Marktschorgast

Labor in freier Natur

Die Umgebung von Marktschorgast ist ein Dorado für Geowissenschaftler. Zum 20. Mal forschen Studierende in der Region.
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Geowissenschaftlerin Anja Allabar schlägt mit einem Geologenhammer eine Gesteinsprobe aus dem Felsen am Goldbergsee. Stehend im Boot Professor Marcus Nowak Foto: Bruno Preißinger
Geowissenschaftlerin Anja Allabar schlägt mit einem Geologenhammer eine Gesteinsprobe aus dem Felsen am Goldbergsee. Stehend im Boot Professor Marcus Nowak Foto: Bruno Preißinger

Zum 20. Mal führt Professor Marcus Nowak von der Universität Tübingen rund um Marktschorgast einen Geländekurs für Studierende der Geowissenschaften durch. Auf einer großen Wiese am Goldbergsee haben 56 Studierende und zehn Begleiter für eine Woche ihr Outdoorcamp aufgeschlagen. Parallel dazu führen Renat Almeev von der Universität Hannover und Leonart Fischer von der Universität Freiburg einen geologischen Kurs durch.

"Marktschorgast ist ein einmaliger Standort", sagt Professor Nowak. In einem Gebiet von etwa 42 Quadratkilometern kämen sieben Gesteinsarten vor, "die unter sehr verschiedenen Bedingungen gebildet wurden". Im Grunde schlage die Region für die angehenden Geologen ein Lehrbuch auf.

Mit dem Hammer unterwegs

Tagsüber sind die Studierenden unterwegs. Sie schlagen mit dem Geologenhammer Gestein auf, um frische Bruchflächen zu erhalten. "Anhand der Farbe und der mit der Lupe untersuchten Minerale sowie deren Größe und Anordnung kann man die Gesteine bestimmen", so Nowak. Die handgroßen Gesteinsstücke würden beschriftet, die Fundorte mit den GPS-Koordinaten in einer Geländekarte eingetragen.

Am Ende des Kurses erstellen die Teilnehmer eine geologische Karte. "Mit dem in den Vorlesungen erworbenen Wissen können die Studierenden dann anhand der Erkenntnisse aus dem natürlichen Labor fundamentale Rückschlüsse zur Entstehungsgeschichte der Münchberger Gneismasse ziehen", sagt Marcus Nowak. Diese sei "ein Gesteinsstapel, der im Rahmen einer Gebirgsbildung durch eine Kollision von Kontinenten vor etwa 330 Millionen Jahren in die jetzige Lage verfrachtet wurde". An der Unterseite des Stapels befänden sich Sedimente und vulkanische Ablagerungen. In der Mitte des Gesteinspakets finde man Grünschiefer, Phyllite, Amphibolite und den namensgebenden Gneis.

Ein absolutes "Highlight"

Auf der Oberseite seien noch Eklogite zu finden. Dieses Gestein ist laut Professor "das Highlight von Marktschorgast", da es weltweit nur sehr wenige Fundorte gibt. Bei diesem Gestein handele es sich um ehemaligen schwarzgrauen Basalt einer Ozeankruste, die vor mehr als 400 Millionen Jahren durch plattentektonische Prozesse in den Erdmantel bis zu einer Tiefe von 60 bis 100 Kilometer abgetaucht ist.

"Dieser Prozess wird Subduktion genannt. Dabei wurde bei einem Druck von 20 000 bis 30 000 Bar und einer Temperatur von 650 bis 700 Grad Celsius roter Granat und grüner Omphazit gebildet, aus dem Eklogit besteht. In einer für geologische Prozesse sehr kurzen Zeit von zehn Millionen Jahren wurde dieses Gestein wieder in erdoberflächennahe Bereiche herauftransportiert, so dass es heute zugänglich ist." Bis heute sei aber noch nicht schlüssig erklärt, "welche dynamischen Prozesse den Eklogit wieder nach oben transportiert haben".

Anlässlich des 20. Aufenthalts in Marktschorgast überreichte Bürgermeister Hans Tischhöfer eine Ortschronik - an Marcus Nowak. Der Professor dankte dem Gemeindeoberhaupt und allen Marktschorgastern für die seit langen Jahren währende Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft und auch für das Interesse an der Geologie.

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