Kulmbach

Kulmbach wird ab September zu einem Fairtrade-Landkreis

Eine kleine Gruppe aktiver Menschen sitzt im Weltladen an einem Tisch und philosophiert bei gekühltem Eistee über fairen Handel. Für die einen sind dies Produkte, die so produziert worden sind, dass k...
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Klimaschutzbeauftragte Ingrid Flieger und Landrat Klaus Peter Söllner freuen sich mit der gesamten Steuerungsgruppe darüber, dass der Landkreis jetzt zum "Fairtrade"-Landkreis wird. Das Siegel wird im September verliehen. Foto: Sonny Adam
Klimaschutzbeauftragte Ingrid Flieger und Landrat Klaus Peter Söllner freuen sich mit der gesamten Steuerungsgruppe darüber, dass der Landkreis jetzt zum "Fairtrade"-Landkreis wird. Das Siegel wird im September verliehen. Foto: Sonny Adam

Eine kleine Gruppe aktiver Menschen sitzt im Weltladen an einem Tisch und philosophiert bei gekühltem Eistee über fairen Handel. Für die einen sind dies Produkte, die so produziert worden sind, dass keine Menschen ausgebeutet werden. Fairer Lohn und natürlich keine Kinderarbeit sind die Stichworte.

Für andere ist der Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig. Und wieder andere legen Wert auf Regionalität oder Ökologie. "Wir ruinieren in Afrika die Märkte. Wir müssen den Afrikanern wieder eine Lebensgrundlage bieten", sagt die Grünen-Politikerin Dagmar Keis-Lechner.

Bei den engagierten Persönlichkeiten aus Politik und öffentlichem Leben sind auch Klimaschutzbeauftragte Ingrid Flieger und Landrat Klaus Peter Söllner dabei. Dass man sich im Weltladen getroffen habe, sei ein Signal, betont Söllner. Denn in dem Laden, der von 26 ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt wird, gibt es eben diese "fairen Produkte".

Und Landrat Klaus Peter Söllner greift auch gleich zu. Bei der Schokoladenvielfalt aus "fairem Handel" kann selbst ein Landrat nicht widerstehen.

Es ist nicht einfach, Fairtrade-Landkreis zu werden. Doch der Kreis Kulmbach hat es geschafft. Im September wird das Siegel offiziell verliehen.

Schon seit Juni 2018 arbeitet der Kreis an diesem Ziel. Eine lokale Steuerungsgruppe wurde gegründet. Vertreter der verschiedensten Bereiche sind darin engagiert.

Man hat Fairtrade-Fußbälle an Schulen verteilt, erklärte Klimaschutzbeauftragte Ingrid Flieger. Es gab Vorträge und Kochkurse. "Manches war gar nicht so einfach. Zum Beispiel die Umstellung des Kaffees in der Kantine", ergänzte Landrat Klaus Peter Söllner. Denn diese einfache Aufgabe gestaltete sich insofern schwierig, weil die Landratsamt-Kantine vom Personalrat geführt wird und der Landrat nicht weisungsberechtigt ist.

"Für mich ist es wichtig, regional zu kaufen und saisonal. Das gehört für mich zum fairen Handel", betonte CSU-Politikerin Brigitte Soziaghi. Und Landwirtin Anita Sack gefällt vor allem die Idee, Kleinbauern zu unterstützen.

Der Landkreis versucht inzwischen sogar "faire" Geschenke zu machen. Die Anforderungen für eine Fairtrade-Kommune sind gestaffelt. Je nach Einwohnerzahl muss eine Mindestanzahl an Geschäften und Gastronomie dabei sein. Für den Landkreis Kulmbach liegen die Anforderungen bei 15 Geschäften und acht Gastronomiebetrieben - so ist es für Landkreise von 70 000 bis 75 000 Einwohnern vorgeschrieben. Tatsächlich sind in Kulmbach schon 27 Einzelhändler mit von der Partie sowie zehn Gastronomiebetriebe. Die Anforderungen werden also übertroffen.

Das berufliche Schulzentrum ist nicht nur Unesco-Schule, sondern möchte auch Fairtrade-Schule werden. Organisiert wird diese Entwicklung von den Schülern selbst. Sie führen ein Mehrwegbechersystem ein, handeln mit fairen Produkten.

Und auch die Medien müssen mitspielen. Mindestens vier Artikel über "fairtrade" müssen pro Jahr erscheinen. Denn nur so kann es gelingen, den Gedanken einer breiten Gruppe näherzubringen.

Außerdem hat der Landkreis Kulmbach einen ökologischen Fußabdruck eingeführt, betonte Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger.

Dorle Frey vom Weltladen wies auf den "fair-ein" hin. Einen Verein, der zwar nur 43 Mitglieder hat, der aber Projekte in aller Welt unterstützt. Ebenfalls ein kleiner Baustein für eine "faire Welt".

Die Idee für die Fairtrade-Bewegung geht vom Verein TransFair aus, eine gemeinnützige Organisation, die das Ziel hat, benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien, Lateinamerika zu fördern und durch fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das Fairtrade-Siegel wird auf zwei Jahre verliehen. Danach werden die Kriterien überprüft.

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