Berndorf
Ausstellung

Kunst als Lebensinhalt

Man ist überwältigt, kommt aus dem Staunen nicht heraus, kann sich nicht satt sehen. Die Sommerausstellung der Keramikwerkstatt und Galerie Tittmann bestätigt mal wieder internationalen Anspruch und H...
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Die Protagonisten der Sommerausstellung (von links): Erik Urbschat, Julia Tittmann, Claus Tittmann und Konrad Schmid  Foto: Horst Wunner
Die Protagonisten der Sommerausstellung (von links): Erik Urbschat, Julia Tittmann, Claus Tittmann und Konrad Schmid Foto: Horst Wunner

Man ist überwältigt, kommt aus dem Staunen nicht heraus, kann sich nicht satt sehen. Die Sommerausstellung der Keramikwerkstatt und Galerie Tittmann bestätigt mal wieder internationalen Anspruch und Heimatverbundenheit. Bürgermeister Martin Bernreuther drückte es bei der Vernissage treffend aus, indem er Hausherrn Claus Tittmann noch ein Stück emporhob: "Was Sie hier seit vier Jahrzehnten machen und inszenieren, ist ein Geschenk für unseren Markt und ein Aushängschild der Kunst abseits der Metropolen."

Schier unerschöpflich ist die Schaffenskraft und Gedankenwelt des Claus Tittmann. Aktuell präsentiert er, gerade von einer viel beachteten Ausstellung in Frankfurt zurückgekehrt, seine neuesten Werke: Figürliche Arbeiten in Keramik und Raku-Technik, eine archaische, metallschimmernde Formensprache. "Kassandra" und die "Große Liegende" sind gleichermaßen Realität und Mythologie. Aufstrebend, schwerelos und voller Mystik sind die Bronzefiguren zum Thema "Ikarus". Dazu Eisen-, Aluminium- und Bronze-Sandguss.

Ideen gehen ihm nie aus

Der Mann mit den nie ausgehenden Ideen gibt zugleich Einblick in sein umfangreiches Schaffen, zahlreiche weitere Exponate, verteilt in der wunderbar strukturierten Galerie sind zu sehen.

Tochter Julia hat ebenfalls neben der ganzen Bandbreite ihres Wirkens Novitäten im Spektrum. Die Vielseitige macht in Raku und mit kleinen Plastiken auf sich aufmerksam, die Kreationen aus Porzellan haben eine feine Ausstrahlung, üben auf den Betrachter Anziehungskraft aus. Dieses mäandernde Blau auf lasiertem Hintergrund, fließend abgestuft, ist mit Kobaldoxyd eingefärbt, das Spiel der ruhigen Formen und gleichzeitiger Bewegung lässt die Gedanken schweifen. Humorvoll oft ihre Figuren, ein bisschen verträumt. Julia hat die Gabe, Unscheinbarem Größe zu verleihen. "Kunst ist für mich Lebensinhalt", verrät sie.

Wie gewohnt begleiten die Sommerausstellung auch Kunstschaffende von weither. Konrad Schmid, in der Szene ein Begriff, kommt aus Pocking und ist ein Virtuose des Holzschnitts. Der Handdruck in Kleinstauflage mündet oft in der "Poesie der Linie", Fläche, Form und Raum sind vom Konkreten losgelöst. Die Nähe zur Faszination des japanischen Holzschnitts ist spürbar.

Kostbare Unikate

Es sind alles kostbare Unikate, die die Sommerausstellung bereichern. "Im Einfachen liegt die Vielfalt", so der Künstler. Und die gibt er an den Betrachter weiter. Man muss sich Zeit nehmen, um das zu verinnerlichen, flüchtiges Hinsehen wäre schade.

Filigran und präzise der Schmuck des Erik Urbschat aus Landsberg am Lech. Der Goldschmied ist ein echter Meister seines Kunsthandwerks. Die Ketten, Ringe, Schlüssel und Löffelchen strahlen Exklusivität aus und dennoch die Nähe zum Schlichten. Seine Kunstwerke sind in internationalen Galerien zu finden.

Die Sommerausstellung in Bendorf genügt hohen Ansprüchen, ein Besuch lohnt. Claus Tittmann bleibt ein Leuchtturm in der Kunstszene mit Wirkung weit über die Region hinaus. hw

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