Eschenau bei Haßfurt

Kunst, die Geschichten erzählt

In der Galerie im Saal in Eschenau wurde die Ausstellung "Archetypen und andere Zeitgenossen" eröffnet.
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Peter Picciani mit einer seiner kleinen Figuren aus Lindenholz Fotos: Eleonore Schmidts-Stumpf
Peter Picciani mit einer seiner kleinen Figuren aus Lindenholz Fotos: Eleonore Schmidts-Stumpf
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Am Samstagabend war wieder einmal die Hauptstraße in Eschenau zugeparkt. In der Galerie im Saal trafen sich "Archetypen und andere Zeitgenossen", um gemeinsam die Vernissage zur gleichnamigen Ausstellung erleben zu können.

Eleonore Schmidts-Stumpf, die Galeristin, begrüßte die Gäste und stellte die beiden Künstler vor, die mit großem Applaus für die gezeigten Werke honoriert wurden. Die Galeristin ging ausführlich auf die Lebensgeschichte der Künstler ein, die beide ihre Kindheit und Jugendzeit in einem Ostblockland verbracht und dort auch ihre Ausbildung erhalten haben.

Die Künstler

Bruno Bradt aus Temeswar in Rumänien lernte von früh auf alle klassischen Techniken der Malerei und konzentrierte sich auf Industriedesign. Er hatte sich früh verheiratet und war Vater geworden, und so war eine Familie zu ernähren. Bradt wanderte mit 22 Jahren aus Rumänien aus und ließ sich in Fürth nieder. Dort studierte er an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg und machte sich als Werbegrafiker selbstständig. Sein Künstlerherz erwachte erneut vor etwa zehn Jahren, und seither ist er in vielen Ausstellungen mit seinen kolorierten Zeichnungen zu erleben.

Peter Picciani wurde in der DDR zum Industriemechaniker ausgebildet und hat sich früh für die Drechselkunst begeistern können, was später dann im Westen zu großer Anerkennung vor allem in Japan führte, wo er jährlich seine Werke unter anderem im MoMa in Tokyo ausstellen konnte. Als Dissident wurde Peter Picciani inhaftiert und dann gegen seinen Willen aus der DDR ausgewiesen. Im Westen folgte eine sehr abwechslungsreiche Orientierung, die schließlich in der Holzbildhauerschule in Bischofsheim in der Rhön endete.

Als einem der Preisträger des ersten Kunstpreises im Landkreis Haßberge - er erhielt den Publikumspreis - wollte die Galerie im Saal Picciani eine Ausstellung mit seinen kleinen Figuren aus Lindenholz, die ein Abbild der jungen Handygesellschaft sind, widmen. Dazu musste ein Künstler gesucht werden, der realistisch arbeitet und mit "Menschenbildern" zu den Arbeiten Piccianis passt. Zeitgenossen war schließlich ein Teil des Ausstellungstitels. Mit Bruno Bradt, der schon lange in der Empfehlungsliste der Galerie präsent war, war dieser Künstler gefunden worden.

Politische Einflussnahme

Der Galerist Egon Stumpf ging auf die unterschiedlichen Ausbildungswege im Osten und Westen ein, ebenso auf die politische Einflussnahme und damit Steuerung der Kunststile. Abstraktion wurde mit Freiheit gleichgesetzt und heroisch klassische Kunst mit Diktatur. Und weder im Westen noch im Osten konnte man sich gegen diese Doktrin wirklich wehren.

Das Schicksal des russischen Künstlers David, eines Juden, der heute in Nürnberg lebt und sagt: "Ich fühle mich hier wie im Paradies", wurde von Bruno Bradt in einem seiner Werke verewigt. Dieses Schicksal steht einmal für die Unterdrückung von abstrakter Malerei in Russland wie für das besondere Engagement des Künstlers für solche Menschen. David, der Russe, erlebte ein ähnliches Befreiungswunder wie David im Alten Testament, der seine Erlösung in Psalm 18 erzählt. Dieser Psalm ist auf dem Bild in der Ausstellung in der Galerie im Saal nachzulesen.

In der aktuellen Ausstellung in der Galerie im Saal können Interessierte Kunst erleben, die perfekt gestaltet ist, die Geschichten erzählt und die mit Symbolen arbeitet, ganz ähnlich der Kunst, die aus der Leipziger Schule kommt. red

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