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Eltmann
Strafprozess

"Kratzer" an der Leitplanke entpuppte sich als Schaden und brachte 20-Jährige vor Gericht

Flott unterwegs war im März dieses Jahres eine 20-Jährige aus dem Maintal in ihrem VW Golf. Zu flott. Denn bei Dunkelheit und nasser Fahrbahn kam sie bei Eltmann ins Schleudern. Ihr Auto drehte sich u...
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Flott unterwegs war im März dieses Jahres eine 20-Jährige aus dem Maintal in ihrem VW Golf. Zu flott. Denn bei Dunkelheit und nasser Fahrbahn kam sie bei Eltmann ins Schleudern. Ihr Auto drehte sich um die eigene Achse und landete in der Leitplanke. Sie stieg kurz aus, begutachtete den Schaden an der Leitplanke, der für sie keiner war, und setzte ihre Fahrt im verbeulten Auto fort. Doch zu ihrem Pech blieb der Unfall nicht unbemerkt.

Ein anderer Verkehrsteilnehmer hatte ihn bemerkt und die Polizei darüber informiert. In der Folge erhielt die junge Mutter Post von der Staatsanwaltschaft, die sie für das Entfernen vom Unfallort zur Kasse bat.

Der Grund hierfür war der jungen Frau schleierhaft. Sie legte Einspruch ein und beteuerte am Montag vor dem Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt: "Da war nix an der Leitplanke. Höchstens ein Kratzer."

Doch den bezifferte die Staatsanwaltschaft auf 1800 Euro als Schaden. Richter Martin Kober erklärte der unerfahrenen Verkehrsteilnehmerin ihre beiden Fehler: "Sie fuhren erstens zu schnell, zweitens sind Sie abgehauen", belehrte er sie. "Es wäre Ihnen nichts passiert, wenn Sie die Polizei angerufen hätten", fügte er hinzu. Die Versicherung hätte den Schaden bezahlt und die Mühlen der Justiz wären nicht ins Mahlen gekommen, sagte Kober.

Als der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich den schwierigen Lebenslauf der Angeklagten schilderte, konnte die ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Im Jahr 2006 starb die Mutter. Der Vater ist psychisch krank.

Früh musste die Angeklagte nicht nur für sich selbst und für ihr kleines Kind sorgen, sondern auch ihren arbeitslosen Lebensgefährten durchschleppen. Da die Angeklagte nicht vorbestraft ist und auch keinen Eintrag im Verkehrszentralregister aufweist, beließ es das Gericht bei einer Geldstrafe von 300 Euro und einem Fahrverbot von einem Monat.

Doch noch Glück gehabt

Hier hatte die Angeklagte Glück. Denn die Reparatur kostete statt der anvisierten 1800 Euro nur rund die Hälfte. Ab einer Schadenssumme von über 1300 Euro sieht das Gesetz eine Fahrsperre vor, so dass der Angeklagten eine MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) und ein erneuter Fahrtest nicht erspart geblieben wären. So erhält sie ihren Führerschein nach einem Monat wieder zurück. Das Urteil ließ die Tränen der Angeklagten wieder trocknen und zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht.