Kulmbach

Kopf an Kopf: Sperling und Meise

Bei der "Stunde der Wintervögel" zeigt sich, dass das ertragreiche Obstjahr gut für Wacholderdrosseln war. Bei der Zählung ergibt sich ein spannendes Rennen eines Spitzentrios um die Top-Position.
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Ein weiblicher Haussperling
Ein weiblicher Haussperling
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Der Wintereinbruch im Freistaat hat viele Vögel auf der Suche nach Futter in die Gärten gebracht. Dadurch konnten die Teilnehmer der "Stunde der Wintervögel" zum Teil auch besondere gefiederte Gäste zählen und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) melden.

Nach einer ersten Zwischenbilanz von Bayerns größter wissenschaftlicher Mitmachaktion liefern sich Haussperling, Feldsperling und Kohlmeise ein knappes Rennen um den Spitzenplatz des am häufigsten beobachteten Vogels im Freistaat.

Auffällig ist ein starker Einflug von Erlenzeisigen, der dadurch auf Rang sechs hochgeflogen ist. "Unübersehbar sind dieses Jahr auch die vielen Wacholderdrosseln. Sie profitieren vom ertragreichen Obstjahr, durch das immer noch Früchte als natürliche Nahrung an den Bäumen hängen", erklärt Martina Gehret vom LBV.

Nach Eingang von ungefähr einem Drittel der Meldungen zeichnet sich eine gute Gesamtbeteiligung ab.

Normalerweise ist die Wacholderdrossel eine Vogelart, die es gerade so unter die 30 häufigsten schafft. Der gern in Schwärmen auftretende Vogel rangiert derzeit allerdings unter den Top 15 Wintervögeln in Bayern. Der amselgroße Vogel mit der rötlich-braunen Oberseite und der schwarz-gestrichelten Brust profitiert, wie auch alle anderen Drosselarten, vom warmen Sommer 2018. "Bereits jetzt nach einem Drittel der Meldungen wurden schon fast so viele Wacholderdrosseln gezählt wie im Vorjahr insgesamt", so Martina Gehret.

"Heimspiele" für Waldvögel

Auch Wälder und Hecken bieten derzeit vielerorts noch zahlreichen Waldvögeln einen reich gedeckten Tisch. Für typische Waldarten wie Eichelhäher, Buntspecht, Kernbeißer oder Gimpel sind Gärten nur Ersatzbiotope, in die sie vermehrt kommen, wenn es im Wald nicht genug zu picken gibt. "Das würde auch den sich abzeichnenden Beobachtungsrückgang der Waldvögel erklären", sagt Gehret.

Ein weiterer besonderer Gast in den Gärten des Freistaats ist an diesem Wochenende der Erlenzeisig. Bekommt ihn normalerweise im Schnitt nur ungefähr jeder zehnte Teilnehmer zu sehen, wurde der kleine gelbgrün-gestreifte Fink von fast einem Drittel der bayerischen Melder beobachtet.

Zweit Brut

"Den Erlenzeisigen wurde durch den heißen europäischen Sommer eine zweite Brut und eine erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungen ermöglicht. So ist ihr Bestand in den nördlichen Brutgebieten wahrscheinlich so stark gestiegen, dass derzeit die Nahrung nicht für alle reicht, weshalb ein Teil der Vögel zu uns nach Süden ausweichen musste", vermutet Gehret.

Erlenzeisige treten vor allem in Schwärmen auf und sind vom größeren Grünfink auch durch den deutlich spitzeren Schnabel und den pinzettenförmigen Schwanz zu unterscheiden. Die Zeisige sind ebenfalls gut zu hören, da sie im Schwarm durch ihre auffälligen "tüli"- und "zäi"- Rufe ständig Kontakt halten.

Auf dem Rückzug

Auf einem nach wie vor schwachen fünften Rang hält sich dieses Jahr die Amsel. Zwar versetzte ihr der im Sommer in großen Teilen Mittel- und Unterfrankens über eine Stechmücke verbreitete tödliche Usutu-Virus scheinbar keinen zusätzlichen dramatischen Einbruch. Doch schon im Vorjahr war die Amsel vom Normalniveau abgerutscht und zum Sorgenkind geworden. red

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