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Buttenheim

Landwirte schalten Gang höher

Weil Rewe in der Region ein Produkt aus dem Sortiment genommen hat, kam es in der Nacht zum Montag zu einem großen Bauernprotest in Buttenheim.
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Die Traktoren in Reih und Glied verhinderten ein Durchkommen am Rewe-Zentrallager in Buttenheim.  Fotos: Joseph Beck
Die Traktoren in Reih und Glied verhinderten ein Durchkommen am Rewe-Zentrallager in Buttenheim. Fotos: Joseph Beck
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Durch die Anfahrt von über 200 Traktoren bewies "Land schafft Verbindung" (LSV), einer partei- und verbandsmäßig unabhängigen Verbindung von Bauern, am Sonntagabend ihre Schlagkraft, denn neben den Bulldogs waren mindestens noch einmal so viele Demonstranten zum zentralen Auslieferungslager von Rewe nach Buttenheim gekommen.

Grund für ihren Protest lieferte nach Angaben von LSV-Organisator Hans-Peter Lechner die Maßnahme von Rewe, bestimmte Pommes aus den Regalen zu nehmen, da ein Pommes-Lieferant aus dem Landkreis Bamberg für seine Ware höhere Preise wollte. Bei einem weiteren Produkt mit Nudeln sei es ähnlich gelaufen. Rewe begründete seinen Schritt mit einem Aushang an die Kunden am leeren Regalplatz: "Daher verzichten wir auch in Ihrem Interesse an stabilen Preisen vorübergehend auf eine Belieferung mit diesem Artikel." Vorher im Text hatte das Unternehmen schon auf ihre langen und intensiven, aber erfolglosen Verhandlungen mit dem Lieferanten hingewiesen.

Bei der genehmigten Demonstration, von der auch Rewe wusste und die sie natürlich gerne verhindert hätte, aber taten die Bauern auch ihren Frust offen kund, dass sich in der Politik außer leeren Worten immer noch nichts getan habe.

Die Wut der Bauern aus den Landkreisen Coburg, Lichtenfels, Bamberg, Höchstadt und anderen richtete sich aber nun gegen Rewe. Die Traktoren zogen durch Buttenheim zum Zentrallager und hatten dieses innerhalb kurzer Zeit gleichsam abgeriegelt, so dass - bis auf eine später eingerichtete Rettungsgasse - keine Zu- oder Abfahrt mehr möglich war. Die Schlange der Traktoren reichte über die gesamte Zufahrtsstraße weiter auf die Staatsstraße Richtung Drügendorf und auf der Straße Buttenheim gegen Westen fast bis Altendorf.

Der Lagerleiter verweigerte gegenüber unserer Zeitung jede Stellungnahme und gab keinen Kommentar ab. Ralf Geyer vom LSV rief neben der Drohung einer weiteren Blockade von einem Bulldog herab dazu auf, bei der Gülleverordnung wachsam zu sein: "Wenn die Gülleverordnung am 3. April so kommt, ist das für mich eine Kriegserklärung. Dann muss am Tag danach ganz Deutschland durch den LSV lahmgelegt werden."

Gemeinsame Gespräche geplant

Landrat Johann Kalb (CSU) kam als einziger Politiker zu den Bauern und ging dann auch mit deren Sprecher zur Buttenheimer Rewe-Leitung. Nach einiger Zeit, in der sie bei Telefonaten mit der Kölner Zentrale verbunden wurden, sicherte ihnen die Pressesprecherin des Konzerns zu, dass sich am Mittwoch Vertreter von Rewe und Sprecher der Landwirte treffen werden, um gemeinsam Gespräche führen. Die versammelten Bauern mussten sich zunächst mit dieser Botschaft zufrieden geben, drohten aber, bei einem nicht zufriedenstellendem Ergebnis wiederzukommen- wenn es sein müsse, dann auch länger.

Bis gegen Mitternacht wurde die "Blockade" aufrechterhalten, dann traten die Bauern ihren zum Teil langen Heimweg an. Einer von ihnen sagte: "Wir haben Blut geleckt, dass Demonstrieren etwas bewegen kann."