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Themenwoche Liebe

Kreis Forchheim: Alte Liebe - rostet sie?

Seit über 50 Jahren sind Maria und Engelbert Harrer verheiratet. Ehepaare aus dem Landkreis Forchheim verraten, was ihre Geheimnisse für lange Liebe sind.
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Hochzeitsbild von Maria und Engelbert Harrer Foto:privat
Hochzeitsbild von Maria und Engelbert Harrer Foto:privat

"Wir sagen uns auch heute noch jeden Tag, dass wir uns lieb haben", verrät Maria Harrer, die seit 51 Jahren mit Engelbert Harrer verheiratet ist. "Das ist wichtig, denn man darf auch nach vielen Ehejahren nicht alles als selbstverständlich hinnehmen", ergänzt sie und schaut ihren Mann liebevoll an: "Man sollte sich auch immer wieder in den Arm nehmen und sich drücken, damit man sich spürt."

Kennengelernt hatten sich die beiden bei einem Jugendtreff in der Stadthalle in Hollfeld. Er war 22 Jahre alt, sie 17. Sie verloren sich aus den Augen, trafen sich dann aber immer wieder. "Ich wollte eigentlich gar nicht so bald einen festen Freund", verrät Maria Harrer und erzählt, dass sie ihren geliebten Vater verloren hatte, als sie 12 Jahre alt war. Eigentlich wollte sie lieber mit ihrer Mutter kochen und backen. Stattdessen musste sie jetzt in der Landwirtschaft mitarbeiten. "Ihre Mutter war sehr streng und hat immer aufgepasste, dass wir uns ja nicht anfassen", erinnert sich ihr Ehemann und ergänzt, dass es damals auch verboten war, dass man bei der Freundin übernachtete.

Engelbert Harrer fuhr damals ein großes Auto, was viele Mädels und Jungs beeindruckte. "Mich nicht", meinte seine Ehefrau und sagt, dass sie schnell merkte, dass das etwas Festes werden könnte. "Mir war und ist wichtig, dass ich eine Frau habe, die zu mir passt. Und das war so, deshalb habe ich dann auch keinen Unsinn getrieben", meinte Engelbert Harrer.

"Wir haben Glück gehabt im Leben."

Vier Jahre gingen die beiden miteinander, dann heirateten sie und bekamen drei Kinder. Ihr Leben war geprägt von Arbeit. Maria Harrer kümmerte sich um Haushalt, Kinder, Land- und Gastwirtschaft. Außerdem war sie Ortsbäuerin, in der Kreisvorstandschaft des Deutschen Bauernverbandes tätig und trug Zeitungen aus. Engelbert Harrer ging zur Arbeit - unter anderem war er Schichtführer bei Bosch -, baute Häuser für sich und die Kinder und kaufte schließlich noch ein Hotel. "Wir haben viel gearbeitet und unsere Kinder mussten mithelfen. Aber jeden Samstag um drei Uhr trafen wir uns zum Kaffeetrinken", erzählt Maria Harrer und ihr Mann ergänzt: "Wir haben Glück gehabt im Leben."

Doch sie haben für ihre Beziehung auch viel getan: Immer miteinander geredet, alles gleich geklärt, die Arbeit miteinander gemacht und nie aufgegeben. "Das A und O sind Vertrauen und Durchhaltevermögen", fasst Engelbert Harrer zusammen und seine Frau denkt laut nach: "Im Alter ist die Liebe eine andere. Sie geht tiefer und man ist mehr auf sich fixiert. Da werde ich schnell unruhig, wenn er nicht zur angegebenen Zeit kommt. Und wir wünschen uns noch ein paar schöne Jahre miteinander."

Das raten weitere Paare, die seit vielen Jahren zusammen sind:

Gerda und Helmut Wagner aus Hausen sind seit 54 Jahren miteinander verheiratet. "Wenn man eine glückliche Ehe führt, dann gibt's da nix zu sagen", meint Helmut Wagner. "Das Versprechen ‚in guten wie in schlechten Tagen‘ bei der Trauung hat mich geprägt", sagt dagegen Gerda Wagner und zählt auf, was nach ihrer Ansicht wichtig ist: gegenseitige Achtung, nie versuchen aus dem Partner einen anderen Menschen zu machen, Treue, Vertrauen, Humor, dem Partner nicht in allem zustimmen, mit Freunden unterwegs sein, nie im Streit zu Bett gehen, zufrieden sein und Sorgen gemeinsam durchstehen. "Uns hat aber auch der Glaube getragen", sagt Gerda Wagner und weist darauf hin, dass es auch mal Streit geben muss: "Man darf nicht gleich wegrennen, denn vielleicht lohnt es sich ja, beim Partner zu bleiben. Und man sollte nicht nur an sich denken und immer offen reden."

Ilse und Gerhard Schmidt aus Leutzdorf sind seit 53 Jahren miteinander verheiratet. "Man soll immer auf das hören, was die Frau sagt", scherzt Gerhard Schmidt. Er ist der Ansicht, dass eine Ehe besser hält, je kleiner man anfangen muss. "Wir haben finanziell mit nichts angefangen und uns nach und nach alles erarbeitet, was wir heute haben", erläutert Schmidt und seine Frau ergänzt, dass sie sich über jeden kleinen Schritt nach vorn sehr gefreut haben. Sie meinen, dass junge Leute heutzutage von Eltern zu sehr unterstützt werden. Sie haben gemeinsame Interessen und unternehmen etwas. Zudem machen sie sich immer bewusst, wie schnell das Leben zu Ende sein kann und einem Partner etwas passieren kann. "Das macht nachdenklich und demütig", sagt Gerhard Schmidt. Und auch sie sprechen über Probleme oder Dinge, die sie berühren und sind offen zueinander.

Marlies und Gerhard Arzt aus Oberehrenbach sind seit 19 Jahren miteinander verheiratet. Zuvor waren sie 25 Jahre mit anderen Partnern vermählt. "Beim zweiten Mal versucht man die Fehler aus der ersten Ehe nicht mehr zu machen", sagt Gerhard Arzt. Und seine Frau meint, dass Vertrauen das Wichtigste in einer Beziehung sein muss. "Man darf auf keinen Fall eifersüchtig sein. Wie der Name schon sagt, das ist eine Sucht, mit der man den anderen kaputt machen kann", erklärt Gerhard Arzt und empfiehlt ebenfalls, dass Ehepartner unbedingt viel miteinander sprechen sollten.

Lore und Fritz Wunder aus Unterleinleiter feierten gerade ihre Diamantene Hochzeit. "Liebe, Vertrauen, gegenseitiges Verständnis und die Familie sind in unserer Ehe wichtig", verrät Lore Wunder und ihr Mann ergänzt, dass sie viel miteinander reden und nie richtig böse gestritten haben - nur diskutiert. Außerdem ist der Zusammenhalt in ihrer Familie auf für die Partnerschaft wichtig.

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