Bad Kissingen
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Kunigunde - eine Managerin

"Sie war eine der emanzipiertesten und tüchtigsten Frauen des Mittelalters - beruflich erfolgreich und gleichzeitig eine Diplomatin sowie Leiterin eines riesigen Haushalts - Kaiserin Kunigunde", sagte...
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Frauenrings-Vorsitzende Birgit Fischer (rechts) bedankte sich bei der Bamberger Historikerin Karin Dengler-Schreiber (l.) für deren Vortrag.  Foto: Karin Reinshagen
Frauenrings-Vorsitzende Birgit Fischer (rechts) bedankte sich bei der Bamberger Historikerin Karin Dengler-Schreiber (l.) für deren Vortrag. Foto: Karin Reinshagen

"Sie war eine der emanzipiertesten und tüchtigsten Frauen des Mittelalters - beruflich erfolgreich und gleichzeitig eine Diplomatin sowie Leiterin eines riesigen Haushalts - Kaiserin Kunigunde", sagte Dr. Karin Dengler-Schreiber, als sie Mitglieder und Gäste des Bad Kissinger Frauenrings im Wintergarten des Burkardus Wohnparks zu einer Veranstaltung mit einem spannenden Thema begrüßte: "Kaiserin Kunigunde - Spitzenmanagerin vor 1000 Jahren", so hatte die Historikerin aus Bamberg ihren Vortrag betitelt und viele interessierte Besucherinnen und Besucher waren der Einladung des Ortsrings gefolgt.

Frauenrings-Vorsitzende Birgit Fischer freute sich, dass Dengler-Schreiber über eine Frau berichten würde, die schon vor 1000 Jahren fortschrittliche Ideen und große Kompetenzen bewiesen hätte. Als Mitglied eines der weltweit größten Organisationen berufstätiger Frauen, "Soroptimist International", sei sie mit großem Interesse nach Bad Kissingen gekommen, sagte Dengler-Schreiber, da sie zum ersten Mal aktiv mit Mitgliedern des Deutschen Frauenrings zusammengekommen sei, die sich mit ihrem gesellschaftspolitischem Engagement für gleiche Ziele einsetzen. Dazu passe auch die Hauptperson des Nachmittags: Kaiserin Kunigunde, die Frau Kaiser Heinrichs II., deren Biographie Dengler-Schreiber seit Jahrzehnten fasziniert habe, die das Leben Kunigundes erforscht und sogar ein Buch darüber geschrieben hatte.

Die Historikerin wollte aber auch von einer "ungewöhnlichen Liebe" erzählen, die die Kaiserin mit ihrem Mann Heinrich verband - ein ganzes Leben lang und unter schwersten Bedingungen. "Auch wenn Kunigunde und Heinrich 1000 Jahre von uns entfernt sind", sagte Dengler-Schreiber, "will ich sie Ihnen als Menschen nahe bringen."

Kunigunde sei in einem großen Geschwisterkreis in ihrer Heimatstadt Trier aufgewachsen, wo sie um 975 zur Welt gekommen war. Heinrich hätte unter den Königstöchtern Europas wählen können - doch er nahm Kunigunde, die Tochter eines unbedeutenden Grafen zur Frau. "Es gab wohl nur eine Erklärung für diese Verbindung", so Dengler-Schreiber, "sie mussten sich ineinander verliebt haben". Ihre Trauung fand vermutlich 997 statt, und im ganzen Reich wurde viel für ihre Nachkommenschaft gebetet - es war die große Tragödie ihres Lebens, dass die Ehe kinderlos bleiben sollte. Kunigunde war als Königin nicht nur die Frau an der Seite des Königs, sondern übte diesen Beruf aktiv und effektiv aus. Ständig hatte sie Umgang mit den Großen des Reiches, unter Heinrich II. waren dies vor allem die Bischöfe. Aber auch unter den weltlichen Fürsten genoss Kunigunde hohes Ansehen.

Sie arbeitete als Stellvertreterin des Königs. Ihre vielleicht wichtigste Aufgabe war die Intervention, sie war die zentrale Verbindungsperson zum König, die wichtigste Schaltstelle, die auch immer wieder versuchte, die Härte ihres Mannes abzumildern. Kunigunde scheint ihren Mann oft politisch beraten zu haben - Heinrich vertraute ihr sogar während seiner beiden Italien-Feldzüge die Regentschaft über das Reich an, und als er 1024 im Beisein Kunigundes starb, übernahm sie bis zur Wahl eines neuen Königs die Regentschaft. Ein Jahr lang lebte Kunigunde nach Heinrichs Tod noch in Regensburg, ordnete ihre Angelegenheiten, erst dann zog sie sich in das von ihr gegründete Kloster Kaufungen zurück. Dort starb sie 1033, ihre Leiche wurde nach Bamberg überführt und an der Seite ihres Gemahls im Dom beigesetzt. Kunigunde wurde 1200 heiliggesprochen, Heinrich im Jahre 1146.

"Kunigunde war eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters, eine starke, selbständige und kluge Frau, die offen war für Reformideen und die diese auch durchsetzte", betonte Karin Dengler-Schreiber, "vor Allem war sie immer auf Ausgleich und Verständigung bedacht". Sie und Heinrich hätten immer ihre Ziele vor Augen gehabt und meisterten das tragische Schicksal der Kinderlosigkeit auf unvergessliche Weise - für uns noch heute ein Vorbild, an das es sich zu erinnern lohne. red

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