Kulmbach
Arbeitsmarkt

Kulmbacher Jobcenter befürchtet Finanzierungslücke

Die Arbeitslosenzahlen sind mit aktuell 1383 Personen auf dem niedrigsten Niveau der letzten Jahre. Auch die Zahl der Leistungsberechtigten sinke, stellte d...
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Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD, Angelika Weikert
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD, Angelika Weikert
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Die Arbeitslosenzahlen sind mit aktuell 1383 Personen auf dem niedrigsten Niveau der letzten Jahre. Auch die Zahl der Leistungsberechtigten sinke, stellte der Geschäftsführer des Jobcenters Kulmbach, Norbert Halbhuber, beim Gespräch mit der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angelika Weikert, vor. In diesen Zahlen, die Halbhuber vorlegte, sind die Flüchtlinge bereits enthalten.
Dennoch sei Kulmbach keine Insel der Glückseligen. Halbhuber wünscht sich eine gesicherte Finanzierung und forderte deshalb ein Ende der Projektierungen.
Auch wenn die Regierungsverhandlungen noch laufen, sei eine Kürzung des Budgets nach bisherigen Hochrechnungen vorhersehbar, befürchtet Halbhuber. Er rechnet mit einer Kürzung um 8,51 Prozent im nächsten Jahr: Das würde dann mehr als 324 000 Euro weniger Mittelzuweisung bedeuten. Halbhuber rechnet künftig mit einem Budget von 3,4 Millionen Euro (2017 lag das Budget bei 3,814 Millionen Euro).
Der Grund ist der sogenannte Problemdruckindikator, der den Berechnungen normalerweise zugrundegelegt werde. Dieser Indikator sorgt dafür, dass mehr Mittel in Ballungsräume und in Problemkommunen fließen können.
"Man müsste also mehr Geld in das gesamte System pumpen", wünscht sich Halbhuber. Der Geschäftsführer des Jobcenters Kulmbach gab zu bedenken, dass in Nicht-Ballungsräumen oft mehr positive Effekte verbucht werden könnten als in Ballungsräumen, wo der Markt übersättigt sei.


Problematische Zeitfenster

Generell mache die Befristung von Projekten Probleme, betonte Helmut Schwenk vom Jobcenter. So habe es für Langzeitarbeitslose ein Coaching-Projekt gegeben. 25 Langzeitarbeitslose, die mehr als fünf Jahre keinen Job hatten, konnten vermittelt werden.
"Man bräuchte ein politisches Bekenntnis", führte der Geschäftsführer weiter aus. Das bedeute: Langzeitarbeitslose hätten nur eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, wenn es gelinge, die Beschäftigung zu fördern und Betriebe, die solche Menschen aufnehmen, zu bezuschussen. Die Förderung für solche Beschäftigungsverhältnisse läuft aber Ende des Jahres aus. Generell wünschen sich die Praktiker, die Befristungen solcher Hilfen aufzuheben.
Weikert macht sich auch dafür stark, dass auch Beteiligungsgesellschaften des Freistaates Bayern bei solchen Programmen aktiv werden sollen. "Bislang aber ist das abgelehnt worden", bedauert Weikert.
Großes Augenmerk legt das Jobcenter Kulmbach auf die Förderung von Jugendlichen. Junge Menschen, die bislang durch alle Raster gefallen sind, können über spezielle Maßnahmen an Berufe herangeführt werden. Die Jugendwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung biete auch sozialpädagogische Unterstützung. Außerdem gebe es niedrigschwellige Projekte.
Ende Oktober hatte das Jobcenter Kulmbach 184 Flüchtlings-Bedarfsgemeinschaften, bestehend aus 507 Mitgliedern, zu verzeichnen. Davon seien 327 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, nur 111 Menschen seien arbeitslos gemeldet, stellte der Geschäftsführer klar. Die anderen seien in Integrationskursen, noch in Schulen oder gingen einer Beschäftigung nach, die prekär sei. Die größte Zahl der ausländischen Kunden im Jobcenter Kulmbach sind Syrer, gefolgt von Menschen, die aus dem Irak, aus der Türkei und aus Afghanistan kommen.
Weikert macht bei ihrer Tour durch den Landkreis Kulmbach am Abend in Marktschorgast Station und spricht über Altersarmut.
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