Bamberg

Krippenstadt Bamberg

In einer kleinen Serie blicken wir auf die große Zahl an Krippen, die alljährlich im Stadtgebiet zu bewundern sind. Ein Glanzlicht sind die Wachs-Krippenfiguren im Alten Rathaus.
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St. Josef im Hain an der Balthasar-Neumann-Straße gilt für Bamberger Verhältnisse beinahe schon ein wenig abgelegen im Stadtgebiet. Kirche und Krippe sind aber durchaus sehenswert. Die Grundausstattung der Krippe, die sich von Dezember bis zum Beginn der Fastenzeit in einer Nische beim Seiteneingang findet, stammt aus der Erbauungszeit der Kirche. Man hat also mit St. Josef vor nahezu 60 Jahren nicht nur ein Gotteshaus mit dem Tabernakel für den Leib des Herrn errichtet, sondern auch gleich noch eine heimelige Krippenarchitektur.

Die einem fränkischen Sommerkeller nachempfundene Geburtsgrotte erinnert an frühchristliche Darstellungen des Weihnachtsereignisses. In einer Nebenszene weiden die Hirte ihre Schafe und Ziegen nahe bei einem munter sprudelnden Gebirgsquell.

Zurück in der Stadtmitte trifft man am Schönleinsplatz auf eine weitere Großkrippe. Sie wurde vor 55 Jahren nach heftigen Bürgerprotesten gegen das vormals dort installierte Hexenhäusel im Auftrag des Krippenvereins vom Bildhauer Hermann Leitherer erstellt. Über mangelnden Publikumszuspruch kann sich diese Großkrippe ebenso wenig beklagen wie die am Maxplatz oder die am Dohlushaus bei der Oberen Pfarre. Die Krippe am Maxplatz ist nicht alleine schön gestaltet, sie ermöglichte bei passendem Lichteinfall auch vor 25 Jahren schon, damals wurde die Krippe von den Fränkischen Marktkaufleuten gestiftet, eine Art Selfie-Fotografie. Denn durch die Spiegelung auf der vorgesetzten Glasscheibe ist der fotografierende Krippenbetrachter immer mitten im Bild.

Die Großkrippe am Dohlushaus gegenüber der Oberen Pfarre zeigt am Aufstieg zum Kaulberg recht imposant, dass das religiöse Brauchtum um das Weihnachtsfest nach wie vor einen kräftigen neuen Spross hervorzubringen vermag.

Schönheit und Kitsch

Ehe man aber zum Kaulberg aufbricht, sollte man noch einen Abstecher zu St. Martin am Grünen Markt, zu den Maria-Ward-Schwestern am Holzmarkt, nach St. Elisabeth im Sand und zum Bamberger Krippenmuseum in der Oberen Sandstraße machen.

Im Kellergewölbe des Alten Rathauses bietet schließlich noch die Sammlung Ludwig ganz wunderschöne Wachs-Krippenfiguren in einer riesigen Panoramakrippe. Diese barocke Großkrippe aus Rottenburg am Neckar ist tatsächlich ein Glanzlicht der Krippenstadt Bamberg. Die Beleuchtungsvarianten für diese kostbare Welttheaterbühne en miniature reichen vom Morgengrauen bis zur Sternennacht im Orient. In zahlreichen Schauvitrinen werden einzelne Figurengruppen präsentiert. Etwa der im Tempel von Jerusalem predigende Jesusknabe oder ein Trupp römischer Soldaten, die auch ein wenig wie fränkische Landsknechte anmuten.

Bei den Maria-Ward-Schwestern werden bis zum 10. Januar im 14-tägigen Abstand vier Szenen aus dem Weihnachts-Evangelium gezeigt. In St. Martin findet der Krippen-Pilger die letzte Bühnenkrippe Bambergs. Ähnlich wie bei der Panoramakrippe aus der Sammlung Ludwig fesselt die Krippe von St. Martin durch ihren überbordenden erzählerischen Detailreichtum. Dagegen wirkt die seit 1920 eingerichtete Krippe von St. Elisabeth, die das Weihnachtsgeschehen in einen Alt-Bamberger Häuserprospekt holt, geradezu lieblich wie ein Puppenhaus.

Im Bamberger Krippenmuseum, in dem Krippen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts bis ins 21. Jahrhundert gezeigt werden, finden sich ein paar kunsthistorische Juwelen, etwa die Porzellankrippe nach einem Modellentwurf des Meißener Porzellankünstlers Johann Joachim Kändler. Aber auch "Zeuch und War" gibt es da, das nahe am Kitsch ist. Die größte böhmische Glaskrippe der Welt, die in diesem Jahr im Krippenmuseum gezeigt wird, sie lässt einen schier sprachlos zurück. Ist das nun Kitsch in einer anderen Dimension oder die kleinste denkbare Variante eines Objektes in der Art eines Jeff Koons. Der Besucher darf das für sich selbst entscheiden, wie er sich auch bei Koons' Arbeiten keinem Marktdiktat unterwerfen sollte.

Einmaliges Krippenkunstwerk

Die Stadtpfarrkirche "Zu unserer lieben Frau", kurz Obere Pfarre, beherbergt eine der bekanntesten Krippen Frankens. Bis zum 10. März kann die detailverliebte Krippenanlage, die sich auf 33 Quadratmetern Fläche erstreckt, besucht werden. Kinder und Erwachsene freuen sich gleichermaßen an den kleinen Suchaufträgen, die ganz nebenbei dafür sorgen, dass man auch im Zeitalter der digitalen Bilderflut genau hinschaut. In diesem Jahr sollen die Besucher eine kleine Hauskatze suchen, die angeblich auch schon in fränkisch Bethlehem bei der Geburt Christi dabei gewesen sein soll.

In St. Stephan über der Eisgrube konnte die 1943 von Berlin nach Bamberg übergesiedelte Künstlerin Winie Bechtel-Kluge ab 1958 eine ganz außergewöhnliche Krippe aus Muschelkalk und Sandstein fertigen. Innerhalb von 50 Jahren, also bis 2008, schuf Bechtel-Kluge ein Set von fränkisch-robust und expressionistisch nachklingenden Figuren aus dem Stein der Region. Alle Figuren und Reliefdarstellungen sind von der Künstlerin farbig gefasst und haben ursprünglich den Zweck erfüllt, dem Krippen in der Nachkriegs-Bundesrepublik oft auch dienten, ehe sie von der Modell-Eisenbahn unter dem Weihnachtsbaum abgelöst wurden. Das pädagogisch wertvolle Spiel mit den Krippenfiguren hatte Winie Bechtel-Kluge im Sinn. Geschenkt hat sie Bamberg dafür ein außergewöhnliches Kunstwerk der Nachkriegs-Moderne.

So, nun aber auf zum Dom und zum Diözesanmuseum. Im Dom zu Bamberg ist ja eigentlich immer Weihnachten, denn dort befindet sich im südlichen Seitenschiff ein vom Nürnberger Meister Veit Stoß geschaffener Marienaltar, der im Volksmund auch als Weihnachtsaltar bezeichnet wird. Eine eigene Dom-Krippe ist in den Archivalien der Diözese nicht vermerkt. Da aber ein Altar dem liturgischen Vollzug dient, eine Krippe aber eher als Andachts- oder religiöses Erbauungsbild gilt, gab Prälat Arnulf Gebhardt in den späten 1970er Jahren dem Drängen der Gläubigen nach und ließ aus Spenden Krippenfiguren anschaffen. Diese werden allerdings alljährlich unter einer prächtigen neubarocken Gloriole gezeigt, was die Dom-Krippe besonders imposant und feierlich wirken lässt.

Im benachbarten Diözesanmuseum hat man sich noch jedes Jahr zu Weihnachten eine spektakuläre Ausstellung einfallen lassen. Highlights der diesjährigen Auswahl dürften die Elektroschrott-Krippe einer gemeinnützigen Neusser Werkstätte sein oder die vom Bischberger Krippenbauer-Papst Karl-Heinz Exner zusammen mit Erik Baumann gefertigte Polizeikrippe aus dem Jahr 2002. Ein besonders wertvolles Stück ist auch die Olivenholzkrippe aus Bethlehem und auffallend buntglänzend sind die "Geburtshütten" aus Polen. Diese Krippen-Häuschen sind aus mit Staniolpapier gefasstem Pappdeckel gefertigt.

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