Kulturfans trotzen Regen und Kälte

Die Organisatoren waren von der Resonanz auf die erste "Nacht der Kulturen" in Höchstadt überwältigt. Bei 70 Veranstaltungen an 35 Orten war für jeden Geschmack etwas dabei.
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Es sei von Anfang an nicht das Ziel gewesen, dass die Besucher alle 70 Veranstaltungen an den 35 Orten schaffen, sagte Anita Kopp im Rückblick auf die erste "Nacht der Kulturen" in Höchstadt. Zusammen mit Susanne Gabler und Bernd Riehlein von der Fortuna Kulturfabrik hatte sie die Kulturnacht organisiert. Noch am gestrigen Montag waren alle drei überaus begeistert darüber, wie dieser Event bei der Bevölkerung angekommen war.
Da solle noch einmal jemand behaupten, dass in Höchstadt nichts geht, meinte Fortuna-Chef Riehlein und zieht den Hut vor all den Leuten, die der Kälte und dem Regen trotzten und in die Kulturnacht aufbrachen. Das in Höchstadt viel gepriesene Wir-Gefühl sei überall zu spüren gewesen.
Mitorganisatorin Susanne Gabler, die selbst auch als Rocksängerin zwei Stunden auf der Bühne am Marktplatz zu hören war, war begeistert von den vielen "versteckten Kostbarkeiten", die man an den unterschiedlichsten Orten erleben konnte.
Bei Regen findet der Krieg in Saale statt!" Das lustige Sprichwort ließ Peter Lorz von der Historischen Stadtwache im Schlossgewölbe los. Beinahe hätte auch die "Nacht der Kulturen" im Saale stattfinden müssen. Tatsächlich aber nur beinahe. Denn die Höchstadter ließen sich ihr Fest von ein paar Tropfen Regen nicht vermiesen. Nach Events wie der "Weißen Nacht", dem Altstadtfest und dem Weinfest hatten sie offensichtlich Lust auf mehr. Die Perle des Aischgrunds zeigte sich einmal mehr in schönster Feierlaune. An fast jeder Ecke wurde etwas geboten.
Man rückte einfach etwas näher zusammen. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn "Locations" mit einem Dach über dem Kopf waren in der Nacht sehr gefragt. Was der guten Stimmung keinen Abbruch tat - ganz im Gegenteil. Zu Recht beschwor Bürgermeister Gerald Brehm (JL) in seiner Eröffnungsrede das "Wir-Gefühl" seiner Bürger. Unter den Klängen des Spielmannszugs ging es vom Marktplatz zum Kuhstall. Dort übergab das Stadtoberhaupt das neue Relief am Giebel des Gebäudes seiner Bestimmung. Geschaffen hat es die Keramikgruppe der Volkshochschule unter der Leitung von Reglinde Fösel. Das eindrucksvolle Bild zeigt die wichtigsten Gebäude der Stadt in künstlerischer Anordnung und Ausarbeitung.
Mit einsetzender Dämmerung nahmen die Musikgruppen verschiedenster Stilrichtungen Aufstellung in der Altstadt. Auf Chris und Dave aus der Partnerstadt Castlebar folgte im Zelt am Marktplatz eine Formation der "Musiggfabrigg" mit Sängerin Carina. An der Orgel der Spitalkirche, die sich als "Oase der Ruhe" anbot, spielte der erst zwölfjährige Hennig Schwarz unter anderem die Toccata in d-moll von Johann Sebastian Bach. Bürgermeister Brehm fügte Worte der Besinnung hinzu.
Internationales Flair und beste Stimmung herrschte beim Helferkreis der Höchstadter Flüchtlinge hinter dem Rathaus. Neben Köstlichkeiten aus aller Herren Länder wurden Tanz und Unterhaltung für Jung und Alt geboten.
Beim Anstieg auf den Schlossberg gab es die Begegnung mit einer Kindergruppe: Der Nachwuchs war mit Gästeführerin Anette Amtmann auf Schnitzeljagd. Indes plauderte Gästeführerin Renate Hartenfels als Müllerin an der Stadtmühle aus dem Nähkästchen. Gar viel wusste sie zu erzählen von der einstigen "Ehrlosigkeit des Müllerlebens", von Getreide- und Brotsorten und wie alte Kulturvölker für ihr täglich Brot sorgten.
Im Tordurchgang des Schlosses servierte die Höchstadter SPD Feuerzangenbowle zum gleichzeitig laufenden Filmklassiker mit Heinz Rühmann. Gerade recht, um sich bei dem feucht-kalten Wetter etwas aufzuwärmen.
Beim Skiclub, der im Schatten der altehrwürdigen Pfarrkirche Sankt Georg feierte, kam die Wärme durch die drangvolle Enge und die Wärmepilze von allein. Bei den Klängen der Stadtkapelle und später einem Trio mit Michael Ulbrich war dort bis in die tiefe Nacht hinein kaum noch ein Durchkommen möglich.


Dekan Kemmer angezeigt

Getoppt wurde das bunte Treiben jedoch von der Führung durch die Baustelle Stadtpfarrkirche. Rund 200 Besucher füllten das eingerüstete Kirchenschiff, als Dekan Kilian Kemmer bei der ersten von mehreren Führungen über die Baumaßnahme und deren Notwendigkeit informierte. Dass er wegen der Baustellenführung gleich eine Anzeige bekommen hatte, störte den Hausherrn von Sankt Georg nicht.
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