Gößweinstein

Landwirte fühlen sich an den Pranger gestellt

Wenn es nach dem Vorsitzenden des Vereins "Zukunft Gößweinstein", Klaus-Dieter Preis, geht, dann wird im Herbst dieses Jahres innerhalb der "Ökomodellregion Fränkische Schweiz" nach den Vorbildern aus...
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Voll besetzt war der Pfarrsaal bei der Informationsveranstaltung des Vereins "Zukunft Gößweinstein".
Voll besetzt war der Pfarrsaal bei der Informationsveranstaltung des Vereins "Zukunft Gößweinstein".

Wenn es nach dem Vorsitzenden des Vereins "Zukunft Gößweinstein", Klaus-Dieter Preis, geht, dann wird im Herbst dieses Jahres innerhalb der "Ökomodellregion Fränkische Schweiz" nach den Vorbildern aus Bayreuth und Bamberg eine "Transition-Bewegung Fränkische Schweiz" gegründet. Zur Auftaktveranstaltung der Ökomodellregion waren deshalb auch Vertreter der "Transition-Town-Bewegung Bayreuth" und der Bamberger Transition-Bewegung gekommen, die ihre Organisationen und Projekte vorstellten.

Hauptreferent des langen Abends im Pfarrheim war jedoch Uniprofessor Manfred Miosga, der die aktuelle Landwirtschaftspolitik als katastrophal bezeichnete. Der Wissenschaftler malte ein düsteres Zukunftsbild. In den letzten 15 Jahren sei ein kontinuierlicher Anstieg der Durchschnittstemperaturen zu verzeichnen gewesen was sich in den letzten zwei Jahren durch die Austrocknung des Bodens bis zu einer Tiefe von 1,80 Metern enorm zugespitzt habe. 80 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland seinen davon schon betroffen und 30 Prozent der Waldbestände gelten inzwischen als stark gefährdet. Täglich seien bereits Waldbrände zu verzeichnen und der CO2 -Gehalt in der Luft sei auf bedrohliche 415 ppm angestiegen.

Produktion über dem Bedarf

"Wir bewegen uns schon in einem Bereich, in dem wir nicht mehr wissen, wie es sich auswirken wird", so Miosga. Die Zielsetzung des Klimaabkommens sei absolut nicht mehr ausreichend. "Wir müssen es schaffen, dass sich die Erdatmosphäre nicht mehr als 1,5 Grad aufheizt." Dazu müsse der CO2 -Gehalt dramatisch und schnell reduziert werden. Miosga: "Eines ist klar: Wenn die Ressourcen noch knapper werden, werden sich diejenigen auf den Weg machen, denen es schlecht geht, und die anderen werden die Waffen in die Hand nehmen, um sie aufzuhalten", so der Professor für Regionalentwicklung. Ökomodellregionen seinen enorm wichtig, weil man in diesen ausprobieren könne, wie es anders geht.

Den Ernährungssektor sieht Miosga in einem "grausamen Zustand". Geflügel und Schweine würden in Deutschland weit über dem Bedarf produziert. Dies belaste die Böden, schade dem Klima, so Miosga, der für Oktober die Gründung einer nicht börsennotierten "Regionalwert AG Oberfranken" ankündigte.

Julia Marx und Anja Zeilinger stellten die Transition-Town-Bewegung Bayreuth vor und betonten, die solidarische Landwirtschaft aktiv vorantreiben zu wollen.

"Ziel der ganzen Aktion müssen unsere Bauern sein, die wir nicht vergessen dürfen", betonte Preis. Allerdings war nur eine Handvoll von Landwirten gekommen. Einer davon war Josef Neuner aus Etzdorf, der sich fragte, wieso jetzt die Landwirte und nicht die Politiker an den Pranger gestellt werden. "Man redet über Landwirtschaft, aber machen sollen es andere", so der Gößweinsteiner Marktgemeinderat, der betonte, dass es längst technische Lösungen gäbe, um CO2 -neutral zu heizen. Mit Hackschnitzeln zum Beispiel. Eine Milchkontingentierung hätte man laut Neuner nie gebraucht und durch die EU-Bürokratie habe man zum Beispiel die Hausschlachtungen mutwillig zerstört.

Die Rolle der Verbraucher

Harald Konzok vom Netzwerk Bildung, Ökolandbau und Ernährung betonte, dass es die Verbraucher in der Hand hätten, was produziert wird. Nebenerwerbslandwirt Stefan Simmerlein aus Kleingesee findet, dass die Ökomodellregion eine gute Sache sei. Dass auch die Bauern Verursacher der Klimakrise sind, könne man nicht von der Hand weisen.

"Die Forderung der Regierung, Ökobetriebe aufzubauen, wird zum Ziel haben, dass viele kleine Bauern aufhören", fürchtet hingegen Landwirt Erhard Bayer aus Engelhardsberg. Kleine Betreibe müssen von ihrem Erwerb leben können", forderte er und betonte: "Man hat oft das Gefühl, wir werden von der Politik nicht ernst genommen." Corinna Brauer forderte ein regionales Vermarktugsszentrum und Pretzfelds Bürgermeisterin Rose Stark erinnerte, dass dies schon vor 20 Jahren gescheitert sei.

Landwirtin Helga Deinhardt aus Wohlmutshüll hat ihren Betrieb schon vor 30 Jahren auf ökologisch umgestellt. Seither habe sich in der Agrarpolitik nicht viel verändert, betonte sie. Im Gegenteil, die Betriebe seien immer größer geworden. Deinhardt betonte, dass man beide Schienen fahren müsse. Zum einen politisch aktiv werden und zum anderen schauen, was man in der Region machen könne. Uwe Nikol forderte, eine eigene Marke für die Ökomodellregion Fränkische Schweiz zu schaffen.

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