LKR Coburg

Landwirte fordern Respekt ein

Die lokalen Abgeordneten stellten sich dem Zorn der Bauern und zeigten Verständnis für deren Probleme. Schnelle Lösungen konnten sie ihnen jedoch nicht versprechen.
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Die Veranstalter sprachen von 5600 Traktoren, die Polizei sogar von über 5900. Mehrere Tausend Bauern waren in einer Sternfahrt nach Berlin gekommen, um dort gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Die Teilnehmer aus dem Coburger Land berichten von durchweg positivem Echo aus der Bevölkerung - sogar in Berlin selbst. Foto: Monika Skolimowska, dpa
Die Veranstalter sprachen von 5600 Traktoren, die Polizei sogar von über 5900. Mehrere Tausend Bauern waren in einer Sternfahrt nach Berlin gekommen, um dort gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Die Teilnehmer aus dem Coburger Land berichten von durchweg positivem Echo aus der Bevölkerung - sogar in Berlin selbst. Foto: Monika Skolimowska, dpa
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Die Lösung aller ihrer Probleme hatten die Landwirte wohl nicht erwartet, als sie die regionalen Abgeordneten zur Zukunftskonferenz ins Gustav-Dietrich-Haus einluden. Sie konnten aber ihren Vertretern in Land und Bund eine klare Botschaft mitgeben, die BBV Kreisobmann Martin Flohrschütz zusammenfasste: "Wir sind Teil der Lösung."

Geht es um Klimaschutz, Erhalt der Artenvielfalt, Insektenschutz oder Nitrat im Grundwasser wollen die Landwirte sich keineswegs aus der Verantwortung stehlen. Sie machten aber mit vielen Argumenten deutlich, dass sie sich auch nicht für alles die alleinige Schuld in die Schuhe schieben lassen wollen.

Auch wenn sie erleben müssen, dass ihren Kindern in der Schule vorgehalten wird, Landwirte seien Brunnenvergifter, Bienenmörder und Tierquäler, sind es aktuell noch ganz andere Sorgen, die die Bauern im Coburger Land - und nicht nur hier - umtreiben. Es ist die Angst, ihre Existenz zu verlieren, ihre Betriebe nicht mehr an die nächste Generation weitergeben zu können.

Warum sie das fürchten, erklärten sie dem Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) und den Landtagsabgeordneten Martin Mittag (CSU), Martin Böhm (AfD) und Michael Busch (SPD) deutlich. Es kann kaum in Betriebe investiert werden. Die Baukosten explodierten in der Folge von immer strengeren Auflagen. Vor allem aber ist die Unsicherheit groß, wie überhaupt gebaut werden kann. Axel Roth, junger Landwirt und engagiert in der Bewegung Land, schafft Verbindung: "Wenn ich heute zwei Millionen Euro in die Hand nehme, um einen neuen Stall zu bauen, dann muss ich mich darauf verlassen können, dass ich ihn in fünf Jahren auch noch nutzen kann." Genau diese Planungssicherheit vermissen die Landwirte aber in vielen Bereichen.

Ausbildung infrage gestellt

Was sie als gute fachliche Praxis in jahrelanger Ausbildung gelernt haben, wird plötzlich von vielen Seiten infrage gestellt. Gesetzliche Vorschriften, etwa zur Gülleausbringung, orientieren sich nicht mehr an den Zeiträumen, wann die Pflanzen den Stickstoff aus dem Naturdünger aufnehmen können, sondern werden nach ihrer Einschätzung willkürlich auf immer weniger Zeit und erlaubte Flächen zusammengestrichen. Um dem folgen zu können, müssten die Betriebe neue Güllegruben bauen - die Vorschriften dafür blieben aber lange unklar.

Großer Kritikpunkt: Der Umgang mit Messungen der Nitratwerte im Bodenwasser wird völlig unterschiedlich gehandelt. Während Deutschland die schlechtesten Messwerte an die EU meldet, geben andere Länder Durchschnittswerte weiter, kritisierte Stellvertretender BBV Kreisobmann Wolfgang Schultheiß.

Deutschland verurteilt

Dass dadurch die Werte in Deutschland vielfach schlecht sind, führte nach Klagen aus den Niederlanden und Dänemark dazu, dass der Europäische Gerichtshof Deutschland zu Strafzahlungen von über 800 000 Euro pro Tag verurteilte. Andere kritisierten, dass bei der Belastungen von Flüssen nicht die Einleitungen aus Kläranlagen berücksichtigt, sondern alle Belastungen der Landwirtschaft zugerechnet werden.

Gewässerrandstreifen müssen seit Jahresbeginn 2019 eingehalten werden - bis heute sind die Verwaltungen aber nicht in der Lage, den Landwirten aktuelle Karten zur Verfügung zu stellen, für welche Gewässer das gilt.

Als Schlag ins Gesicht empfinden die heimischen Bauern das Mercosur-Abkommen. Es ermögliche den Import von Agrarprodukten aus Ländern, in denen nicht nach den in der EU geltenden Standards gewirtschaftet wird, während in Deutschland die Anforderungen immer höher geschraubt werden.

Stimmung "miserabel"

Harald Weber, Leiter des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Coburg, bescheinigt der Landwirtschaft in der Region: "Die Stimmung ist miserabel." In vielen Bereichen kann das Amt einen Rückgang der Produktion feststellen. Vor allem trifft das auf die Schweinehaltung zu. Wenn Martin Flohrschütz verlangt, dass in der Klimadebatte die Leistungen der Landwirtschaft höhere Anerkennung erhalten, dann hat er einen Grund: "Wir erzeugen Nahrungsmittel, und wir sind der einzige Wirtschaftszweig, der CO2 aufnehmen kann", sagt er. Was er angesichts der derzeit als Existenzbedrohung empfundenen Lage einfordert, sei jedoch kein Mitleid, sondern Respekt für die Leistung der Landwirtschaft und Gleichbehandlung für alle Bauern in der EU, zu der er voll und ganz steht: "Es gibt für uns keine Alternative zur EU".

Bekenntnis zur Landwirtschaft

Die Abgeordneten machten durch alle politischen Lager klar, dass sie die Arbeit der Bauern sehr wohl respektieren und anerkennen.

Sie zeigten die politischen Mechanismen auf, die zu den Entscheidungen führten, die jetzt für die Landwirte zur Bedrohung werden, und sie versprachen, sich für die Anliegen einzusetzen, die ihnen mit auf den Weg gegeben wurden.

Frage nach der Zukunft

Die Grundfrage der Zukunftskonferenz, zu der der Bauernverband geladen hatte, lautete: "Hat die Coburger Landwirtschaft unter den derzeitigen Rahmenbedingungen noch eine Zukunft?" Mit einem klaren "Ja" wurde sie in keinem der Schlussworte auf dem Podium beantwortet.

Doch herrschte Einigkeit, dass alle Ziele vom Klimaschutz über Nitratbelastung des Wassers bis zum Erhalt der Artenvielfalt nur gemeinsam mit den Bauern erreicht werden können.

Fazit von Axel Roth: "Ich bin wenig überrascht, dass uns gesagt wird, wir machen alles richtig. Politiker wollen immer das Beste für die, die gerade vor ihnen sitzen."

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