Mannsflur

Kultarchitekt scheitert an Ministerium

Alexander von Branca wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. In erster Ehe war er mit Therese von Guttenberg verheiratet. Für die Flüchtlingssiedlung Mannsflur seines Schwagers wollte er eine wunderbare Kirche errichten.
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"Der Schlossberg war ein blühender Fliedergarten." So vermerkt die Brautmutter Elisabeth von Guttenberg in ihren "Erinnerungen". Im Frühling 1952 wird ihre Tochter Therese mit Alexander von Branca in der Schlosskapelle getraut. Zu den Blumenkindern gehören auch Enoch von Guttenberg (links) und, neben ihm, seine Schwester Elisabeth, heute Gräfin von Stauffenberg.  Foto: Brigitta Lewerenz
"Der Schlossberg war ein blühender Fliedergarten." So vermerkt die Brautmutter Elisabeth von Guttenberg in ihren "Erinnerungen". Im Frühling 1952 wird ihre Tochter Therese mit Alexander von Branca in der Schlosskapelle getraut. Zu den Blumenkindern gehören auch Enoch von Guttenberg (links) und, neben ihm, seine Schwester Elisabeth, heute Gräfin von Stauffenberg. Foto: Brigitta Lewerenz
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Wolfgang Schoberth Der Stararchitekt Alexander Freiherr von Branca wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. In München steht er gerade wieder im Mittelpunkt des Interesses - als Erbauer der Neuen Pinakothek, die wegen einer Generalsanierung sechs Jahre geschlossen bleiben muss.

Seine Lebensgeschichte ist eng mit der Familie Guttenberg verbunden. Als junger Architekt lernt er Therese kennen, die Schwester des späteren Staatssekretärs im Bundeskanzleramt, Karl Theodor zu Guttenberg. Im Frühjahr 1952 werden sie in der Schlosskirche getraut.

Traumhochzeit

Für die Guttenberger ist es ein Traumhochzeit. Das ganze Dorf reiht sich blumenstreuend, singend und tanzend in den Brautzug der allseits beliebten "Resi" ein. Doch das Glück währt nur kurz und findet ein tragisches Ende. Schon ein Jahr später stirbt Therese bei der Geburt ihres ersten Kindes mit nur 23 Jahren.

"Mein Schwiegersohn und ich verbrachten viele Stunden kniend vor ihrem Sarg. Der gemeinsame Schmerz hatte uns noch nähergebracht. Diese geistige Nähe sollte mein Leben lang zwischen uns anhalten. Noch heute ist mir Alexander wie ein geliebter und liebender Sohn", schreibt ihre Mutter, Elisabeth von Guttenberg, 1998 in ihren Erinnerungen "Beim Namen gerufen". Von Branca, der in dieser Zeit seine erste Kirche in München baut, die Herz-Jesu-Klosterkirche in der Buttermelcherstraße, bringt am Altar eine Gedenkinschrift für Therese an.

Mit dem Gotteshaus der Ordensschwestern in der Isarvorstadt begründet von Branca seinen Ruf als Kultarchitekt: Nicht nur, dass es der erste Großbau Münchens ist, der vollständig in Stahlbeton ausgeführt wird, sondern weil es ihm wie keinem anderen gelingt, Spiritualität und mediterrane Schönheit zu vereinen. Branca möchte Oasen der Ruhe schaffen. Sein Ziel ist, "Menschen aus der Zerstreutheit in die Sammlung zu führen". Von der Architektur der Herz-Jesu-Kirche ist auch Karl-Theodor zu Guttenberg gebannt. Als sein Schwager 1955 mit der Innenausstattung fertig ist, bittet er ihn, auch für die Siedlung Mannsflur einen Sakralbau zu planen. In Absprache mit dem Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Lazar von Lippa, hat er hierfür zwei Grundstücke auf der höchsten Stelle der Siedlung am Ende vorgesehen. Heute befinden sich dort der "Historische Platz" und ein Kinderspielgelände.

Der Entwurf, der sich wie die späteren Baupläne im Kirchenarchiv von Marienweiher befindet, zeigt eine italienisch inspirierte Portalfront mit Treppenaufgängen, einem Campanile und einer Seitenkapelle. Der Plan erinnert an die 1987 auf dem Schwanberg errichtete St. Michaelskirche.

Ort der Meditation

Bei seinen wiederholten Eingaben bei der Erzdiözese Bamberg, das Projekt zu genehmigen und finanziell zu unterstützen, beißt Guttenberg jedoch auf Granit. Erst 1960, nachdem in Mannsflur eine evangelische Kirche errichtet worden ist und ein katholischer Kirchenbauverein rührig wird, erhält das Vorhaben einen Schub. Im Januar 1965 gibt Weihbischof Johannes Lenhardt seinen Segen, einen Großteil des mit 740 000 D-Mark veranschlagten Kirchenbaus zu übernehmen. Dass die Zahl der Bewohner auf 700 angewachsen ist, darunter 430 Katholiken, hat ihm die Zusage erleichtert.

Der Bauplan von Brancas unterscheidet sich deutlich von früheren Entwürfen: Über einen Treppenaufgang von der Lippastraße her durchschreiten die Besucher ein Eingangstor zum Vorplatz. Über einen Durchgang gelangt man links in die Kirche mit stark geneigtem Pultdach. Rechts, in gegenläufiger Dachschräge, der Gemeinderaum mit Sakristei, daneben ein hoher Glockenturm. Hinter der Anlage schließt sich ein Garten als Ort der Meditation an. Das Kircheninnere spiegelt den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Für die Mitte des quadratischen Raums ist ein frei stehender Altar vorgesehen, um den sich die Bänke gruppieren.

Der Priester ist bei der Eucharistie unmittelbar den Gläubigen zugewandt. An der Ostwand dahinter ist der Tabernakel zur Aufbewahrung des Altarsakraments vorgesehen. Zweifellos hat von Branca eine elegante, religiös zeitgemäße, Geborgenheit stiftende Anlage geplant.

Ein Donnerschlag

Kurz vor der im Juni 1965 vorgesehenen Grundsteinlegung erfolgt ein Überraschungscoup der bayerischen Schulverwaltung: Die Einklassenschule in der Mannsflur soll aufgrund der Schulzentralisierung in Marktleugast schon zum kommenden Schuljahr aufgelöst werden. Die Erzdiözese erwirbt das Schulgebäude kostengünstig und lässt es umbauen, so dass es als katholische Kapelle sowie von der Feuerwehr Mannsflur und der Rotkreuz-Bereitschaft genutzt werden kann. Die Träume einer Branca-Kirche in der Mannsflur sind damit ausgeträumt.

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