Junkersdorf

Landwirte im Begegnungsverkehr

Vor 60 Jahren wagten Bauern in der Region noch nicht vom Mähdrescher zu träumen. Damals stellten sogenannte Mähbinder bereits eine technische Revolution dar. Ein Bild aus Junkersdorf belegt, wie sehr sich alles verändert hat.
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Im Sommer 1959 entstand diese Aufnahme in Junkersdorf, heute Gemeindeteil von Pfarrweisach  Foto: Archiv/Arnold Deininger
Im Sommer 1959 entstand diese Aufnahme in Junkersdorf, heute Gemeindeteil von Pfarrweisach  Foto: Archiv/Arnold Deininger
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Eckehard Kiesewetter Junkersdorf — Schwerlaster und Autos en masse bestimmen heute die Szenerie auf der B 279. Kaum zu glauben, dass Buben aus den Orten entlang der Weisach berichten, noch in den 1970er Jahren auf der Fahrbahn Fußball gespielt zu haben. Noch einige Jahre zuvor, im Sommer 1959, entstand diese Aufnahme, die zeigt, wie rasch sich die einstige ländliche Idylle gewandelt und wie auch die Landwirtschaft sich in diesen 60 Jahren verändert hat. Die Aufnahme aus dem Archiv des Junkersdorfers Arnold Deininger zeigt zwei Landwirtschaftliche Gespanne, die sich auf der Straße vor dem Endershaus im heutigen Pfarrweisacher Gemeindeteil Junkersdorf (das Sandsteingebäude links; heute Haus Arnold) in der Hauptstraße begegnen: rechts ein mit Heu beladener Leiterwagen; links kommt ein Mähbinder in Transportstellung entgegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bei uns so richtig aufgekommen, waren solche landwirtschaftlichen Erntemaschinen in Junkersdorf bis Ende der 60er Jahre in Betrieb, weiß Handwerksmeister Deininger zu berichten. Mähbinder, erfunden Ende des 19. Jahrhunderts in den USA, waren eine große Erleichterung für die Bauern und ersparten viel Arbeit vom Mähen mit Sichel und Sense bis zum manuellen Binden der Garben.

Die Maschinen schnitten das Getreide mittels eines Mähbalkens, bündelten die Halme samt Ähren und banden sie zu Büscheln (Garben) zusammen. Früher wurden die Binder, wie man die Erntegeräte nannte, von Pferden gezogen, später dann, etwa ab Mitte der 60er, immer öfter von Traktoren. Die Garben stellte man auf dem Feld zum Trocknen zusammen, um sie später per Hand auf den Wagen zu laden und per Pferdegespann in die Scheunen zu transportieren.

Der Dreschflegel, mit dem man früher das Korn regelrecht aus der Ähre geprügelt hatte, wurde nicht mehr benötigt. Auch diese Aufgabe erledigten inzwischen Maschinen. "Das Dreschen geschah meist im Winter mit der Genossenschaftsdreschmaschine", erzählt Arnold Deininger.

Schwerstarbeit

Der Maurer- und Restauratormeister berichtet, dass die Körner im Speicher zwischengelagert wurden, der sich meist im Dachboden des Bauernhauses befand. Gebläse gab es noch nicht, also transportierte man das Getreide in bis zu zwei Zentner schweren Säcken hinauf. Das war körperlich sehr schwere Arbeit, zu der die starken Buben aus dem Dorf herangezogen wurden. Deininger, heute über 70, war einst einer von ihnen. Er weiß, wovon er berichtet.

Mähbinder sind von der Bildfläche verschwunden, als der Mähdrescher Einzug hielt: Er fuhr selbst , erbrachte viel mehr Leistung und erledigte (fast) alles in einem Arbeitsschritt.

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