Falkendorf

Landwirt, Poet, Soldat, Politiker

Der Falkendorfer Heimatdichter und Alt-Bürgermeister Michael Kreß ist vor 90 Jahren gestorben.
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In Falkendorf erinnern zwei Tafeln an Michael Kreß. Fotos: Manfred Welker
In Falkendorf erinnern zwei Tafeln an Michael Kreß. Fotos: Manfred Welker
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Vor 90 Jahren, am 21. Februar 1929, starb der Dichter des Aurachgrundes, Michael Kreß. Nicht nur in Falkendorf, auch in Herzogenaurach und in Dechsendorf erinnern ein Michael-Kreß-Weg oder eine Michael-Kreß-Straße an ihn.

Michael Kreß wurde am 12. Februar 1843 in Falkendorf geboren. Von seinen älteren Schwestern hatte er bereits Schreiben und Lesen gelernt. Daher wurde er am zweiten Tag seines Schulbesuchs in die zweite Klasse versetzt. Wissensdurst und schulischer Eifer zeichneten ihn aus, allerdings blieb ihm als einzigem Sohn eines wenig begüterten Bauern der Besuch einer höheren Schule verwehrt. Trotz der harten körperlichen Arbeit auf dem elterlichen Hof lernte er als Autodidakt Latein und Griechisch verstehen, neuere Sprachen wie etwa Französisch sprechen, aber auch die Naturwissenschaft kennen. Da ihm Reimformen oft leicht von der Hand gingen, übertrug er Fabeln des Äsop ins Deutsche. Darüber hinaus war er besonders mit der deutschen schönen Literatur und der Philosophie vertraut.

Im Krieg der süddeutschen Staaten gegen Preußen im Jahr 1866 war er als Angehöriger des 7. Infanterie-Regiments dabei. Nach der glücklichen Rückkehr übernahm er 1869 das elterliche Anwesen. Am 21. Juni 1870 heiratete er Elisabetha Zeilinger aus Ebersbach. Kaum vier Wochen nach seiner Eheschließung wurde er wieder zu den Waffen gerufen. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 führte ihn von Weißenburg über Wörth und Sedan vor Paris. Hier kamen ihm seine französischen Sprachkenntnisse zugute. Es entstanden Gedichte, die er "Feldzugsgedichte" nannte.

Nach der Rückkehr wurde er 1877 zum Bürgermeister von Falkendorf gewählt. Er nahm seine Pflichten ernst und blieb als Bürgermeister immer unparteiisch. 1887 wurde er zum Zweiten Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Bezirksvereins gewählt, 1896 avancierte er zum Mitglied im oberfränkischen landwirtschaftlichen Kreisausschuss, 1898/1890 und 1905/1906 wurde er als Mitglied in den oberfränkischen Landrat berufen. Für sein vielfältiges Engagement erhielt er am 3. Februar 1903 die silberne Medaille des Verdienstordens der Bayeri-schen Krone. 1916 wurde er mit dem Ludwigskreuz und dem Luitpoldkreuz geehrt. 1923 legte er sein Bürgermeisteramt nieder, 1924 die Mitgliedschaft im landwirtschaftlichen Bezirksverein.

Da seine Tochter Anna Marta in Oberreichenbach verheiratet war, verbrachte er seinen Lebensabend als Austrägler bei fremden Leuten. Die Beschwerden des Alters nahmen zu. 1928 wurde sein 85. Geburtstag würdig gefeiert, vor allem der Heimatverein Herzogenaurach engagierte sich dafür. Zum 86. Geburtstag bedankte er sich bei der Stadt Herzogenaurach mit einem eigenen Gedicht: "Dank, besten Dank der lieben Stadt, die herzlich mich beglückwünscht hat, den müden Greis mit grauen Haaren, gebeugt von 86 Jahren. Und feindlich aus den Lüften droht dem Greise auch noch Kältetod!"

Zwei Gedichtbände veröffentlicht

Er klagte nur wenige Tage über Schmerzen, erlitt am Mittwochabend einen Schwächeanfall und schlief am Donnerstagmorgen, 21. Februar 1929, friedlich ein, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Seine Beerdigung am Münchauracher Friedhof fand nicht nur großen Zuspruch der Bevölkerung Falkendorfs, sondern der ganzen Umgebung und zahlreicher Honoratioren. Am Geburts-, Wohn- und Sterbehaus wurde eine Gedenktafel angebracht. Sein Grabstein findet sich heute beim Kriegerdenkmal in Falkendorf.

Von seinen Gedichten wurden zwei Bände veröffentlicht. Die erste Zusammenfassung erschien 1912 unter dem Titel "Leier, Schwert und Pflug" bei Anna Debler in Herzogenaurach. Eine zweite Auflage wurde 1926 gedruckt.

Der Titel der Gedichtsammlung verweist auf sein eigenes Leben. Die Leier steht als Zeichen für die Dicht- und Sprachkunst, das Schwert für seine Erlebnisse in den Feldzügen 1866 und 1870/71, der Pflug für sein Leben als Landwirt.

In der ersten Ausgabe schrieb J. Haagen auf das Titelblatt ein Zitat von Jean Paul: "Musikalische Kinder und poetische Bauern existieren, aber nicht viele; es sind außergewöhnliche Phantasieblumen der Natur."

Die vaterländischen Gedichte, die in Auftrag gegebenen Verse für verschiedenste Anlässe sind nicht mehr präsent. Dagegen sind Verse, die er aus eigenem Antrieb verfasste, zeitlos und werden auch in Zukunft ihre Gültigkeit besitzen. Die Heimatgedichte haben inzwischen den Wert von Geschichtsquellen für die Region.

Stark geprägt war Michael Kreß durch seine Erfahrungen als Soldat im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871. In dieser Zeit schrieb der fränkische Poet viele patriotische Feldzugsgedichte. Auch in dieser Lyrik wird seine Liebe zur Heimat deutlich.

"Nicht das Fremde kann beglücken, nur das Heimische ist schön", schrieb Kreß in der Ferne. Er beschrieb zwar die Schönheit der französischen Landschaft, kehrt in Gedanken aber in die Heimat zurück.

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