Kronach
Gericht

Kronacher bestellte Drogen aus dem Internet

SAndra Hackenberg Kronach —  Die Drogen bestimmen schon seit Jahren das Leben eines jungen Kronachers. Gerade erst hat der 26-Jährige eine längere Haftstrafe wegen des Handels mit Betäubungsmitteln hi...
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Ein junger Kronacher gerät wegen seiner Drogensucht immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt.  Foto: Kay Nietfeld/dpa
Ein junger Kronacher gerät wegen seiner Drogensucht immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Foto: Kay Nietfeld/dpa

SAndra Hackenberg Kronach —  Die Drogen bestimmen schon seit Jahren das Leben eines jungen Kronachers. Gerade erst hat der 26-Jährige eine längere Haftstrafe wegen des Handels mit Betäubungsmitteln hinter sich, da sitzt er gestern schon wieder auf der Anklagebank am Amtsgericht Kronach.

Knapp zwei Gramm Amphetamine hat die Polizei bei dem jungen Mann gefunden - und das keine zwei Wochen nach seinem letzten Gefängnisaufenthalt. Seit vielen Jahren hat der Angeklagte laut eigener Aussage ein akutes Drogenproblem, das er auch im Gefängnis nicht in den Griff bekommen hat.

Wieder in Freiheit habe er jedoch versucht, Kontakte zum Drogenmilieu zu meiden und sich die Substanzen darum lieber über das Internet bestellt. "Sie saßen wegen Drogen im Gefängnis und haben nichts Besseres zu tun, als sich gleich wieder so Zeug zu bestellen?", fragt Richterin Claudia Weilmünster nach. "Ich wurde mit nichts entlassen", versucht der Angeklagte, seinen Rückfall zu erklären. Im Gefängnis habe er Freunde und feste Strukturen gehabt. "Draußen hatte ich keine Arbeit, saß nur zuhause und mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Ich werde von den Leuten nicht akzeptiert."

Der 26-Jährige orderte auf einer Internetseite eine Kräuterpaste mit berauschender Wirkung. "Ich habe einen geraucht - und boom, war ich weg." Seine Mutter fand den jungen Mann wenig später bewusstlos auf dem Fußboden, rief den Notruf und die Polizei. Die stellte neben besagter Kräuterpaste auch einen Beutel mit Kristallen sicher. Ein Schnelltest ergab, dass es sich bei beiden Substanzen um Methamphetamine handelte. Der Beschuldigte behauptet während der Verhandlung, den zweiten Beutel mit den Kristallen einfach so zugeschickt bekommen und nicht gewusst zu haben, um was es sich handelt - aus Sicht der Richterin nicht glaubwürdig: "Das wollen Sie uns doch jetzt nicht erzählen, dass Sie ein Drogenproblem haben und nicht wissen, was das ist." - "Wenn ich von meinem Dealer hier draußen Methamphetamine kaufe, sehen die anders aus", entgegnet der 26-Jährige.

In Anbetracht seiner einschlägigen Vorstrafen steht für den jungen Mann viel auf dem Spiel. Inzwischen hat er Arbeit gefunden, die er im Fall einer neuen Haftstrafe zu verlieren droht: "Ich hoffe, ich werde nicht wieder weggesperrt. Sonst fange ich wieder bei Null an." Inzwischen geht er zur Suchtberatung, gibt aber zu, dass Drogen noch immer eine Rolle in seinem Leben spielen: "Es ist trotzdem manchmal noch schwer, Nein zu sagen."

Staatsanwalt Daniel Killinger fordert sieben Monate Haft ohne Bewährung. Verteidiger Michael Linke dagegen verweist auf die positive Entwicklung, die sein Mandant in den vergangenen Monaten genommen hat und regt an, es noch ein letztes Mal bei einer Geldstrafe bewenden zu lassen.

Diesem Vorschlag stimmt das Gericht zu und verurteilt den jungen Mann zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 36 Euro, die er in monatlichen Raten abbezahlen darf. "Hören Sie auf mit den Drogen", gibt der Staatsanwalt dem sichtlich erleichterten Kronacher mit auf den Weg. "Finger weg!"

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