Kronach

Kronacher legt sich mit Security an

Zu einem handfesten Streit kam es vor einem Jahr auf einer Veranstaltung in Michelau. Jetzt erhielt ein 34-jähriger Mann aus Kronach die Quittung: acht Monate Haft zur Bewährung. Außerdem muss er 800 Euro zahlen.
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Mit dem Angeklagten trat kein unbeschriebenes Blatt vor den Richtertisch. Symbolfoto: Christopher Schulz
Mit dem Angeklagten trat kein unbeschriebenes Blatt vor den Richtertisch. Symbolfoto: Christopher Schulz

Lichtenfels/Kronach  —  Für einen belebenden Abend in Michelau schien vor gut einem Jahr ein Kronacher gesorgt zu haben. Anlässlich einer Veranstaltung in der Angerturnhalle kam es zu blauen Augen, Bissen und beschädigter Brille. Das Ergebnis: ein Termin am Amtsgericht Lichtenfels.

"Vier, fünf Bier und ein paar Kurze", umriss der 34-jährige Angeklagte das, was er am 14. April 2018 intus hatte. In Klarzahlen: 2,6 Promille. Aber dass er gestänkert habe, daran erinnerte sich der Angeklagte nicht. Es sei vielmehr so gewesen, dass er die Musikveranstaltung mit seiner Freundin betrat, um ihr, die Geburtstag feierte, zu einem schönen Abend zu verhelfen. Allerdings sei das Security-Personal ihm gegenüber sehr schroff aufgetreten und habe ihn gegängelt. Grundlos habe ihm einer der Security-Mitarbeiter beschieden, dass er, falls er sich "noch so ein Ding" erlaube, rausflöge.

Der wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung angeklagte Mann sprach während seiner Einlassung sehr schnell und mitunter auch ein bisschen unzusammenhängend. In seiner Erinnerung blieb das dominant, was ihm selbst widerfuhr: "Ich habe mir überall Schrammen geholt" oder "Die haben mir auf den Brustkorb getreten" und "Die haben mich rausgeprügelt". Auf keinen Fall, so beteuerte der Kronacher, habe er einen ursprünglichen Anlass für seine Behandlung geliefert.

Beleidigungen bestritten

"Ich bin ein schmächtiger Mann von 60 Kilo und die drei sind große Büffel", erklärte er zu den als Zeugen gegen ihn auftretenden drei Security-Mitarbeitern. Zur Glaubwürdigkeit seiner Angaben befragt, versicherte der Angeklagte, dass er zwar betrunken war, es aber nicht so sei, dass ihm drei, vier Stunden aus dem Gedächtnis abhanden gekommen wären. Der Satz "aufgepumpte Glatzköpfe" sei auch nicht gefallen, erst recht nicht das "Arschloch", und zugebissen habe er überhaupt nur, als er am Boden lag und sich gegenüber einer Hand eines Security-Mannes nicht besser zu helfen wusste.

Wie sehr die Sache den Mann damals aufgewühlt haben mochte, beschrieb im Zeugenstand eine Polizeibeamtin, die mit anderen Kollegen am damaligen Einsatzort eintraf. "Er hat sich kaum beruhigen lassen, weder von uns noch von seinen Freunden". Doch gegenüber der Polizei soll sich der Kronacher, der sein Geld auf dem Bau verdient, auch schofel verhalten haben. Auf die Erkundigung nach seinen Personalien habe er keine Angaben gemacht und auf seinen Ausweis verwiesen. Das brachte ihm eine Fixierung ein und erst "auf der Dienststelle war er dann ruhig".

Rechtsanwalt Till Wagler, der den Mann vertrat, wollte mehr über diese Fixierung wissen und erhielt von der Beamtin zur Antwort, dass diese zur Eigensicherung geschehen sei.

Alle drei Männer vom Wachpersonal sollten als Zeugen gegen den Angeklagten aussagen, und keiner von ihnen teilte seine Erinnerungen. "Ich habe ihn zwei- bis dreimal verwarnt", erzählte dabei ein 36-jähriger Security-Mitarbeiter und schilderte auch den Hintergrund. Es sei um eine Tanzart gegangen, bei der das Rempeln inbegriffen ist. Diesen Tanz habe er untersagt, und darauf sei der Angesprochene aggressiv geworden. Es kam zum Streit und bald zu einem Faustschlag.

"Mir hat er ein blaues Auge verpasst", so der Zeuge. Seinem Kollegen sei die Brille beschädigt worden, und davon, dass er einem weiteren Kollegen aus Bodenlage heraus in die Hand gebissen habe, könne "keine Rede" sein. Der Gebissene selbst kam auch zu Wort und hat bis heute keine Erklärung für den Vorfall. "Er hat mich - Gott weiß warum - gebissen."

Die Auskünfte, die das Bundeszentralregister zu dem Angeklagten gibt, sind einschlägig: Beleidigungen, Beleidigungen mit vorsätzlicher Körperverletzung, Betrug, vorsätzliche Körperverletzungen und Haftstrafe. Staatsanwalt Jakob sah die Anklage bestätigt und in den Einlassungen des Angeklagten "eine Mischung aus Schutzbehauptungen und Erinnerungslücken". Er plädierte für eine siebenmonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Von Richter Zenefels ausgesprochen wurde eine achtmonatige Haftstrafe zur Bewährung, allerdings mit vierjähriger Bewährungszeit und unter Auflage einer Geldzahlung von 800 Euro.

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