: Monika Schraut

Umfassenden Einblick in die wechselhafte Zeiler Ortsgeschichte im frühen 17. Jahrhundert gaben die Stadthistoriker Alois Umlauf und Christoph Winkler bei der Vernissage zur neuesten Ausstellung im Dokumentationszentrum "Zeiler Hexenturm". Sie zeigt das Schreib- und Lehenbuch des Zeiler Bürgermeister Johann Langhans.

Eine Kerze brennt einsam am Tisch, auf einem Holzpult liegt Pergament. Ein Tintenfass mit Federkiel wartet darauf genutzt zu werden. Ein solcher Arbeitsplatz war am Donnerstagabend im Dokumentationszentrum aufgebaut. Platz daran nahm der ehemalige Bürgermeister der Stadt Zeil, Christoph Winkler. Gewandet mit Wams und Halskrause spielte er seinen Amtskollegen Johann Langhans aus dem frühen 17. Jahrhundert. Der hat in seinem "Schreib- und Lehenbuch" eine Art Tagebuch geführt. Über seine Familie und über die Geschehnisse in der Stadt. Dieses Buch hat im Staatsarchiv in Würzburg die Bombardierung Würzburgs im Jahr 1945 überstanden und ermöglicht einen einmaligen Einblick in die sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse der Stadt für diesen Zeitraum.

Die Ausstellung ist dieser historischen Kostbarkeit gewidmet. Zur Vernissage waren am Donnerstag viele Besucher in den "Hexenturm" gekommen.

In Originalsprache las Christoph Winkler Passagen aus dem Tagebuch vor. Doch ohne die Erklärungen und die historische Einordnung durch den Stadthistoriker Alois Umlauf hätten so manche Zuhörer mit dem Gehörten nichts anfangen können.

Umlauf verstand es, einen roten Faden und eine thematische Gliederung zu den Originaltexten zu liefern, so dass das Publikum einen tiefen Einblick in die persönliche Lebensgeschichte des Johann Langhans bekommen konnte. Da hörte man von den Alltagssorgen des Weinbauern und Landwirts, der mit den klimatischen Widrigkeiten der sogenannten "Kleinen Eiszeit" konfrontiert wurde. Man hörte von seinen Pflichten als Firmpate oder man nahm teil an der Opulenz der Langhans'schen Hochzeit, bei der für nur 45 Gästen zwei Schweine, drei Hammel, ein Zentner Fisch und Rind für fünf Gulden verspeist wurden. Getrunken wurden sieben Eimer Wein, insgesamt waren das etwa 500 Liter.

Das "Schreib- und Lehenbuch" ist aber bei weitem nicht nur ein Zeugnis des Privatmannes Johann Langhans. Es gibt gleichzeitig auch Einblick in das ganze Stadtleben. Theater und Mord, Krankheiten und Seuchen sowie das Kriegswesen kamen zur Sprache. So musste im Jahr 1620 die Stadt, die damals aus rund 500 Einwohnern bestand, an drei Tagen 1600 Soldaten aufnehmen und verköstigen.

Ebenso historisch einmalig ist die Beschreibung der Huldigungspflicht dem Fürstbischof gegenüber, und letztlich auch die Berichte über die Gräuel der Hexenverfolgung, die in Zeil gewütet hat. Das Buch des Johann Langhans beginnt im Jahr 1616 und endet im Jahr 1628, denn in diesem Jahr wird er selbst der Hexerei bezichtigt und als Hexer hingerichtet.

Der Vortrag von Umlauf und Winkler eröffnete die Ausstellung im zweiten Obergeschoss der "Zeiler Hexenturms". Dort können die Besucher dann die vergrößerten Originale bestaunen. Die Inhalte entnahmen sie aber lieber den Transkriptionen, die Alois Umlauf in akribischer Arbeit von jeder einzelnen Seite des Buches angefertigt hat.

Spende übergeben

Der Türmer Franz Hoffmann stellt in einer Vitrine zwei Originalmünzen des 17. Jahrhunderts aus, die er im Zeiler Turm gefunden hat. Auf einem großen Bildschirm sehen die Besucher die Szene der Verhaftung des Johann Langhans, wie sie bei der historischen Stadtführung im Jubiläumsjahr gezeigt wurde.

Die beiden Stadthistoriker nutzten die Vernissage auch, um zusammen mit ihren beiden Kollegen Martin Schlegelmilch und Ludwig Leisentritt einen Spendenscheck an Bürgermeister Thomas Stadelmann zu überreichen. Der Betrag von 2095,10 Euro kam zusammen bei den vier stadtgeschichtlichen Vorträgen zur 1000-Jahr-Feier der Stadt. Das Geld wird für die Anschaffung eines Touch-screens im "Hexenturm" genutzt, damit die geschichtlichen Hintergründe noch anschaulicher präsentiert werden können.

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