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Bamberg

Kulturbotschafter unterwegs

Ein üppig bebildertes musikalisches Tagebuch zeigt die Bamberger Symphoniker hautnah.
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Die Bamberger Symphoniker bei einem Konzert in Dalian im Nordosten Chinas  Fotos: Andreas Herzau
Die Bamberger Symphoniker bei einem Konzert in Dalian im Nordosten Chinas Fotos: Andreas Herzau

Am Image zu feilen ist kaum je wichtiger gewesen als heute. Das gilt in besonderem Maße auch für die Bamberger Symphoniker, die ohne die Eindruck heischende Nennung eines Weltstadtnamens auf den internationalen Bühnen bestehen müssen. Und zwar nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar in den Medien. Um so wichtiger sind Konzertberichte, Hintergrundinformationen, Besprechungen von CD-Einspielungen oder das umfangreiche Programmbuch für die jeweils nächste Saison, das neben seiner Konzertübersicht auch konzeptueller Darstellung dient (worüber unsere Zeitung kürzlich berichtete).

Heuer kommt noch etwas hinzu, und das hat einen triftigen Grund: 75 Jahre Existenz des Orchesters sind Anlass, das Ensemble in einem "BambergDiary" auf seinen Reisen als Kulturbotschafter Deutschlands zu begleiten und diese Eindrücke in Wort und Bild zwischen zwei Buchdeckeln zu festzuhalten.

Der Fotograf Andreas Herzau ist dem Orchester bei seinen Europatourneen der Saison 2018/19 gefolgt und konnte so mit seiner Kamera vielfältige Eindrücke für das üppig ausgestattete Jubiläumsprojekt einfangen. Der Textteil des Buches umfasst Beiträge von Eleonore Büning, Uwe Rada und Holger Noltze, ein kurzes Bekenntnis Alfred Brendels zu Europa sowie ein Gespräch der Herausgeber mit Chefdirigent Jakub Hrusa und Intendant Marcus Rudolf Axt.

"Heimat" statt "Vaterland"

Besonders erfrischend sind dabei die Bemerkungen Hrusas zur Orchesterpraxis, zur musikalischen Interpretation oder auch zu begrifflichen Fragen. So besteht er auf der Übersetzung von Friedrich Smetanas Zyklus "Ma Vlast" durch "Meine Heimat" und nicht etwa durch das übliche "Mein Vaterland". Die triftige Begründung hierfür konterkariert Herzau leider mit der befremdlichen Behauptung, diesem Begriff eigne im Deutschen "etwas Revanchistisches". Diese symphonischen Dichtungen, zuvörderst natürlich die "Moldau", sind gewissermaßen das geheime Zentrum des "Diary".

Der sehr wertig ausgestattete Band des schweizerischen Nimbus-Verlags präsentiert sich eher als ein visuelles Tagebuch, denn der fotografisch anspruchsvolle Bildteil überwiegt. Es mag sein, dass man die eine oder andere Momentaufnahme hätte weglassen können, doch die Unterschiedlichkeit der eingefangenen Szenen spricht für die dadurch erzielte Vielfalt. Wer das Buch zur Hand nimmt, geht fühlbar mit dem Orchester auf Reisen und entwickelt viel Empathie mit dessen Mitgliedern, deren menschlich-alltägliche Seiten hier neben ihrem musikalischen Professionalismus einen berechtigten Platz haben dürfen. Dem ersten "BambergDiary" wird übrigens ein #2 folgen, das nach Fernost führt.

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